17.03.10„Klimakatastrophe“, Globalisierung, Energiewirtschaft
Anlaß für diesen Artikel ist der Klimagipfel in Kopenhagen. Das ursprüngliche Ziel, ein Welt-Klima-Regime, wurde nicht erreicht. Vielmehr konnte man die Demagogie eindrucksvoll erleben, mit der Politik, Wirtschaft und Medien, aber auch Teile der Wissenschaft das versucht haben. Dies wird sogar bereits in einzelnen Mainstream-Medien erwähnt und in vielen Internet-Plattformen, BLOGs usw. ausführlich besprochen, weshalb ich hier nicht näher darauf eingehe.
Klimaveränderung im Sinne des Gipfels ist (für einen interessierten Laien wie mich) offensichtlich eine unbewiesene Behauptung. Umweltverschmutzung etwa existiert tatsächlich und es ist sicher, daß wir Menschen sie verursachen. Beide Probleme (soferne wir das erste dazurechnen) sind jedoch Folgen, daher muß bei den Ursachen angesetzt werden:
Verursacher sind primär die Globalisierung und die Energiewirtschaft in der heutigen Ausprägung. Das Klimaproblem, sollte es das tatsächlich geben, wäre aber im „Ranking“ aller von ihnen zu verantwortenden Weltprobleme (wenn überhaupt) sehr weit hinten anzuordnen. Und wenn die wesentlichen anderen Probleme gelöst werden, löst es sich von selbst – übrigens auch das Umweltproblem.
Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit den Regeln der Evolution und versuche, die Probleme unserer Welt aus dieser Sicht auf meiner Website zu analysieren (http://www.ohnepolemik.at). Mein Credo:
Nichts im Leben hat langfristig Bestand, was nachhaltig gegen die Regeln der Evolution verstößt, „dem Wirkungsgefüge der Natur" (Konrad Lorenz).
Ohne Wachstum ist Leben biologisch nicht denkbar. Unser Problem ist nicht das Wachstum an sich, sondern das schädliche Wachstum. Rupert Riedl: „Alle Systeme, die sich nur durch Wachstum erhalten können, müssen allein an diesem Wachstum zu Grunde gehen. Wenige Ökonomen sind bereit, das so zu sehen." Wo sind die Bremsen, wo ist die “negative Rückkopplung“?
Die Evolution kennt keine Ideologien, sie kennt kein links und rechts. Sie kennt nur Individuum, Gemeinschaft und Lebensraum. Zur Allgemeinbildung gehört heute, unabhängig von der (Fach-)Ausbildung, eine gute Kenntnis der Regeln der Evolution, weil man sonst die Ereignisse nicht ausreichend erklären kann. Entscheidend ist, daß man an die Probleme mit dem „Hausverstand“ herangeht. Übrigens meine ich, daß die Regeln der Evolution dem Hausverstand entsprechen bzw. jener sich aus diesen entwickelt hat.
Die Evolution hat ein klar erkennbares Ergebnis: Es ist das Gedeihen des Lebens in einer ungeheuren Vielfalt und Fülle. Es gibt daher einen wesentlichen universellen Verhaltensleitwert: Das Gedeihen des Lebens in dieser ungeheuren Vielfalt und Fülle zu fördern.
Daher muß immer wieder die Frage gestellt werden, ob das, was Menschen und wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Institutionen tun, dezentral Vielfalt und Fülle (Subsidiartität) garantiert oder zu Zentralisierung, Monokulturen, Verlust der lokalen Lebensgrundlagen und Existenzsicherung führt. Die Natur kennt keine Monokulturen!
Und nun zum eigentlichen Thema Klimaveränderungen, das nach meiner Meinung Globalisierung und Energiewirtschaft heissen sollte, weshalb im Folgenden genau davon die Rede ist. Nähere Einzelheiten sind über die Verweise aufrufbar.
Ich teile voll die Ansicht jener, die sich gegen Klima- und Umwelt-„Hype“ wenden, mit denen die Menschen in Angst versetzt werden (sollen), um ihnen möglichst viel Geld abzunehmen, ohne die Probleme zu lösen.
Wirkungsvolle Maßnahmen würden Macht und Verfügungsgewalt über beträchtliche Mittel beschränken. Die primär davon betroffenen „wirtschaftlichen Komplexe", Energie-, Transport- und Finanzwirtschaft gehören immerhin zu den größten und einflußreichsten Sektoren der Weltwirtschaft. In keinem der einflußreichen Staaten steigt man jedoch mutig und konfliktbereit auf die Bremsen.
Worauf ich aber hier hinaus will ist darzustellen, daß bei der Kritik der Klima- und Umweltpolitik recht oft „das Kind mit dem Bad ausgeschüttet wird“. Ich wende mich dagegen, wenn in diesem Zusammenhang auch die Bemühungen zur Entwicklung der erneuerbaren Energien einbezogen werden. Damit wird genau das erreicht, was von den „Eliten“ gewünscht wird.
Globalisierung
in der heutigen Ausprägung ist nur in Verbindung mit der Transportwirtschaft denkbar und rechnet sich nur aufgrund der enormen Subventionen in diese sowie in die fossile Energiewirtschaft. Globalisierung, Transport- und Energiewirtschaft sind „Drillinge". Der Vierte im Bunde ist der globale Finanzmarkt. Als Werkzeug dient die moderne Informationstechnik. Der Washington Consensus wurde 1990, unmittelbar nach der "Wende" von 1989, also nach Wegfall des Ost-West-Konflikts geschlossen. Mit hohem Tempo etablierte sich die sogenannte „Demokratie nach dem Washington Consensus". Dieser Terminus meint das voll ausgebreitete Regime des Neoliberalismus, das weltweite Liberalisieren des Handels, die mehr oder weniger erzwungene Marktoffenheit und die Deregulierung und Privatisierung (mit Ausnahmen mancher Kernbereiche der Mächtigsten).
Das System ist auf Dauer nicht lebensfähig und ist für einen wesentlichen Teil der hier angesprochenen Probleme (z.B. Umwelt) verantwortlich. Es basiert auf dem ungebremsten „schädlichen Wachstum", das von einseitigen Subventionen lebt, Vielfalt zerstört, Zentralisierung, Massenanonymität und Monokulturen fördert usw. Es widerspricht einer natürlichen Struktur, die bereits zu Beginn der industriellen Entwicklung von Heinrich von Thünen (1783-1850) dargestellt wurde: Er beschreibt den wirtschaftlichen Prozeß als ein System von konzentrischen Kreisen, um die zu versorgenden Zentren, die "Thünenschen Kreise". Sie ergeben sich automatisch, von Produkt zu Produkt, aus Produktionskosten und entfernungsbedingten Transportkosten. Von Subventionierung der Energie- und der Transportkosten war dabei allerdings keine Rede, auch nicht davon, daß die Öffentlichkeit, der Steuerzahler, für die verbundenen Kosten (Straßen, Flughäfen und Flugsicherung, Bahntrassen, Reparatur von Schäden an der Natur usw.) aufkommt. Die sprichwörtlichen Transporte von Kartoffeln von Deutschland nach Italien zum Waschen und Schälen rechnen sich ohne diese Subventionen nicht, wohl aber der Export hochtechnischer Produkte in andere Weltregionen.
In Europa etwa fährt der Transitverkehr für die ausländische Wirtschaft, d.h. für die Konkurrenz der heimischen Betriebe. Rund 70% der Güter, die in Europa nationale Grenzen überqueren sind konzerninterne Transporte, auf den Wegen und auf Kosten der Allgemeinheit.
Die Wirtschaft ist sozusagen im Pubertätsstadium stecken geblieben, ihre heutige Form wird auch "wirtschaftlicher Infantilismus einer Säuglingsgesellschaft" genannt, weil die maßgeblichen Unternehmen, aber auch viele Politiker und Bürger wie Säuglinge nur Rechte einfordern, keine Pflichten akzeptieren und auch keinerlei Verantwortung für die Folgen ihres Handelns zu übernehmen bereit sind. Globalisierung hat es früher gegeben und wird es auch in Zukunft geben, in absehbarer Zeit jedoch in anderer, menschen- und naturfreundlicher Form. Wir werden (nach der Energiewende) weiterhin reisen und transportieren, wenn auch in anderer Struktur und mit anderen Energieträgern.
Energiewirtschaft, Energiepolitik
Quelle: Hermann Scheer. „Energieautononmie"; Antje Kunstmann, München, 2005
Erneuerbare Energien werden eines Tages die einzigen sein, mit denen die Menschen ihre Energiebedürfnisse befriedigen, ob wir das wollen oder nicht. Die fossil-atomare Weltwirtschaft wird in der Erdgeschichte eine Episode von etwa 150-200 Jahren Dauer sein. Die Welt ist danach eine völlig andere. Bei diesem Wechsel, der alle Bereiche der Gesellschaft beeinflussen wird, geht es um den tiefgreifendsten wirtschaftlichen Strukturwandel seit der industriellen Revolution, ja der Geschichte überhaupt. Wegen der physischen, ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Grenzen fossiler und atomarer Energienutzung wird niemand mehr an dieser Lösung vorbeikommen. Entscheidend ist, daß der Wechsel, der ja mehrere Jahrzehnte dauern wird, noch rechtzeitig genug gelingt, damit uns irreversible, ökologische Verwerfungen und politische und wirtschaftliche Katastrophen erspart bleiben. Leider ist zu befürchten, daß die Energiewende nicht sanft, aufgrund vernünftiger energiepolitischer Überlegungen stattfindet, sondern abrupt, als Folge der derzeitigen Finanz- und Wirtschaftskrise und der dabei zu erwartenden Probleme, wie Hyperinflation, Staatsbankrott und Währungsreformen. Alte chinesische Weisheit: "Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern die anderen Windmühlen". Die oft gehörte Behauptung, mit erneuerbaren Energien (EE) sei Vollversorgung nicht möglich, beleidigt die Kreativität von Physikern, Chemikern oder Ingenieuren. Grundsätzlich ist aber dazu zu bemerken, daß uns auf lange Sicht keine andere Wahl bleibt. Auch wenn Öl, Gas, Kohle und Uran noch doppelt so lange oder noch länger verfügbar sein sollten als derzeit geschätzt, ändert das nichts. Wir haben nicht nur kurzfristige Verantwortung für uns, unsere Kinder und unsere Enkel. Auch sie haben wieder Kinder und Enkel usw. Das Bewußtsein für unsere langfristige Verantwortlichkeit muß uns leiten.
Goethe: "Der Wissenschaftler muß durch sein Handeln immer wieder kund tun, daß er zum humanen Teil der Menschheit gehört." (Farbenlehre)
Die Probleme werden nicht durch „eine Technik“ gelöst, sondern durch den richtigen Mix entsprechend der geographischen und der Wettersituation. Die Sonne liefert mit ihren Derivaten Wind, Wellen, Wasser, Biomasse täglich 15.000-mal mehr Energie, als wir derzeit in Form von atomaren und fossilen Energien verbrauchen. Von einem mangelnden Energiepotential zu sprechen ist falsch. Ebenso falsch ist, von einer durch die Technik gesetzten Grenze zu sprechen, denn es geht um Techniken, die in anderen Sektoren seit langem üblich sind.
Die Technologien der erneuerbaren Energien sind einsatzbereit und werden weltweit erfolgreich angewendet. Sicher befinden sie sich derzeit zum Teil noch auf einem Entwicklungsstand, wie etwa die Computer in den 1970-Jahren. Heute kann den PC im wahren Wortsinn „jedes Kind" bedienen.
Wenn den Verfechtern erneuerbarer Energien etwa im Zusammenhang mit der Atomtechnologie Technik- und Wissenschafts-Feindlichkeit vorgeworfen wird, muß dagegengehalten werden, daß sich diese Eigenschaften heute wohl bei denen zeigen, die den erneuerbaren Energien diese Perspektiven absprechen bzw. diese Entwicklung behindern. Wer ähnliches bei der Informationstechnologie versucht hätte, wäre weltweit ausgelacht worden. Dabei ist der Markt für erneuerbare Energien ungleich größer als der der Informationstechnik.
Die Wettbewerbsfähigkeit der erneuerbaren Energien (EE) ist vielfach heute bereits gegeben, wenn nicht beim Vergleich zweierlei Maß angewendet wird. Es ist falsch und demagogisch, den Preisvergleich kurzfristig betriebswirtschaftlich anstatt langfristig volkswirtschaftlich anzustellen. Dabei werden alle öffentlichen Subventionen und Förderungen, die bekannten Folgeschäden bzw. -kosten für Natur und Gesellschaft usw. vergessen. Ebenso ausgespart werden die langfristigen volkswirtschaftlichen Vorteile der dezentralen erneuerbaren Energien. Insbesondere werden die Aspekte der „Energieautonomie“ und die „Gewinner des Wechsels“in den Diskussionen kaum angesprochen. Einige Zahlen zum Vergleich von Subventionen und Förderungen. Die Daten haben sich seither in der Größenordnung nicht wesentlich verändert: Die Förderungen für erneuerbare Energien sind in letzter Zeit angestiegen. Energie-Subventionen 2001 weltweit 244 Mrd. $ (davon nur 9 Mrd. = 3,7 % für EE). Ohne Steuerbefreiungen für Flug- und Schiffstreibstoffe von 250 Mrd. Ohne Subventionen für Bau von Strom- und Gasleitungen, Forschungs- und Entwicklungshilfen für Atomenergie sowie Ausgaben für die militärische "Sicherung" des Zugangs zu den Ressourcen. Welt-Militärausgaben nach SIPRI 2005: 1.118 Mrd. $. Für F+E der Atomenergie gaben die OECD-Länder zwischen den 50er Jahren und 1973 über 150 Mrd. $ aus (nach heutigen Preisen) - für erneuerbare Energien dagegen praktisch nichts. Zwischen 1974 und 1992 waren es 168 Mrd., für EE nur 22 Mrd. ohne Atomförderung der EU und Frankreich. Zusammen mit den Nicht-OECD-Ländern samt dem einstigen Ostblock liegt die Summe weltweit bei mindestens einer Billion Dollar - die für die EE dagegen in den letzten 30 Jahren höchstens bei 40 Milliarden. Schäden aus AKWs können nicht versichert werden! Kernfusion ist ein Faß ohne Boden. Sie ist das größte weltweit öffentlich geförderte Projekt, das über Jahrzehnte keine verwertbaren Ergebnisse brachte, was nach Fachmeinung auch für weitere Jahrzehnte gilt. 1955 wurde der erste Reaktor für 1975 avisiert, heute 50 Jahre später ist er für 2060 angekündigt. Ch. Grefe (Die Zeit): "Die Hoffnung gleicht der eines mittellosen Mannes, der in einem Restaurant einen Gang Austern nach dem anderen bestellt, um die Perle zu finden, mit der er seine Völlerei bezahlen kann". Im Unterschied zum Aufschlag auf den Kwh-Preis für EE zahlen diese nicht die Energiekonsumenten, sondern zur Gänze die Steuerzahler der Welt. Da es nicht realistisch ist, den Anbietern konventioneller Energien aufzuerlegen, früher erhaltene Subventionen zurückzuzahlen, sind Preisstützungen und Förderungen erforderlich und richtig. Selbstverständlich sind fehlgeleitete Subventionen und Förderungen zu kritisieren und zu korrigieren. Auch bei den Erneuerbaren Energien sind mächtige Lobbys am Werk. Beispiele solcher Fehlentwicklungen sind etwa die in letzter Zeit bekannt gewordenen Förderungen für Photovoltaik in Deutschland oder falsche Maßnahmen zur Wärmedämmung. Aber auch die zum Teil völlig falsche Struktur des Anbaus von Biokraftstoffen, oft auch verbunden mit massiven Rodungen, ist zu erwähnen. Aber dies als grundsätzliche Argumente gegen eine Entwicklung zu verwenden, die eine „lange Konjunkturwelle“ (Kondratieff) auslösen wird, ist kontraproduktiv.
Die volkswirtschaftlichen Vorteile des Energiewechsels reichen weit über die Versorgung hinaus. Für dezentral genutzte erneuerbare Energien gibt es kein Handlungs- und Investmentmonopol wie für konventionelle Energien. Es gibt potentiell zahlreiche Investoren und daher auch keine begrenzten finanziellen Ressourcen für ihre Mobilisierung. Gesamtwirtschaftlich ist der Wechsel eine enorme Chance. Man muß allerdings statt vom Großen auf das Kleine vom Kleinen auf das Gesamte schließen, um das zu erkennen. Die volkswirtschaftlichen Vorzüge erneuerbarer Energien:
Heimische Verfügbarkeit und damit Deviseneinsparung und Verbesserung der Zahlungsbilanz durch vermiedene Energieimporte. Ersetzung kommerzieller Brennstoffkosten durch kostenlose Primärenergie, d.h., Substitution von Brennstoffkosten durch Technologien - und damit Schaffung neuer Arbeitsplätze für Anlagenerzeugung. Die Produktion dezentraler Anlagen ist in fast allen Ländern möglich. Vermeidung von Infrastrukturkosten durch regionalisierte Energiegewinnung für die Nutzung in derselben Region. Förderung von Handwerk und Landwirtschaft durch solares Bauen und Biomassenutzung, dadurch dauerhafte Stabilisierung kleiner und mittlerer Unternehmen und damit des regionalen Wirtschaftsgefüges. Breite Eigentumsstreuung durch das Entstehen dezentraler Betriebsformen. Vermeidung ökologischer Folgekosten, u.a. durch Reduzierung der Gesundheitskosten und der Kosten für Katastrophenvorsorge und -kompensation; sowie Vermeidung internationaler Sicherheitskosten (für fossile und atomare Ressourcen). Jeder Versuch, die wichtigen Lebensbereiche (Landwirtschaft, Arbeit, Soziales usw.) ohne konsequenten Wechsel von der fossil-atomaren Wirtschaft der Globalisierung zur dezentralen erneuerbaren Wirtschaft umzugestalten ist "Spielgelfechterei": Technik ist globalisierbar - die Ressourcenversorgung auf Dauer nicht! Die Perspektive der wirtschaftlichen Gewinner des Energiewechsels ist weit gespannt. Das sind natürlich die Unternehmen der EE-Techniken und da diese Techniken dezentrale Strukturen haben, auch eine breite Palette von Gewerbebetrieben für die Installation und die Wartung der Anlagen. Die Perspektive der potentiellen Gewinner umfaßt aber auch viele andere Unternehmen, von denen derzeit nur wenige ihr Eigeninteresse an einer Energie-Unabhängigkeit erkannt haben. Für eine eigene Rolle als Produzenten von EE-Techniken sind viele wesentlich prädestinierter als die Unternehmen der Energiewirtschaft u.a.:
Land- und Forstwirtschaft als modernes Zukunftsprojekt: Die Landwirtschaft wird zur wichtigsten Ressourcenbasis der Volkswirtschaft: Durch integrierten Anbau von Nahrungsmittel-, Energie- und Rohstoffpflanzen, eine „Dreifelderwirtschaft". Der Weg zur Erreichung von Ernährungssouveränität und zur Eindämmung der Landflucht führt über den Wechsel zu erneuerbaren Energien und Rohstoffen. Heimische Ressourcen müssen Marktvorrang erhalten, dann hat die Landwirtschaft die Chance, sich zu revitalisieren. Sie ist nicht mehr wirtschaftliche Restgröße, oder allenfalls nostalgisches Gebilde, sondern dauerhafter Hauptträger der Volkswirtschaft und großes Beschäftigungsfeld. Weder die wachsende strukturelle Arbeitslosigkeit in den Industrieländern noch die Verelendung in der Dritten Welt kann ohne neue Wertschöpfung in der Landwirtschaft überwunden werden, und diese kann nur aus einer Naturressourcenwirtschaft kommen, die die Basis für die Industrie von morgen sein wird.
Autoindustrie: Sie ist z.B. prädestiniert zur Erzeugung stationärer Motorkraftwerke. Sie hat dafür die Erfahrung in der Motorentwicklung und das Händler- und Werkstättennetz. Elektroindustrie: Stromspeichertechniken sind zu optimieren und neue zu entwickeln. Auf sie wartet der Markt schon eingeführter EE-Anlagen und der Markt für Leistungsverbesserungen des Stromversorgunssystems. Luftfahrt: Bald werden dort fossile Treibstoffe besteuert. Die Luftfahrt ist ein potentieller Einsatzbereich für Wasserstoff, der am Flughafen produziert und ohne Infrastrukturaufwand bereitgestellt werden kann. Chemische Industrie: Pflanzen sind Kohlenwasserstoffe wie Erdöl und Erdgas und ersetzen diese als vielfältige künftige Grundstoffbasis. Nahrungsmittelindustrie: Neues Geschäftsfeld: Erzeugung von Strom oder Biokraftstoffen durch energetische Verwertung der biologischen Reststoffe. Bauwirtschaft, Baustoffindustrie und Bauhandwerk erleben enormen Aufschwung, wenn sie die Chance des solaren Bauens nutzen. Neue Baumaterialien und Bauweisen - von wärmedämmendem und zugleich stromproduzierendem Glas bis zu energiesparenden Holzkonstruktionen - könnten dabei zum Einsatz kommen. Was hält die verantwortlichen Personen bzw. Institutionen davon ab, den Wechsel zu erneuerbaren Energien konsequent voranzutreiben? Wie wollen die heutigen Funktionseliten an ihrem Lebensabend ihren Enkeln erzählen, daß sie leider alle vorhersehbaren Energiedebakel in Kauf nehmen mußten, weil der Wechsel zu erneuerbaren Energien zu mühsam, der Anblick von Windkraftanlagen unerträglich und ein paar Cent zeitweiliger höherer Energiekosten unzumutbar gewesen seien?
Wie wollen sie für ihre Altersruhegelder noch Generationensolidarität einfordern, wenn sie sich heute generationenegoistisch verhalten und Initiativen für eine neue gesellschaftliche Energiebasis abwehren, hinauszögern oder ihnen auch nur indifferent gegenüberstehen? Warum gibt es bisher keine politischen Initiativen, die die erneuerbaren Energien auch ebenso ambitioniert und konkret als Zukunftsprojekte vorantreiben, wie es für den Bau von Eisenbahnen, bei der Raumfahrt, der Atomtechnologie und erst jüngst der Informationstechnologie möglich war (Kondratieff)? Die für diese Entwicklung Verantwortlichen handeln derzeit offensichtlich nicht zum Vorteil der eigenen Bevölkerung, sondern zu dem internationaler Konzernstrukturen. Die Folgen treffen spätere Generationen. Es gibt bei ihnen keine Übereinstimmung von Verantwortungsumfang und Verantwortungsbewußtsein. Die Entscheidungsträger verschanzen sich kraft ihrer Position hinter internationalen Organisationen wie WTO, Weltbank, IWF und EU und deren demokratisch nicht legitimierten Vorschriften, anstatt sich konsequent und mit Konfliktbereitschaft dagegen zu stellen. Damit wäre ja das Risiko des Verlusts der privilegierten Stellung verbunden. Die Diskrepanz zwischen Rang und Risiko ist klar zu erkennen.
Gerhard Huber (Gothia Wien 1958)
