01.12.10Vor 90 Jahren: Kärnten erkämpft Freiheit durch Selbstbestimmung

Gemälde von Prof. H. Heller. Das Bild bezieht sich auf die Kundgebung auf dem Zollfeld am 12. September 1920, bei der mehr als 50.000 Menschen teilgenommen haben, um für die Einheit des Landes zu demonstrieren.

“Die Heimat ruft! Auf zur Volksabstimmung! Bleibt Kärnten treu!“ (Das Plakat gab es mit ähnlichem Text auch auf slowenisch).

Die Abstimmungsgebiete in Kärnten.
Eines der wenigen Beispiele, wo das Selbstbestimmungsrecht der Völker im Bereich des gesamten deutschen Sprachraumes nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erkämpft und dauerhaft bewahrt werden konnte, ist Kärnten. Die anderen erkämpften Volksabstimmungen (zum Beispiel Ostpreußen, Schlesien) ergaben zwar deutsche Erfolge, die Gebiete gingen aber letztendlich - leider - verloren.
Dieser Erfolg hat nicht nur Kärnten frei und ungeteilt erhalten, vielmehr haben die Süd-Kärntner mit diesem ersten demokratischen Akt zur Staatswerdung der jungen Republik Deutsch-Österreich entscheidend beigetragen, im Gegensatz zu anderen (zum Beispiel Vorarlberg zur Schweiz, Tirol und Salzburg zu Deutschland).
Europäische Bedeutung hat bis heute die Sicherung der Karawanken-Grenze als Staatsgrenze, die Sicherung der Freiheit gegenüber fremden Ansprüchen, die Bewahrung vor Tito-kommunistischer Diktatur, die Durchsetzung berechtigter Bevölkerungs-Anliegen auch gegenüber Übermächtigen.
In Kärnten kam es durch den von allen Bevölkerungsschichten getragenen militärischen und dann geistigen Abwehrkampf gegen den südslawischen Aggressor zur Volksabstimmung vom 10. Oktober 1920, der Kärnten als wichtigen Teil Deutsch-Österreichs und damit dauerhaft dem deutschen Kulturraum erhielt.
Kärnten, seit 976 Herzogtum und somit das älteste auf dem Boden der heutigen Republik bestehende staatliche Gebilde, sollte nach dem Vorhaben südslawischer Träumer deren erwünschtem Staat einverleibt werden: Waren doch 1918 die Abgeordneten der verschiedenen Völker der Donaumonarchie in ihren Regionen zusammengetreten, um sich rechtzeitig die besten Happen aus dem „Kuchen des Reiches“ zu sichern. Im November 1918 versammelten sich - neben Tschechen, Polen, Rumänen und anderen - die Südslawen und wollten für ihren SHS-(Srbski-, Hrvatski-, Slovenski-) Staat auch die Gebiete der Untersteiermark und Kärntens beanspruchen, die zum Teil auch von Slowenen in Streusiedlung bewohnt waren. So beschlossen auch die Reichsrats-Abgeordneten der deutsch besiedelten Habsburger Erblande eine eigene Verfassung ihres Staates Deutsch-Österreich und ihr Staatsgebiet (inklusive zum Beispiel dem Sudetenland, Südtirol und anderen), daß dann allerdings durch das Friedens-Diktat von St. Germain arg dezimiert wurde.
Inzwischen hatten jedoch die Jugo- (= Süd-) Slawen schon ihren überfallsartigen Truppen-Einmarsch in Südkärnten gestartet, obwohl der Kärntner Landtag unter dem Landesverweser (Regierungschef) Dr. Arthur Lemisch (Suevia Innsbruck) beschlossen hatte, daß „Kärnten als ganzes der jungen Republik Deutsch-Österreich beitritt“. Trotz vier Jahren Einsatz an den Weltkriegs-Fronten, trotz miserabler Nahrungs- und Wirtschaftslage fanden sich Männer aus allen Bevölkerungs-Kreisen zusammen und nahmen den Kampf gegen den SHS-Aggressor auf. Die Kärntner Abgeordneten beschlossen gegen den Widerspruch der Wiener Regierung, mittels militärischer Organisation dem Feind entgegen zu treten: Der berühmte Kärntner Abwehrkampf hatte begonnen!
Der militärische Kampf wogte hin und her. Nach dem Vertreiben der SHS-Truppen aus Kärnten war der wichtigste Erfolg, daß die Verhandler in Paris auf das Problem in Kärnten aufmerksam wurden. Die bekannte „Miles- Kommission“ wurde beauftragt, die Lage vor Ort zu untersuchen. Nach Fahrt durch die Südkärntner Täler, wo sie jeweils freudig von der drangsalierten Bevölkerung begrüßt wurde, beschrieb der sehr detaillierte Bericht im wesentlichen den Wunsch der gemischtsprachigen Bevölkerung nach Bleiben bei Deutsch-Österreich.
Zwar versuchten die SHS-Truppen durch neuerlichen Einfall Vorteile zu erringen, die Entente-Alliierten beschlossen aber eine Volksabstimmung: So hatten die tapferen Kärntner durch ihren Kampf um die Heimat einen ungeheuren Erfolg errungen! Es war sicher nicht einfach gewesen, war doch nicht nur eine SHS-Besatzung und Drangsalierung auszuhalten gewesen, sondern es waren auch alle deutschen Bürgermeister, Lehrer, Beamte, Sicherheitsorgane, usw. vertrieben, abgesetzt, verschleppt worden, und slawische Fremde eingesetzt worden. Auch forderten die Kämpfe einen hohen Blutzoll von Männern und Frauen. Diesen Gefallenen ist in zahlreichen Denkmälern in Kärnten, so zum Beispiel im schönsten davon in St. Jakob im Rosental, dauernder Dank abgestattet worden: Ohne Abwehrkampf wäre eine Volksabstimmung nie erreicht worden!
In einem beispiellosen „Kampf um die Herzen“ der Südkärntner unter Leitung von Dr. Hans Steinacher (pennale Burschenschaft Germania Bielitz) wurde das erfolgreiche Ergebnis am 10. Oktober 1920 erzielt, sicher das wichtigste Ereignis der jüngeren Geschichte Kärntens - und ein leuchtendes Vorbild des Einsatzes für die Heimat in ganz Europa. Mit Recht wird das weiterhin gefeiert!
Ist so etwas doch in anderen Gebieten, die Deutsch-Österreich für sich beanspruchte, nicht gelungen: Abgesehen von Einzel-Ereignissen, ist es weder in der Untersteiermark noch in Südtirol und auch nicht im Sudetenland zu einem durch die gesamte Bevölkerung getragenen Abwehren des Verlustes an die heutigen Herbergsstaaten gekommen. Dort wurde keine Abstimmung über den Willen der Bevölkerung erreicht, weshalb letztendlich diese Gebiete noch immer unter fremder Herrschaft stehen.
Der Erfolg für diesen Einsatz gab gab den Kärntnern recht: 59 Prozent der Stimmen für die Landeseinheit: Sicherung der Freiheit, Sicherung der bis heute gültigen Staatsgrenze : „Dafür wollen wir den Kärntnern ewig dankbar sein“ steht in der Grußadresse des Parlaments-Präsidiums. So soll es sein und das ist gut so!
Bruno Burchhart (Olympia Wien 1961)
