17.05.11Totenehrung an der zentralen Gedenkstätte der Deutschen Burschenschaft
Anläßlich der Neueinweihung der Langemarck-Gedenkstätte am 16. April 2011 hielt Ministerialdirigent a. D. Dr. Hans Merkel folgende Rede:

Dr. Hans Merkel umrahmt von Mitgliedern seiner Burschenschaft, die den Vorsitz in der Deutschen Burschenschaft inne hat.

Ein Blick zu den Zuschauern am nahegelegenen Burschenschaftsdenkmal während der Gedenkveranstaltung.

Die Stand-Plakette, neu angebracht auf einem Steinquader, der oberhalb der Langemarck-Gedenkstätte steht.
Meine lieben Verbandsbrüder. wir haben uns heute hier versammelt, um die zentrale Gedenkstätte der Deutschen Burschenschaft nach endlich vollzogener Wiederherstellung neu einzuweihen, Neueinweihung bedeutet nicht, daß die Gedenkstätte künftig einer anderen Bestimmung dienen soll als der bisherigen.
Auch ist damit nicht gemeint, daß die für die Gedenkstätte üblich gewordene inoffizielle Kurzbezeichnung Langemarck-Gedenkstätte abgeschafft werden soll. Denn Langemarck steht im Bewußtsein von uns Burschenschaftern schon lange nicht mehr allein für die äußerst verlustreiche Langemarck-Schlacht zu Beginn des I. Weltkriegs. Langemarck steht für uns vielmehr als Sinnbild für die Schrecken des Krieges überhaupt und damit für die Leistungen und Leiden aller deutschen Opfer des I. und II. Weltkriegs. Jawohl, auch des II. Weltkriegs! Denn auch in diesem Krieg haben unsere Soldaten nicht für Exzesse des nationalsozialistischen Regimes, nicht für das KZ-System und nicht für den Mord an Juden gekämpft! Sondern für Deutschland, ihre Heimat, ihr Vaterland, das sie liebten und das sie nach dem Bild, das sie sich machen konnten, für beneidet und für bedroht durch Feinde hielten, die sich anschickten, es zu vernichten.
Erinnern wir uns! Aus dem Blickwinkel des deutschen Normalbürgers ging es nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wirtschaftlich nur noch aufwärts. Tatsächlich gab es ganz im Gegensatz zu den USA bald keine Arbeitslosen mehr. Hinzu kamen die außenpolitischen Erfolge des Reiches wie die Saar-Abstimmung 1935 und die als nationale Erfüllung gefeierten Anschlüsse Österreichs und des Sudetenlands 1938. Hitlers Krieg gegen Polen hat die Deutschen trotz der in Versailles zu Lasten Deutschlands gezogenen Unrechtsgrenze allerdings nicht begeistert. Ebensowenig die von Großbritannien und Frankreich wenig später ausgesprochene Kriegserklärung an das Reich. Und gar Beklommenheit und Angst machte sich breit, als Hitler 1941 die Sowjetunion angriff und wenig später auch den USA den Krieg erklärte - die sich vorher allerdings schon wegen ihrer neutralitätswidrigen Lieferungen an Großbritannien in einem de-facto-Kriegszustand mit dem Reich befanden.
Trotzdem, der deutsche Soldat war und blieb ein tapferer und zäher Kämpfer für sein Vaterland. Hieran änderten weder die auf Massenvernichtung der zivilen Wohnbevölkerung zielenden Terrorangriffe auf deutsche Städte etwas noch die katastrophale Niederlage von Stalingrad. Denn dem deutschen Soldaten war durch die zutreffende Propaganda des Regimes und die Art der alliierten Kriegführung mehr und mehr bewußt geworden, was Deutschland im Fall seiner Niederlage von den Feinden zu erwarten hätte. Das Kriegsziel der sogenannten Anti-Hitler-Koalition, in der sich die Demokratien Großbritanniens und der USA mit dem seinerzeit blutrünstigsten System der neueren Geschichte verbunden hatten, nämlich der Sowjetunion Stalins, war ja keineswegs die Entnazifizierung und damit die Befreiung Deutschlands. Vielmehr trachtete die von Hitler angegriffene Sowjetunion danach, von Europa und damit von Deutschland soviel wie möglich unter die bolschewistische Knute zu bringen, während die USA und Großbritannien den Krieg gegen Deutschland führten, um es als eigenständigen Machtfaktor in Europa endgültig zu zerschlagen.
Man denke in diesem Zusammenhang an die Forderung der Amerikaner und Briten nach bedingungsloser Kapitulation, die dem deutschen Widerstand gegen Hitler und damit dem deutschen Streben nach Freiheit kaum Erfolgsaussichten gab. Sinn dieser unmenschlichen Forderung war, sich im Fall des Sieges Deutschlands gegenüber frei zu fühlen von den Fesseln der Haager Landkriegsordnung, um das Land nach Belieben behandeln zu können.
Entsprechend waren auch die aus dieser Geisteshaltung geborenen Vernichtungspläne für die Nachkriegszeit, von denen hier nur der berüchtigte Morgenthau-Plan und die nach Abtrennung Ostdeutschlands vorgesehene Zerstückelung des Restreiches in unbedeutende Einzelstaaten erwähnt seien.
Diese Pläne, die zwar nicht voll zu verwirklichen waren, was sich allerdings erst nach dem Krieg herausstellte - diese Pläne zeigen überdeutlich, was den Deutschen von den großen Drei, wie sie sich nannten, zugedacht war: Sie sollten bestraft, mit Not und Elend überzogen und als Kollektivschuldige in eine kollektive Dauerohnmacht gestoßen werden.
Genau gegen diese unserem Land drohende Katastrophe hat sich unsere Wehrmacht, hat sich der deutsche Soldat mit aller Kraft gewehrt - im Osten und dann auch in der Normandie. Das ehrt ihn trotz aller Zwecklosigkeit am Ende und trotz der Tragik, daß mit diesem Kampf auch die überständig gewordene braune Herrschaft verlängert wurde. Nach all dem steht unsere Langemarck-Gedenkstätte nicht nur für die in zwei Weltkriegen gefallenen Burschenschafter, sondern - wie schon gesagt - für alle in diesen Kriegen gefallenen und ihren Verwundungen erlegenen deutschen Soldaten. Sie steht ferner für die durch Hunger, Schikanen und Zwangsarbeit zu Tode gekommenen deutschen Kriegsgefangenen und Zivilpersonen, vor allem in Frankreich und mehr noch in der Sowjetunion; weiterhin für die horrende Zahl der vom Kriegsgegner absichtsvoll herbeigeführten und oft qualvoll gestorbenen zivilen Luftkriegsopfer, und schließlich für das Millionenheer der Vertreibungstoten. Sie alle sind uns Burschenschaftern wert, ihrer wegen ihres Opfertods für Deutschland ehrend zu gedenken. Gedenken wollen wir hier in Eisenach stellvertretend für alle unsere Kriegstoten besonders des Burschenschafters und Dichters Walter Flex, der in dieser Stadt geboren wurde. Als Soldat, der im I. Weltkrieg im Baltikum kämpfte, dichtete er in der Hoffnung auf ein gutes Kriegsende für sein Land: „Kam'rad, so möcht' ich auch vorm Tode sehn den Morgenstern des deutschen Friedens! Sieh, dann sprach' ich gern: Der Tag ist da, wir können schlafen gehn." Den Morgenstern des deutschen Friedens hat der Leutnant Walter Flex leider nicht erlebt, auch nicht erleben können. Er fiel 1917 auf der zu Estland gehörenden Insel Ösel. Und in der Folge des Waffenstillstands vom Herbst 1918 wurden dem Reich und Österreich die für die weitere Geschichte Europas und der Welt so schicksalsschweren und verhängnisvollen Friedensdiktate von Versailles und Saint Germain auferlegt.
Mit diesem notwendigen Rückblick, verehrte Verbandsbrüder, ging es mir nicht darum, den heute lebenden Amerikanern, Engländern, Franzosen oder Russen eine historische Schuld aufzubürden. Erstere drei sind heute mit uns verbündet und Rußland ist unser nicht ganz leichter Partner. Das ist gut so. Denn kein Volk der Welt kann ohne Freunde und Partner auf die Dauer sein Leben erfolgreich gestalten. Das müßten eigentlich die Deutschen am besten wissen, die in den beiden Weltkriegen wohl nur deshalb besiegt wurden, weil das unendlich reiche Amerika gegen sie stand. Und das nicht nur unmittelbar militärisch - mit Soldaten also -, sondern auch dadurch, daß es sowohl den Briten wie auch den Sowjets aus seinen gewaltigen Ressourcen all das zur Verfügung stellte, was diese brauchten, um den Deutschen überlegen zu sein.
Liebe Verbandsbrüder, ich habe meinen Blick nur deshalb auf die Vergangenheit gerichtet, um die schiefen Bilder zurechtzurücken, die uns unsere deutschen Vergangenheitsbewältiger durch Übernahme des Geschichtsbildes unserer Besieger aufgedrückt haben. Aus Gründen der Gerechtigkeit, auf daß wir in der Lage sind, unsere Gegenwart richtig zu beurteilen und damit auch unseren Kurs in die Zukunft zu treffend zu bestimmen. Liebe Verbandsbrüder, unser deutsches Volk hatte im 20. Jahrhundert ein schweres Schicksal. Zum Teil haben dies Landsleute von uns selbst verursacht. Zum Teil! Zwei verlorene Weltkriege, das hat viel Substanz gekostet: sowohl an Menschenleben wie auch an materiellem Gut. Dennoch, die Lage unseres Volkes hat sich seit geraumer Zeit in entscheidender Weise ins Positive gekehrt. Nicht nur wirtschaftlich! Wir sind zwar heute nicht Herr all unserer Gebiete. Aber wir sind als Volk nicht mehr dreigeteilt wie ehedem, sondern nur noch zweigeteilt: Hier die Bundesrepublik und dort Österreich. Und sieht man von dem Österreich auferlegten und angesichts der Entwicklung der europäischen Zusammenarbeit anachronistisch gewordenen Anschlußverbot ab, dann ist von diesen zwei Teilen Deutschlands keiner geknechtet, sondern jeder ist frei! Was in der Bundesrepublik und in Österreich wie Unfreiheit wirkt, produzieren die Deutschen selbst! Denn wenn wir von draußen wegen unserer Vergangenheit eine aufs Maul gehauen bekommen, geschieht das deshalb, weil die Vertreter der hierzulande üblichen abartigen Unkultur der Dauerbuße ganz bestimmte ausländische Interessenträger mehr oder weniger privater Art zu ihrem Verhalten angestiftet haben: angestiftet durch den penetranten Hinweis auf die eigene, angeblich ewige deutsche Schuld.
Ich sage: Die Deutschen sind nicht schuldig: weder die heutigen noch die Generation unserer Väter und Großväter. Es gibt nur individuelle Schuld - keine Kollektivschuld. Das sollte uns froh stimmen! Auch wenn wir heute unserer Toten gedenken und um sie trauern. Denn die Toten, derer wir in Ehrfurcht gedenken, sind als Deutsche für alle Deutschen gestorben, die zwischen Maas und Memel, Etsch und Belt ihre Heimat haben. Ihnen allen gebührt für ihr großes Opfer unser Dank und unsere Hochachtung und damit auch unser Kranz, - den ich hiermit niederlege. Es lebe unser deutsches Vaterland!
Dr. Hans MerkeI (Münchner Burschenschaft Arminia-Rhenania)
