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03.08.12Kranzniederlegung auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Charkow

 

Der Soldatenfriedhof in Charkow – ein stilles Mahnmal gegen den Krieg.

Als Fußballfan und regelmäßiger Besucher der Bundesligaspiele von Bayer 04 Leverkusen reise ich sehr oft auch zu deren internationalen Auslandsspielen. So war es dann auch im vergangenen Jahr als Bayer Leverkusen in der Euro-League Metallist  Charkow als Gegner in der Gruppenphase zugelost bekam. Da ich die Ukraine zuvor nur einmal, auch bei einem solchen Europa-Legaue-Spiel von Bayer 04 auf der Krim gegen Sinforopol besucht habe und beim Besuch eines Krimsektlagers die älteste Flasche aus dem Jahre 1776 und auch noch viele Flaschen aus den Jahren 1941 bis 1944 als Unikate besichtigen konnte, beschloß ich gleich wieder mitzureisen, zumal Charkow auch aufgrund der Schlachten im Zweiten Weltkrieg – um Charkow wurde nicht weniger als fünfmal gekämpft und es wechselte viermal den Besitzer - sehr interessiert. Ich wußte von der Deutschen Kriegsgräberfürsorge, daß sich dort ein großer deutscher Soldatenfriedhof befindet und ich informierte mich darüber näher. Ich war dann gleich entschlossen, die Zeit in Charkow nicht nur zum Besuch des Fußballspiels zu nutzen, sondern auch zu einem Besuch des Soldatenfriedhofes.

So ließ ich mich nach Ankunft in Charkow sofort vom Hotel abholen und besuchte zusammen mit einem Freund den vor der Stadt gelegenen Soldatenfriedhof, auf dem etwa 40.000 deutsche Soldaten bestattet worden sind; er ist 1996 in Anwesenheit des früheren Bundespräsidenten Prof. Dr. Roman Herzog eingeweiht worden.

Der Besuch des Soldatenfriedhofes war auch deshalb ein ganz besonderes eindrucksvolles Erlebnis, weil bei unserem Besuch in Charkow klirrende Kälte mit Temperaturen teils unter -20 Grad herrschten. Die Erde war dabei schneebedeckt und es schien die Sonne und gewährte deshalb faszinierende Blicke in die Weite der Steppe. Dieses Klima und diese Kälte erlaubte es einem in besonderem Maße sich in die Situation zu versetzen, in dem sich unsere Soldaten, insbesondere im Winter 1942/1943, nach der Niederlage bei Stalingrad befanden und es kam bei mir in besonderer Weise Trauer und Mitgefühl für deren kaum vorstellbare Leiden auf. Das Areal ist tatsächlich sehr würdig und großzügig hergestellt und ist gut gepflegt.

Es war für mich eine Ehre, daß mir von der seinerzeitigen Vorsitzenden Burschenschaft, der Burschenschaft Arminia-Rhenania München, durch Verbandsbruder Merkel die Erlaubnis erteilt wurde, für die Deutsche Burschenschaft dort einen Kranz niederzulegen. Diesen legte ich am dortigen Ehrenmal nieder und verweilte mit meinem Begleiter eine halbe Stunde dort.

Charkow gehört ansonsten zwar zur Ukraine, ist jedoch mehrheitlich von Russen bewohnt. Die Stadt ist zweisprachig, wobei das Russische jedoch dominiert. Die Bevölkerung dort ist sehr jung, gibt es doch dort sehr viele Studenten. Sie leidet stark unter der Arbeitslosigkeit; irgendeine Deutschfeindlichkeit ist mir nicht begegnet. Im Gespräch mit einem Taxifahrer gewann ich den Eindruck, daß im Zweiten Weltkrieg die Landbevölkerung mehr mit den Deutschen, die Stadtbevölkerung jedoch mehr mit der sowjetischen Seite sympathisiert haben dürfte.

Der Tag, an dem Charkow endgültig wieder von den Sowjets zurückerobert wurde – der 24. August 1943 – wird dort noch jedes Jahr gefeiert. Im Stadtbild spielen diese Kriegserinnerungen – von einem Panzerdenkmal in der Innenstadt abgesehen – jedoch keine große Rolle mehr. Ich verließ Charkow mit unserer Reisegruppe – auch erfreut über einen 4:0-Sieg unserer Mannschaft – mit bewegenden Eindrücken am Folgetag.

Dr. Hans Joachim Kind (Franco-Bavaria München, Rhenania-Salingia zu Düsseldorf)