18.04.12Christentum und Nation - Grundgedanken
Das Thema könnte ein Buch füllen. Daher verstehen sich die nachfolgenden Überlegungen ausschließlich als Skizze einiger weniger fragmentarischer Gesichtspunkte und als Anregung an den Leser, sie zum Ausgangspunkt eigenen Nachdenkens zu nehmen.
Letzte Überzeugungen zu diesem Komplex können nicht als Wissen vermittelt werden. Entweder man glaubt an die Auferstehung Jesu Christi oder nicht. Der deutsche Staat, das bestehende Europa und die gesamte abendländische Kultur sind auf dem christlichen Glauben aufgebaut. Wer ihn in Frage stellt, stellt damit Deutschland in seiner seit 2000 Jahren gewachsenen Tradition in Frage.
Grundsätzlich wird man sagen dürfen, daß ein Volk nicht nur aus seinen biologischen Tatsachen sondern zusätzlich aus seinen geistigen Überzeugungen lebt. Ohne den Willen zur Nation gibt es keine Nation. Nun mag diese Überzeugung auch gottloser Natur sein, wie im Bolschewismus, so ist sie doch eine Überzeugung und nimmt meistens auch religiöse Züge in dem Sinne, wie er von Gustave Le Bon in der Psychologie der Massen definiert wurde, an. In diesem Sinne weist beispielsweise der Umgang mit dem Holocaust im BRD-System zivilreligiöse Züge auf.
Die Religion im eigentlichen Sinne beinhaltet jedoch den Glauben an das Überirdische, an die Eingebettetheit des Menschen in das Universale und die Ewigkeit. Damit ist eine demütige Anerkenntnis von der Unvollständigkeit des Menschen verbunden, eine Anerkenntnis von seiner Kleinheit, Unwissenheit und Fehlerhaftigkeit, was das Christentum in dem Begriff der Erbsünde zusammenfaßt. Durch Erkenntnis kann man die Welt nicht erklären, sondern nur den kleinen Ausschnitt, für den sie bestimmt ist. Die ziffernmenschliche (nicht nur die liberale, auch die allgemeinwissenschaftshörige; zur Zirkularität dieses Aberglaubens verweise ich auf Kant, „Kritik der reinen Vernunft“) Hybris erhebt sich demgegenüber aus diesen Zusammenhängen, versucht den Gedanken von der Gliedhaftigkeit des Einzelnen zu sprengen und kommt zu geistigen Blähungen wie etwa der Gekrümmtheit der Zeit.
Die christliche Religion nunmehr enthält bei aller gebotenen Zurückhaltung („Gebt Gott was Gottes ist und dem Kaiser, was des Kaisers ist“: also Religion kein Parteiprogramm) einige Handlungsgebote an den Einzelnen, die wir auch für den Erhalt eines Volkes brauchen, zum Beispiel den Opfergedanken. Die Hingabe des Lebens kann schlechterdings nur für höhere Güter gefordert werden. Im übertragenen Sinne ist die eigene Aufopferung natürlich auch unterhalb dieser Extremschwelle zu fordern, ja unerläßlich für den Aufbau einer jeden Gemeinschaft.
Unvereinbar sind hingegen Opfergedanke und liberalistische Ideologie, wie überhaupt der Liberalismus mit dem Christentum unvereinbar ist (Jesus warf die Händler aus dem Tempel, Verbot des Zinses).
Abschließend weise ich darauf hin, daß der Tod des Volkes mit dem Verfall der Religion, die es hervorgebracht hat, Hand in Hand geht, während religiös inspirierte Völker auch machtpolitisch reüssieren. Daher liegt etwa das deutsche Volk auf seinem Totenbett, während die islamverwurzelten Völker damit begonnen haben, seine Nachfolge anzutreten. Die jüngst begonnene Verteilaktion von Millionen Koranen muß als weitere strategische Offensive in diesem Zusammenhang angesehen werden. Dem kann weder die glaubensleere, lediglich von Angst vor dem Verfall geleitete, Panikmache vor einer Islamisierung (Pro-Bewegung), noch das Geschrei um Verlust der liberalistischen Freiheit (also Leere) wehren, sondern nur ein glaubensgestütztes Abwehrbollwerk, was wir in der BRD derzeit nicht haben ( in diesem Zusammenhang kann „Die totale Mobilmachung“ von Ernst Jünger wertvolle Aufschlüsse geben. Er weist darin überzeugend nach, daß im WK 1 ein wesentlicher Niederlagenfaktor die unterlegene, im Grunde nicht vorhandene, deutsche Idee war).
Vielleicht liegt darin auch eine höhere Form der Gerechtigkeit (in der „Abendbläue“ nenne ich es geschichtliche Gerechtigkeit). Da ich mich theologisch zu wenig auskenne, wage ich nicht von einer Strafe Gottes zu sprechen. Ansonsten wäre es durchaus folgerichtig zu sagen: Da sich das deutsche Volk von Gott abgewandt hat, geht es daran zu Grunde. Ihm fehlt schlicht die Rückbindung (Religion), um den Überlebenskampf zu führen. Rein vegetative Überlegungen können eine solche Kraft jedenfalls nicht geben.
Viele Texte können in diesem Zusammenhang zur Vertiefung empfohlen werden, seien sie von Papst Benedikt XVI, seien sie von Martin Luther – aber mit Sicherheit nicht von Margot Käßmann!
Dr. Björn Clemens (Rheinfranken Marburg 1991)

