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03.11.10„Im „Kampf gegen Rechts“ läßt sich die Union von Linken instrumentalisieren“

 

PAZ-Chefredakteur Konrad Badenheuer im Interview zur Vorwärtsstrategie seiner nun auch im Kiosk-Verkauf erhältlichen Wochenzeitung

Die "PAZ" wie sie verkürzend genannt wird, gibt es nun auch im Kiosk- und Bahnhofsbuchhandel.

Unser Autor Konrad Badenheuer ist Diplom-Volkswirt und Publizist. Geboren am 6. Juli 1966 absolvierte er in seiner Heimatstadt Stuttgart das Abitur und diente anschließend als Wehrpflichtiger beim Fernmeldebattaillon 230 in Dillingen an der Donau. Danach studierte er erfolgreich BWL, VWL und politische Wissenschaften an der WHU in Koblenz (heute in Vallendar), an der Texas A&M University sowie an der Universität Bonn. 1989/90 war er Vorsitzender des Bonner RCDS, 1991/92 Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Heinrich Lummer (CDU), 1993 bis 2001 Pressesprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft in München, 2001 bis 2008 Redakteur des „Bayernkurier“ mit Schwerpunkt deutsche Innenpolitik. Konrad Badenheuer war von 2003 bis 2008 im Evangelischen Arbeitskreis (EAK) der CDU/CSU engagiert mit zeitweiliger Mitgliedschaft in dessen Bundesvorstand. Er ist Gründungsvorsitzender der gemeinnützigen Gesellschaft für christliche Ethik in Finanzanlagen e.V. sowie Gründer des Verlages Inspiration Un Ltd.. Zu seinen Hobbys gehören Wirtschaftsethik, Theologie, sowie die Altgermanistik - er ist Co-Autor des Buches „Sprache und Herkunft der Germanen“ (2009) und Autor des Buches: „Die Sudetendeutschen – eine Volksgruppe in Europa“ (2007). Seit Mai ist Konrad Badenheuer Vater eines Sohnes.

BBl: Das alte Ostpreußenblatt ist in den vergangenen Jahren schrittweise in Preußische Allgemeine Zeitung (PAZ)  umbenannt worden. Was signalisiert der Wechsel im Zeitungskopf für die Linie des Blattes, dessen Chefredakteur Sie sind?

Konrad Badenheuer: Die Änderung des Namens geschah schon im Jahre 2002 und markierte damals ein Programm: Das Blatt wollte sich öffnen und bei Wahrung der ostpreußischen Wurzel, die nach wie vor auch ein inhaltlicher Schwerpunkt der Zeitung ist, andere Themen stärker aufgreifen. Vieles von diesem Programm ist freilich erst in den zurückliegenden beiden Jahren umgesetzt worden – etwa mit einer eigenen Wirtschaftsseite und einer Kommentarseite, die auch Gastautoren mehr als bisher ein Forum bietet. Diese Öffnung des Blattes ist natürlich auch ein Zugeständnis an die Tatsache, daß die gebürtigen Ostpreußen immer weniger werden und die Nachgeborenen stark assimiliert worden sind. Traditionelle Vertriebenenzeitungen wurden infolgedessen immer kleiner, mit der Tendenz der Rückentwicklung zu reinen Mitgliederrundbriefen. Das Ostpreußenblatt ist mit dem Ausbau zur „Preußischen Allgemeinen“ einen anderen Weg gegangen der ja auch ein Stück Vorwärtsstrategie ist. Uns kommt dabei zu Gute, daß sehr viele bislang konservative Medien das Feld mehr oder weniger geräumt haben. Der Rheinische Merkur zum Beispiel war noch in den neunziger Jahren ein Blatt mit konservativen „Streifen“, die man dort heute vergeblich sucht. Auch Tageszeitungen wie FAZ und Welt haben sich kräftig „umpositioniert“. Gewiss ist die Zahl der Leser mit konservativen Überzeugungen tatsächlich kleiner geworden, allerdings nicht in dem Umfang, in dem das mediale Angebot für sie kleiner geworden ist. In die dadurch entstandenen Freiräume sind dezidiert konservative Organe wie zum Beispiel die „Junge Freiheit“ mit Erfolg eingedrungen und auch wir profitieren von dieser Lücke.

BBl: Seit Anfang 2010 präsentiert sich die PAZ im Zeitschriftenhandel. Eine Verkaufspolitik am Kiosk, die sich rechnet, das heißt neue Leser gewonnen hat?

Konrad Badenheuer: Ja, allerdings noch nicht in dem Umfang, den wir uns wünschen. Der freie Verkauf konzentriert sich bisher stark auf die Bahnhofhöfe und Flughäfen, dadurch sind wir eigentlich im ganzen Land erhältlich. Auch die allermeisten Grossisten führen inzwischen die PAZ (von etwas über 90 führen uns nur sechs süddeutsche Grossisten noch nicht), allerdings oft nur mit einer geringen Zahl an Verkaufsstellen. Schon seit einiger Zeit kann man die PAZ außerdem papierlos im Online-Abo beziehen: Man hat die Zeitung dann einen Tag vorher und hat zudem einen Preisvorteil. Überhaupt spielt das Internet eine immer wichtigere Rolle für uns ….

BBI: …Ihr Internetauftritt wurde gründlich überholt…

Konrad Badenheuer: … ja, den haben wir Ende 2008 runderneuert und bauen ihn laufend weiter aus. Während unsere Internetseite früher nur wöchentlich aktualisiert wurde, passiert dies jetzt nahezu täglich, verbunden mit der Möglichkeit der Interaktion, das heißt, jeder Interessent kann Kommentare schreiben und diskutieren. Außerdem haben wir unser Textarchiv massiv ausgebaut. So können Sie alle unsere seit 1950 erschienenen Ausgaben als Volltextrecherche auf ihren PC holen, ein völlig freier Zugang, sie müssen nicht einmal Ihre E-Post-Adresse hinterlassen. Nicht zuletzt ist das Internet für unsere Werbung von enormer Bedeutung. Es gibt konservative Foren und Blogs mit Zehntausenden Zugriffen täglich. Hier machen wir Werbung und oft werden Beiträge der PAZ dort diskutiert.   

BBl: Der Kioskverkauf der „Preußischen Allgemeinen“ hat inzwischen auch Linksextremisten auf den Plan gerufen. Da wird die PAZ von den Initiatoren der Kampagne „Let’s push things forward“ in einem Atemzug mit Organen wie die Deutsche Stimme, die National-Zeitung, die „Junge Freiheit“ oder das Monatsmagazin „Zuerst“ als böse „enttarnt“ und der Handel aufgefordert, die genannten Blätter aus dem öffentlichen Verkehr zu nehmen. Eine offenkundige Zensurabsicht – oder?

Konrad Badenheuer: Dieser Versuch war ein einmaliger, komplett erfolgloser Klimmzug uns nicht näher bekannter Linksradikaler und ist eigentlich kaum der Rede wert. Die meisten unserer Grossisten wissen vermutlich gar nicht, daß dieser absurde Versuch unternommen worden ist. Wenn es nicht so lächerlich wäre, müsste man allerdings schon sagen: Der bloße Versuch, den Handel in dieser Weise einzuschüchtern ist per se ein demokratiefeindlicher und auch grundgesetzwidriger Vorgang. So etwas darf im Umgang mit dem gedruckten Wort, solange eine Zeitung oder ein Verlag sich selbst an Recht und Gesetz hält, nie und nimmer ein Mittel sein. Es gab die unsäglichen Vorgänge ja bereits in den 1990er Jahren und auch noch nach Beginn der Kampagne „Kampf gegen Rechts“ in den Jahren 2000 und folgende im Zusammenhang mit der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ bis hin zu Brandanschlägen auf mißliebige Druckereien usw. Das erschien einerseits überwunden, andererseits hat man nie ein Wort des Bedauerns gehört seitens der Zensurakteure von damals, im Gegenteil: Nur sehr, sehr Wenige haben gegen diese Akte, die sonnenklar in stalinistischer Tradition stehen, die Stimme erhoben. Es ist befremdlich, daß die gesellschaftliche Mitte sich nicht klarer von solchen Machenschaften abgrenzt. Nicht nur hier scheinen bestimmte linksradikale Positionen und Methoden toleriert oder sogar akzeptiert zu sein.

BBl: Zwei Stiftungsratsmitglieder der Bundesstiftung Flucht, Vertreibung und Versöhnung sind im Juli dieses Jahres  in die öffentliche Kritik geraten, unter anderem vom Direktor des Frankfurter Fritz-Bauer-Instituts, Raphael Gross, kurz danach auch von Claudia Roth, der Vorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen. Vorwurf: Hartmut Saenger und Arnold Tölg hätten unter anderem auch in Ihrer Zeitung geschichtsrevisionistische Positionen vertreten. Eine Kritik, die Sie teilen können ?

Konrad Badenheuer: Am Übelsten hat wohl Volker Beck diese beiden verdienten CDU-Mitglieder beziehungsweise Politiker attackiert. Seine Attacke im Bundestag am 8. Juli ist insofern lesenswert, als Beck noch nicht einmal ernsthaft behauptete, die beiden stellvertretenden Mitglieder des erwähnten Stiftungsrates hätten etwas Unrichtiges gesagt. Sein Vorwurf lautete nur, sie hätten etwas gesagt, was man nicht sagen dürfe. So war ja dann auch wieder der Diskussionsverlauf Anfang September, als Erika Steinbach irgendwann mutig sagte, sie könne am historischen Faktum der polnischen Mobilisierung im März 1939 nun einmal nichts ändern. Was heißt eigentlich „Geschichtsrevisionismus“? Ich habe mit dem Wort und mit dem Streit um dieses Wort nie viel anfangen können, weil dann meistens eine lange theoretische Debatte folgt, bei der sich 80 oder 90 Prozent der Leute ermüdet, angewidert oder auch intellektuell überfordert abwenden, bevor man zum ersten Mal zur Sache kommt.

Die Preußische Allgemeine öffnet ihre Spalten weit für belegbare historische Fakten – egal wem die nun gefallen und ins Konzept passen und wem nicht. Die PAZ hat dabei eine große Spannweite für das, was man in ihr schreiben kann. Zum Thema Ursachen des Zweiten Weltkrieges gibt es keine einheitliche Hausmeinung. Es gibt vielmehr die Position, daß Objektivität nur dadurch möglich wird, in dem man verschiedene Stimmen zu Worte kommen läßt. Es ist doch sonnenklar: Am 1. September 1939 hat Nazi-Deutschland Polen angegriffen und nicht umgekehrt. Gerade weil das so eindeutig ist, muß man nicht so tun, als hätte Polen in den zwanzig Jahren davor alles richtig gemacht. In der PAZ wird das facettenreiche Bild zum Beispiel der deutsch-polnischen Vorkriegsgeschichte realistisch ausgeleuchtet. Natürlich öffnet die Preußische Allgemeine Zeitung ihre Spalten für die Information zum Beispiel dafür, daß es in Polen im Frühjahr 1939 eine militärische Mobilisierung gegen Deutschland gegeben hat. Daß Polen seit 1926 keine Demokratie mehr war, daß es seine Minderheiten – auch die jüdische – lausig schlecht behandelt hat, und daß  prominenten politischen Kräften in Polen in den 20er und 30er Jahren die für Polen sehr vorteilhaften Grenzen von 1919/21 nicht reichten. Man wollte in Polen den Korridor verbreitern, Danzig sowieso, eigentlich auch Masuren und manche – keineswegs nur rechte Splittergruppen - haben damals schon von der Oder-Neiße-Grenze geträumt. All das wird in der PAZ bei gegebenem Anlaß aufgezeigt, allerdings auch deutsche Ungerechtigkeiten gegen Polen vor 1916, die es ja ebenfalls gab. Wir schreiben damit Dinge, die bis vor wenigen Jahren im Grunde in allen deutschen Wochenzeitungen dann und wann zu lesen waren. Ich weiß gar nicht, was daran angreifbar sein soll und bin irritiert darüber, zu lesen, daß das irgendwie „mutig“ oder „unangepasst“ oder ich weiß nicht was sein soll. Auch wenn es – leider Gottes – wohl heute so ist.  

BBl: Laut aktuellen Meinungsumfragen besteht in Deutschland inzwischen ein Wählerpotential von über 20 Prozent für eine demokratisch legitimierte Mitte-Rechts-Partei. Die jüngste Sarrazin-Debatte hat dies erneut bestätigt. Eine Entwicklung, die Sie freudig stimmt?

Konrad Badenheuer: Teils, teils. Mir wäre es unverändert lieber, wenn sich die CDU – und wo nötig auch die CSU – auf ihre Wurzeln und ihre eigentliche Identität besinnt, mit der sie so lange erfolgreich war. Um die Option einer neuen rechten Partei aber einmal theoretisch durchzuspielen: Zunächst wäre die Frage des Programms zur klären. Am ehesten könnte sie mit der Programmatik der Unionsparteien, so wie sie dort bis in die 80er Jahre vorherrschend war erfolgreich sein, mit Inhalten wie Konrad Adenauer und Ludwig Erhard, Alfred Dregger und Franz-Josef Strauß sie vertraten - nicht mehr und nicht weniger: Die Masseneinwanderung von außerhalb Europas, der Bau von Großmoscheen landauf-landab, Homo-Ehe und Gender-Mainstreaming, Deutschland als Zahlmeister einer EU, an die es entscheidende Souveränitätsrechte verloren hat, die Beschimpfung der Vertriebenen, Millionenzahlungen aus Steuermitteln an weit links stehende Kräfte für einen „Kampf gegen Rechts“, der flächendeckende Ausbau staatlicher Kleinkind-Betreuung – keine der vier genannten Persönlichkeiten hätte eine solche Politik je mitgetragen, sie alle hätten das als zutiefst links und unpatriotisch abgelehnt und bekämpft! Mit diesem Ausgangspunkt wäre auch von vornherein klar, daß alle zu erwartenden Ausgrenzungsversuche einer solchen neuen Kraft als „rechtsradikal“ ein Witz wären – es sei denn, man würde argumentieren, daß das Programm der CDU vor Heiner Geißler durch bloßen Zeitablauf nun im Rückblick zu einer rechtsradikalen Sache geworden wäre.

Die schwierigere Frage aber ist eine andere, nämlich: wer wären die Köpfe, wie hießen die Persönlichkeiten, die ein solches Projekt erfolgreich nach vorne führen könnten? Es bräuchte schon 20 bis 50 wirklich Prominente, die dann auch nicht nach wenigen Monaten bei ersten Schwierigkeiten oder Wahlmißerfolgen gleich wieder aussteigen würden. Es wären Persönlichkeiten erforderlich, die mit Geld und großem Idealismus  an diese Aufgabe herangingen…

BBl: ….Sehen Sie diese 20 bis 50 Persönlichkeiten?

Konrad Badenheuer: …eher nicht und deswegen befürchte ich, daß es dazu auch nicht kommen wird. Denken Sie nur an die vielen gescheiterten Versuche in diese Richtung! Beispielsweise an die Statt-Partei, Teile der Republikaner, an den Bund Freier Bürger, an die Überlegungen in der CSU, bundesweit anzutreten, an die DSU oder den Bürgerkonvent…..alle Versuche, für das konservativ-bürgerliche Spektrum eine Partei auf die Beine zu stellen sind in Deutschland gescheitert und das ist abschreckend!

BBl:  Sie glauben also nicht, daß man in der Bundesrepublik Deutschland eine der Freiheitlichen Partei Österreichs FPÖ vergleichbare Gruppierung  etablieren könnte. Warum eigentlich?

Konrad Badenheuer: Aus den genannten Gründen ist es zumindest äußerst schwierig. Aber aussichtslos ist es nicht. Der Fall Sarrazin hat gezeigt, daß rund 70 Prozent der Bevölkerung in einer existentiellen Frage anders denken als alle im Bundestag vertretenen Parteien. Diese Frage lautet: Bewahrt Deutschland seine Identität und seine Wohlstand oder verliert es beides durch eine verfehlte Zuwanderungspolitik? Sogar bis zu 90 Prozent der Deutschen waren jedenfalls der Überzeugung, daß Sarrazin für seine Äußerungen nicht hätte gemaßregelt werden dürfen. Die Wucht, mit der in dieser Debatte beispielsweise im Internet die Leute das Gegenteil von dem gesagt haben, was unsere politische Klasse und 70 Prozent der Medien zum selben Thema von sich gaben, erinnerte schon ein bisschen an die tiefe Kluft zwischen der „DDR“-Nachrichtensendung „Aktuelle Kamera“ und den Leuten auf der Straße im Spätherbst 1989.   

BBl: Zahlreiche empirische Studien belegen seit Jahren ganz deutlich, daß sich die große Mehrheit von Journalisten in der Bundesrepublik und Österreich als „links“ verortet. Wie erklären Sie sich diese Dominanz auf Kosten von Wertkonservativen, die im Medienbetrieb eine Minderheit darstellen?

Konrad Badenheuer: Eine Erklärung kann bei den Printmedien das Einstellungsverhalten der Verleger und der Chefredakteure sein. Denn wenn es die Eigentümer so wollen, daß eine bestimmte Richtung dominiert, dann werden die Redaktionen nach ein paar Jahren entsprechend aussehen. Hinzu kommt: Hat eine solche Entwicklung Fuß gefaßt, und die maßgebliche linke Ausrichtung ist seit den späten 60er Jahren eine Tatsache, kommt noch ein selbstverstärkender Effekt dazu. Denn dann sind die „Rechten“ die Alten und die „Linken“ die Jungen. Links zu sein und zu schreiben beziehungsweise zu senden, ist dann schick und „trendy“. Sich als neuer Junger und trotzdem Konservativer in solchen Redaktionsmannschaft durchzusetzen, ist in einer solchen Konstellation ungeheuer schwer. Gruppendynamisch fühlen sich diese Kollegen schnell als Außenseiter, sie kommen sich als ein Fremdkörper vor. Der Anpassungsdruck ist unglaublich stark.  Sicher haben auch die Parteien Fehler gemacht. So war schon 1989 zu erkennen, als ich Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung wurde, daß zwar einerseits von der Stiftungsleitung viel von Förderung konservativer und zumindest nicht-linker Journalisten geredet wurde, das Ergebnis aber insgesamt doch äußerst dürftig war.

BBl: Das heißt, den linken bis linksextremen Marsch durch die Medien-Institutionen hat es auf breiter meinungsbestimmenden Art gegeben und die Konservativen stehen außen vor?

Konrad Badenheuer: Natürlich hat es ihn gegeben und ist heute in seiner entsprechenden Wirkungsweise täglich nachzulesen, zu hören und zu sehen. Linke Journalisten prägen durch ihre Weltanschauungsfilter im Kopf eindeutig ein linkslastiges Meinungsklima in unserem Land. Aber die spannende Frage lautet ja: warum hat dieser Marsch funktioniert? Warum ist es den einen gelungen und den anderen nicht gelungen? Denn alle relevanten politischen Kräfte versuchen doch, ihre Leute in entsprechende Stellungen bringen. Und daß das den Linken in herausragender Weise gelungen ist, das sieht man inzwischen schon bei bestimmten Urteilen des BVG, wo man noch 30 Jahre vorher, jemanden, der so gedacht hätte, mit Anwendung des Radikalenerlasses kaum hätte Briefträger werden lassen und jetzt urteilen so Bundesverfassungsrichter. Siehe „Soldaten sind Mörder-Urteil“ und viele ideologisch ähnlich gelagerte höchstrichterliche Feststellungen in diversen gesellschaftspolitischen Fragen. Auch hier stellt sich die Frage: Wie war dieser Durchmarsch möglich?

BBI: Haben Sie eine Antwort darauf?

Konrad Badenheuer: Ohne doppeldeutig werden zu wollen: Das ist jetzt wohl die Millionenfrage! Im Ernst: Ich glaube nicht an Verschwörungstheorien oder gar „Hintergrundmächte“. Die konservative Sicht der Welt ist in ihrer Nüchternheit, im Appell an Eigenverantwortung, Fleiß, Sparsamkeit, Realismus, Ehrlichkeit und Gemeinsinn zwar letztlich ungleich erfolgreicher als linkes Utopiengerede und als der ur-linke Appell an den Neid. Und doch: Das linke Programm ist einfacher, verständlicher und vor allem gefälliger. Mehrheiten gewinnt man eher wenn man sagt: Sechs Jahre Grundschule und danach Gesamtschule, und das Arbeiterkind wird Arzt oder Anwalt, wenn nicht gleich Professor als wenn man sagt: Es gibt eben Unterschiede, die keine Bildungspolitik überwinden kann. Ein Helmut Kohl wußte immer, daß man dem Volk nicht die ganze Wahrheit sagen kann, jedenfalls nicht, wenn man Wahlen gewinnen will. Deswegen machte er Rentenpolitik à la Blüm und nicht à la Biedenkopf. Biedenkopf verkörperte in dieser Frage die Ehrlichkeit, Blüm hingegen wenn nicht die Lüge, dann jedenfalls die Illusion. Ich habe diesen Kompromiss Kohls mit der Wahrheit immer für zulässig gehalten, denn – mit Adenauer gesprochen - „Man muß die Menschen nehmen wie sie sind, andere gibt’s nicht!“ Wenn allerdings jetzt die Folge ist, daß unser Rentensystem kollabiert und womöglich die deutsche Nation als Ganzes sich demographisch gleichsam selbst entleibt, denn stellt sich natürlich noch eine andere Frage, nämlich die, ob die Demokratie in der langen Frist ihrem Wesen nach instabil ist, einfach weil das Wahlvolk „unhaltbare“ Weichenstellungen erzwingt. 

BBI: Ist sie es?

Konrad Badenheuer: Das britische, aber mehr noch das US-amerikanische und das Schweizer Beispiel spricht gegen diese „intrinsische“ Instabilität. Für Deutschland ist der positive Beweis einer wirklich nachhaltig stabilen Demokratie aber angesichts unserer demographischen Misere noch nicht erbracht. Eine islamische Mehrheit im Lande wäre wahrscheinlich doch das Ende der parlamentarischen Demokratie in ihrer jetzigen Form, denkbar wäre aber auch eine Überreaktion der verbliebenen Autochthonen. Wohlgemerkt: Ich rede hier nicht von Jahrzehnten, sondern von Generationen. Und natürlich würde ich ein Scheitern der Demokratie zutiefst bedauern.

BBl: Alternative Medien im Internet, beispielsweise Nachrichtenblogs, haben die Funktion der Kontrolle beziehungsweise der Ergänzung unserer Medien übernommen und zeigen regelmäßig deutlich auf, daß es in den Leitmedien Tabuthemen gibt, über die die Bevölkerung in vorauseilendem Gehorsam nicht oder nicht ausreichend unterrichtet wird. Sehen Sie das als Gefahr für die etablierte Medienlandschaft?

Konrad Badenheuer: Komplette Tabuthemen sehe ich nicht. Man findet ja immer wieder auch sogenannte unerwünschte Themen in den etablierten Medien, siehe Vertreibungs-thematik im „Spiegel“ oder Ausländerkriminalität im „Focus“. Nein, daß wichtige Themen völlig ausgeblendet werden, so wie früher in der „DDR“, das ist ja bei uns (noch) nicht der Fall. Selbst bei den Opferzahlen bei bestimmten Verbrechen des 20. Jahrhunderts – etwa der stalinistischen Verbrechen -, irgendwo wird dann doch etwas berichtet. Aber es wird darüber von den Proportionen her nicht so berichtet, wie man berichten müßte, wenn man einfach von der Prämisse ausgeht, daß jedes Menschenleben gleich viel wert ist. Natürlich wurde auch der Themenkomplex Zuwanderung-Integration-Demographie in der Berichterstattung massiv vernachlässigt. Es wurde zwar mengenmäßig viel geschrieben, aber sobald man sich den unausweichlichen langfristigen Schlussfolgerungen näherte oder einigen brisanten Kerntatsachen, wurde es sehr, sehr dünn was nun wiederum durch den Fall Sarrazin offenkundig wurde.

BBl: Wie sehen Sie die Funktion der Nachrichtenblogs?

Konrad Badenheuer: Die erfüllen eine wichtige Rolle. Ihre Zugriffszahlen wären vermutlich noch höher, wenn sie stärker wahrgenommen werden würden. Sie haben übrigens noch eine Eigenheit: viele sind mehr oder weniger anonym. Wenn ihre Macher, die wenigen Leute, die dahinter stehen, offenbar gute Gründe haben, ihre Identität nicht preis zu geben, dann ist das allerdings ein sehr starkes Symptom, daß unsere Presse- und Meinungsfreiheit schon ziemlich erodiert ist. Kurzum: Blogs sind nützliche Ergänzungen im Feld demokratischer Meinungsbildung, sie sind zu begrüßen, weil sie auf viele ungelöste Probleme aufmerksam machen können, die von Mainstream-Medien oft vernachlässigt werden.

BBl: Die politische Linke beweist immer wieder ihre Kampagnen-Fähigkeit. Martin Hohmann, Eva Hermann oder Christoph Alhaus waren eindeutige Zielpersonen derartiger Kampagnen. Aber wie erklären Sie sich, daß sich daran in der Regel auch zahlreiche bürgerliche Medien beteiligen?

Konrad Badenheuer: Weil es den linken Kampagnenakteuren meistens gelingt, eine Art  Meinungssog zu erzeugen, das heißt sie nutzten ihre zahlenmäßige Medien-Überlegenheit um einen gut koordinierten Meinungsstrom zu erzeugen, dem sich dann bürgerliche Medien nicht entziehen zu können glauben. In gewisser Weise bewirkt das dann bei nichtlinken Medien so etwas wie Isolationsfurcht, nicht auf der Seite der sogenannten „Guten“ zu stehen. Hinzu kommt, daß es bei den Linken strömungsübergreifende Feindbilder gibt, von der Atomenergie über die Nato bis hin zu den „Rechten“ generell. Hier wurden mit Methoden, die eigentlich gar nicht links sind Pawlowsche Reflexe eingedrillt, die nun erstaunlich gut funktionieren.

BBl: Feindbild Studentenverbindungen oder Vertriebenenverbände könnte man wohl noch hinzufügen – oder?

Konrad Badenheuer: Ganz klar ja! Nehmen Sie den Namen Erika Steinbach. Woran immer es liegt, Linke ganz unterschiedlicher Prägung, wenn dieser Name fällt, dann sind sie in einer Geschlossenheit gegen sie, die ans Irrationale grenzt. Immerhin ist sie die erste Vertriebenenpräsidentin, die das Recht auf die Heimat nicht mehr einfordert und in der Eigentumsfrage die Null-Lösung empfiehlt. Eigentlich ein Traum für polnische Nationalisten, aber vielleicht scheitert ja auch dieser Nationalismus wie andere in der Geschichte letztlich an sich selbst, an seiner eigenen Borniertheit?

Daß deutsche Linke bei den Anti-Steinbach-Kampagnen mitmachen, sagt wenig über Steinbach und viel über diese Personen, wie etwa Wolfgang Thierse, Volker Beck und Markus Meckel. Daß in Deutschland bürgerliche Medien und Parteien dabei mitspielen, ist ein absurdes Phänomen, wie generell die Mitwirkung am „Kampf gegen Rechts“, der doch von Anfang an den Unionsparteien schaden sollte und auch geschadet hat. Die Zielsetzung der bei der Linken so beliebten semantischen Unschärfe „rechts gleich rechtsextrem“ ist doch leicht durchschaubar. Und doch wird dieser Kampf seit Jahren in unbegreiflicher Weise von der Union mitgetragen und deswegen aus Steuermitteln mitfinanziert…

BBl: …zum Beispiel von der ehemaligen Familienministerin von der Leyen mit über 20 Millionen Euro gegen Extremismus…

Konrad Badenheuer: Ja, wo dann noch nicht einmal, wenn man schon 20 Millionen Euro im Kampf gegen Extremismus ausgeben will, darauf geachtet wird, daß je 10 Millionen gegen „rechts“ und 10 Millionen gegen „links“ gehen, wobei man eigentlich angesichts der Gewalthäufigkeit den Linksextremismus hätte intensiver bekämpfen müssen. Daß die Unionsparteien so etwas mittragen, ist rational kaum zu verstehen. Selbst wenn es dafür diskrete Gegengeschäfte gegeben haben sollte – das Thema ist für einen politischen Kuhhandel ganz ungeeignet. Hier geht es um einen Kulturkampf mit Tiefendimension, der langfristig und kaum revidierbar zulasten der bürgerlichen Parteien die Koordinaten im Denken der Bevölkerung verschieben sollte und tatsächlich auch schon verschoben hat. Allerdings muß man bei diesen ganzen Debatte in einem Punkt aufpassen: Man kann nicht alle Themen in das Rechts-Links-Schema pressen. Für mich als Mensch und als Journalist ist das letzte Kriterium keineswegs, ob etwas „rechts“ oder „links“ ist, sondern ob es wahr ist oder falsch. Schon die Begrifflichkeiten sollte man sich nicht von politischen Gegnern vorgeben lassen.

BBl: Themenwechsel und abschließende Frage: was leistet Ihre Zeitung zur Förderung eines gut geschulten, konservativen Journalistennachwuchses, der ja insgesamt in der Bundesrepublik im Argen liegt?

Konrad Badenheuer: Die PAZ bietet zwar keine klassischen Volontariate an, aber Zeitungspraktika auf 400-Euro-Basis. Wer also bei uns Redaktionsluft schnuppern will und möglichst in dieser Richtung schon Erfahrungen gesammelt hat, kann sich bei uns bewerben. Das Praktikum dauert dann zwischen einem und sechs Monaten, je nach Absprache. Die Kandidaten werden voll in die Redaktionsarbeit einbezogen. Wer überzeugt, kann nach dem Praktikum als externer Autor gern weiter für uns schreiben. Das ist ein weiteres Ziel dieser Praktika, die Heran- und Ausbildung eines jungen Mitarbeiterzirkels in Deutschland mit einer konservativen Grundhaltung für unsere Preußische Allgemeine Zeitung.

BBl: Herr Badenheuer, wir danken Ihnen recht herzlich für das Interview!

Das Interview wurde von Verbandsbruder Siegfried Herzl und dem Schriftleiter geführt.