20.08.11Massenansturm befürchtet
In der Bundesrepublik wird zum Wintersemester mit einem Massenansturm an den Universitäten und Fachhochschulen gerechnet. Bereits jetzt verzeichnen diese eine Zunahme der Bewerbungen um 20 bis hin zu 50 Prozent.
Viele Hochschulen haben deshalb für deutlich mehr Studiengänge als bisher einen Numerus clausus (NC) verhängt. Einige Hochschulen möchten dagegen ihren Lehrbetrieb ausweiten, oftmals sogar den Samstag mit einbeziehen, konnte die Nachrichtenagentur dpa im Rahmen einer Umfrage in allen Bundesländern nun in Erfahrung bringen. Die Prognosen erwarten bis zu 500.000 Studierende. Das sind rund 60.000 Studenten mehr als in den vergangenen Jahren.
Die Aussetzung der Wehrpflicht, geburtenstarke Jahrgänge sowie doppelte durch Verkürzung der Gymnasialzeit in Bayern und Niedersachsen dürften dafür ursächlich sein. In Tübingen und Bremen hat man deshalb alle regulären Bachelor-Studiengänge mit einem NC versehen, in Berlin mit Ausnahme von Mathematik und Physik ebenfalls alle. Auch in Hessen hat man mittlerweile alle Fachhochschulen zulassungsbeschränkt. In Hessen und Berlin möchte man aufgrund des befürchteten Platzmangels zunehmend auf „E-Learning“ ausweichen und Lehrveranstaltungen auch über das Internet kommunizieren.
In den Bundesländern, in denen dies nicht der Fall ist, müssen sich die Studenten auf Veranstaltungen auch bis 22 Uhr und auf alternative Räumlichkeiten wie Kinos und Stadthallen einstellen. Das ohnehin in Spendierlaune befindliche SPD-geführte Bundesland Nordrhein-Westfalen dagegen hat angekündigt, bis 2020 rund zehn Milliarden Euro in Bildungsstrukturen investieren zu wollen – in den Bau von Gebäuden, Ausbau von Mensen und Wohnheimen und für mehr Lehrpersonal.
Das westdeutsche Bundesland rechnet zudem mit einem höheren Ansturm auf seine Hochschulen, da zum Wintersemester die landesweiten Studiengebühren abgeschafft wurden. Dagegen rechnen die mitteldeutschen Bildungseinrichtungen – demographisch bedingt – mit sinkenden Bewerberzahlen, die mit westdeutschen Bewerbern ausgeglichen werden sollen.
4,7 Milliarden möchte die Bundesregierung von 2011 bis 2015 im Rahmen des Hochschulpakts II bereitstellen. Ob das reicht, um etwa 10 Prozent mehr Studenten an den Hochschulen adäquat ausbilden zu können, wird sich zeigen.
Ein Teil der bundesrepublikanischen Studenten weicht auch auf Österreich aus, weshalb auch die dortigen Hochschulen mit einem Massenansturm rechnen.
So haben sich an der grenznahen Uni Salzburg sogar mehr Deutsche als Österreicher angemeldet. Rund 43 Prozent stammen aus der Bundesrepublik; 39 Prozent haben ein österreichisches Maturazeugnis. An der Uni Innsbruck hält sich die Zahl der deutschen und der österreichischen Bewerber etwa die Waage. Daher werden auch in Österreich leistungsabhängige Zulassungsbeschränkungen diskutiert.

