24.09.11Die Psychologie der Niederlage
In seiner tiefgreifenden und hochintellektuellen Studie zur speziellen Problematik des deutschen Traumas hat Thorsten Hinz ein sehr lesenswertes und spannendes Werk zu Papier gebracht. Seine Gedanken über den Bruch und Umbruch der Kraft des nationalen Gedankens seit der totalen Niederlage in Folge des Zweiten Weltkriegs sowie seine Überlegungen zu den von den Siegern dem deutschen Volk aufoktroyierten Grundhaltungen zu allen geistigen und kulturellen Fragen zeugen von seiner Fähigkeit zur Analyse des Gesamtkomplexes „Der Deutsche und seine Schuld“.
Dabei beginnt die Betrachtung bei Hinz nicht erst 1945 sondern bereits im und nach dem Ersten Weltkrieg. Denn bereits im Versailler Vertrag ist die Neigung der Nachbarn im Westens erkennbar, die eignen Machtinteressen ins Gewand moralischer Phrasen zu kleiden und den Deutschen die „alleinige“ Schuld für alle vorangegangenen Ereignisse zuzuschreiben.
Seine Darstellung der aktuellen geschichtsbildenden politischen Debatten machen klar, in welchem Maße die Menschen in Deutschland sich von den Zeitgeist geprägten Politsatiren führen und verführen lassen. Beispielhaft zitiert er den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder und macht dessen widersprüchlichen geschichtspolitischen Äußerungen und Gesten sichtbar. Aus dieser Nabelschau der aktuellen politischen Diskussionen leitet Hinz die Fragen nach der Fähigkeit zur geistigen Souveränität dieses Landes ab.
Seine Schlußfolgerungen zur ständigen Angst der Deutschen vor einer Widerkehr der Geschichte sollen beim Leser die Frage erzeugen, ob der Deutsche nicht selbst sein ärgster Feind ist. Ist es nicht so, daß heute jeder Hauch von Nationalstolz oder Patriotismus mit der braunen Faschismuskeule ausgelöscht wird? Das in Schulen, Bildungseinrichtungen und im Fernsehen ständig widerholte Bild der alleinigen Dauerschuld erstickt den freien Menschen. Hinz macht mit seinem Buch den Versuch den einseitigen Blickwinkel der Menschen aufzuweichen, damit diese sich im Zuge der Selbsterkenntnis ihrer Verantwortung für ein einiges, freies und christliches Deutschland bewußt werden und beginnen, gegen die ständige Bevormundung des Systems des Schuldkults aufzubegehren.
Der Autor Thorsten Hinz, Jahrgang 1962, studierte Germanistik in Leipzig. Er war 1995/96 Politik- und 1997/98 Kulturredakteur der Wochenzeitung Junge Freiheit und arbeitet seither als freier Autor in Berlin. 2004 wurde er mit dem Gerhard-Löwenthal-Preis für Journalisten ausgezeichnet.
Thorsten Hinz: Die Psychologie der Niederlage – Über die deutsche Mentalität. Edition JF 2010, gebundene Ausgabe, 201 Seiten, ISBN 978-3-929886-34-4, 19,80 Euro.

