26.09.11Hausverbot für „Burschenschaftliche Gemeinschaft“ durch SL
Ein Leserbrief an die Geschäftsführung der Sudetendeutschen Landsmannschaft in München
Anläßlich ihres 50-jährigen Jubiläums wollte die Burschenschaftliche Gemeinschaft am 16. Juli diesen Jahres im Sudetendeutschen Haus in München mit einem feierlichen Kommers an ihre Gründung nach dem Krieg erinnern. Unter den etwa 50 Mitgliedern dieser Gemeinschaft, Burschenschaften aus Deutschland und Österreich, sind allein zehn Burschenschaften, die vertrieben wurden und deren Namen noch heute an die deutschen Hochschulstädte, wie Prag, Brünn oder Breslau erinnern. Die Veranstalter, die alte Breslauer Burschenschaft zu Bonn, schloß rechtzeitig einen Vertrag mit der Stiftung – wie schon einige Male zuvor, wo das Sudetendeutsche Haus als Veranstaltungsort zur Verfügung stand.
Doch etwa zwei Wochen vor dem Jubiläum sah alles anders aus. Die farbentragenden Studenten wurden vor die Tür gesetzt. Laut „Süddeutscher Zeitung“ vom 4. Juli und dem Bundesvorsitzenden der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) Franz Pany heißt es da: „Wir haben die Genehmigung zur Nutzung unserer Räume zurückgezogen (…) und Leuten, die in irgendeinen Verdacht extremistischer Verbindungen geraten könnten, stehe das Sudetendeutsche Haus nicht offen, solche Leute wollen wir hier nicht“.
Auch meine persönlichen Anfragen vom 12. Juli und 9. August blieben in vornehmer Zurückhaltung unbeantwortet. Vertragsbruch (Kündigung eines rechtswirksamen Mietvertrages) und beharrliches Schweigen über eine solche Vorgangsweise hat scheinbar Einzug in der Hochstraße gehalten. Selbst aus der „Sudetendeutschen Zeitung“ war nichts über diese Vorgänge zu erfahren.
Erst im „Schlesier“ vom 12. August wird unter der Überschrift „Unwürdiges Einknicken vor dem Zeitgeist“ ausführlich berichtet.
„Die Antifaschistische Informations- Dokumentations-und Archivstelle München e.V.“ (mit dem Wiener Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes vergleichbar, das von Kommunisten gegründet wurde) machte den Kommers der Studenten publik. Ein Grünabgeordneter richtete eine Anfrage an die bayrische Staatsregierung, in der nach der Höhe der Subventionierung des Sudetendeutschen Hauses gefragt wurde. Die Staatsregierung reagierte prompt und politisch korrekt. Was hinter den Kulissen geschah, wird man im Detail nicht erfahren. Man stellte die Weichen auf die politisch korrekten Geleise und die Landsmannschaft beziehungsweise Stiftung (Vorsitzender des Stiftungsrates Horst Seehofer, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes Franz Pany) kündigte eilends den bereits abgeschlossenen Mietvertrag.
Damit ist, so der „Schlesier“, die durch die CSU gesteuerte Sudetendeutsche Landsmannschaft neuerlich politisch eingeknickt, und hat es wieder einmal geschafft, sich von ihrer eigenen Klientel zu distanzieren. Und weiter heißt es: „Unverständlich ist, warum die SL solche Vorwürfe nicht einfach aussitzt. Denn immerhin grenzt es an Ironie, daß gerade die Grünen eine solche Anfrage stellen, arbeiten diese erwiesenermaßen doch in zahlreichen Zusammenhängen mit Linksextremisten mit, oftmals sogar mit linksextremistischen Gewalttätern zusammen“.
Blicken wir doch einmal zurück in das Jahr 1959 als in Berlin (Ost) der „Ausschuß für Deutsche Einheit“ in einer 30-Seiten Publikation über die Aufgaben der Sudetendeutschen Landsmannschaft schrieb: „Die Sudetendeutsche Landsmannschaft ist eine chauvinistische Organisation des deutschen Militarismus, deren Ziel und Aufgabe darin besteht, die früheren Sudetendeutschen in Westdeutschland zu organisieren und sie darüber hinaus die Bevölkerung Westdeutschlands auf die „Rückeroberung“ des Sudetenlandes, auf einen neuen Eroberungskrieg vorzubereiten“. Und in dieser Tonart geht diese Pamphlet dann weiter. Damals wußten die Spitzen der SL und alle Vertriebenen wie man mit solchen Unterstellungen umgeht. Sie wurden nicht einmal kommentiert, so lächerlich waren die Anschuldigungen. Und heute?
Am Rande sei noch vermerkt: Anläßlich des letzten Märzgedenkens in Wien wurde mit Genugtuung darauf hingewiesen, dass Farbenstudenten bei dieser Veranstaltung chargierten. Die „Sudetenpost“ brachte auf Seite 1 ein Bild davon. Der ausführliche Bericht darüber mit den Grußworten ist auch nach 6 Monaten noch lesenswert.
Nun aber zur Frage was ist die Deutsche Burschenschaft, wofür setzt sie sich ein und seit wann besteht sie:
1815, also vor fast zwei Jahrhunderten, begann in Jena die Geschichte der Burschenschaft, als revolutionäre Bewegung für die Freiheit und Einheit der deutschen Nation, gegen feudale Kleinstaaterei und für Meinungsfreiheit und Mitbestimmung des Bürgers in der Politik. Studentische Zusammenschlüsse gab es bereits seit Gründung von Universitäten im Mittelalter. Sie waren damals vornehmlich in landsmannschaftlichen Gruppen zusammengeschlossen. Aus diesen Gemeinschaften entwickelten sich im Verlauf des 19. Jahrhundert die heutigen Korporationen wie zum Beispiel Corps, Landsmannschaften, Burschenschaften und auch konfessionell gebundene Verbindungen (zum Beispiel CV). Sie haben sehr vieles gemeinsam, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte.
Die Burschenschaften haben ihren Ursprung in der am 12. Juni 1815 in Jena gegründeten Burschenschaft. Sie war der Zusammenschluss Jenaer Studenten, deren Ziele die nationale Einheit und die Befreiung von obrigkeitsstaatlichem Regiment waren. Erinnern wir uns doch: Napoleon, der Europa mit Krieg überzogen hatte (heute würde man sagen: er entfesselte europaweite Kriege) zwingt den Habsburger, Kaiser Franz II., 1806 die Kaiserwürde niederzulegen. Das Deutsche Reich war somit untergegangen, nachdem auch mehrere deutsche Fürsten dem Rheinbund beitreten mußten. 1814 war zwar Deutschland nach zehnjährigem Krieg und Besetzung wieder frei. Aber die Fürsten lehnten die Idee eines neuen Deutschlands mit einer Verfassung ab. Stattdessen wurde auf dem Wiener Kongress der „Deutsche Bund“ mit Österreich als Vorsitzenden gegründet. Alle Hoffnungen waren damit begraben worden.
Der Ruf nach Freiheit und Einheit wurde bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beim Hambacher Fest (1832) verkündet und war später 1848 in der Frankfurter Paulskirche die nachdrückliche Forderung aller Korporationsstudenten. Aber es war nicht nur eine Forderung in der Vergangenheit, sondern Einheit und Freiheit wurde auch mit Nachdruck in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von allen Korporationen angemahnt, solange Deutschland geteilt war und Mauer und Stacheldraht das Land teilten. Diese Forderung der Vergangenheit entsprach zunehmend nicht mehr der damaligen „Political Correctness“ und so wurden die Studentenverbindungen als ewig Gestrige verunglimpft, bis im November1989 die Deutsche Teilung endete. Nicht die Korporationen waren von gestern, sondern jene in Politik und Wirtschaft, die diese Forderung mit dem Vorwurf des Revanchismus verbanden und schmückten.
Mitglied einer Burschenschaft zu werden ist mehr als nur irgendeinem Verein anzugehören. Es bedeutet auch die freiwillige Verpflichtung sich für ideelle Ziele einzusetzen. Junge und alte Burschenschafter, die sogenannten „Aktiven“ und „Alte Herrn“ bleiben auch nach Studienabschluß freundschaftlich verbunden. Das führt zu einem ständigen lebendigen Gedanken- und Erfahrungsaustausch zwischen jung und alt, zwischen Fakultäten und Berufen. Viele Universitäten, die sich zu Massenbildungsstätten entwickelten, bieten hier nur wenige Chancen.
Die Ideale der Burschenschafter, „Ehre - Freiheit – Vaterland, sind Grundwerte, die keinem modischen Wandel unterliegen, auch wenn in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts versucht wurde, sie in Frage zu stellen.
Unter Ehre versteht der Burschenschafter Wertbegriffe, die sich in seinem Handeln und Reden durch Lauterkeit, Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit manifestieren sollen.
Freiheit ist ein Ziel dem das burschenschaftliche Handeln dienen soll. Persönliche, politische und akademische Freiheit können nicht ohne die Freiheit des Geistes und die Unabhängigkeit und Selbständigkeit des Denkens erreicht werden. Sie erschöpft sich nicht allein in persönlicher Freiheit sondern erhält ihre weitere Bedeutung durch Mitarbeit am Gemeinwesen.
Unter Vaterland wird die ausdrückliche Verpflichtung zum Dienste am Vaterland verstanden. Die Deutsche Burschenschaft sieht das deutsche Vaterland, unabhängig von staatlichen Grenzen in einem freien Europa. Der Einsatz für das eigene Vaterland gebietet ebenso die Achtung der Freiheit und das Selbstbestimmungsrecht anderer Völker. Deshalb setzten sich die Burschenschaften aktiv dafür ein, daß in einem wirklich freien Europa den Angehörigen aller Völker, insbesondere auch allen deutschen Volksgruppen die uneingeschränkte kulturelle Entfaltung und Selbstbestimmung in anderen Staaten gewährt wird.
Was verbindet also die Burschenschafter? Die Verbindung alter und junger Menschen mit den gleichen Idealen. Farben tragen heißt auch Farbe bekennen und damit verbunden ist schließlich das Eintreten für Freiheit und Toleranz Andersdenkender und vor allem deswegen waren schließlich auch Verbindungen in der Zeit des „Nationalsozialismus“ und des „Realen Sozialismus“ verboten, im Dritten Reich bereits ab 1935. Als in der Ostmark der Wiener Gauleiter verlangte, daß Burschenschafter Band und Mütze öffentlich verbrennen sollten, weigerten sich die Studenten, und letztlich wurde dieses Ansinnen sang- und klanglos wegen des vehementen Widerstandes wieder zurückgezogen. Die einzelnen Bünde wurden vertagt, ihr Eigentum konfisziert, und nach dem Zweiten Weltkrieg konnten sie in Österreich ab 1953 ihren Betrieb wieder aufnehmen.
Eine ganz andere Strategie wird heute gegenüber farbentragenden Verbindungen verfolgt. Grünen Einflüsterungen, alle mit dunkelroten Untertönen verstärkt (siehe Ausschuß für deutsche Einheit), wird heute aus Mangel an ziviler Courage nachgegeben. Diesem unseligen Zeitgeist hat sich auch die Führungsspitze der Landsmannschaft gebeugt, vergißt aber ganz, was ihre wirklichen Aufgaben sind. Ein gleichfalls Vertriebener aus dem Sudetenland äußerte mir gegenüber zu dieser Angelegenheit, daß er erschüttert sei wegen dieser Haltung der SL-Führung und befürchtet, daß wir uns bereits im letzten Akte eines Trauerspieles befinden. Wer die letzten Jahre miterlebt hat, kann sich dabei nur in Schweigen hüllen.
DDr. Alfred Oberwandling (Gothia Wien)

