03.03.09Der älteste Elektraner: Als Bub begegnete ihm noch Kaiser Franz Josef…

Das älteste Mitglied der Burschenschaft Elektra Teplitz: Sepp Dworschak al. Giselher mit 101 Jahren.
Sepp Dworschak al. Giselher wurde vor 101 Jahren in Nordmähren geboren und wuchs in Brüsau auf. Dort begegnete er 1911 dem österreichisch-ungarischen Kaiser, der sich auf der Durchreise nach Prag befand. Studiert hat Sepp Dworschak am Elektrotechnikum in Teplitz und trat schon sehr früh in die Technische Verbindung Elektra zu Teplitz ein, die 1896 in Komotau gegründet wurde und ab 1898 bis 1934 in Teplitz aktiv war.
Nach der erlebnisreichen Aktivenzeit in dem damals äußerst quirligen Teplitz fand Sepp Dworschak eine erste Anstellung als Ingenieur in einer Brünner Maschinenfabrik. Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkrieges mußte er einrücken und war als Kurier zunächst in Krakau und später in Berlin eingesetzt. Während der Ardennenoffensive erlitt er als Feldwebel eine leichte Verwundung – ein noch vergleichsweise harmloses Schicksal in dieser schweren Zeit.
Viel schwerer aber wog, daß er nach dem Krieg nicht mehr in seine Heimat zurückkehren durfte. Die Deutschen wurden aus dem Sudetenland vertrieben. Sepp Dworschak kam zunächst bei seiner Schwester in Dornbirn unter und fand dann in Bregenz als Ingenieur eine Arbeitsstelle, die ihm so gut gefiel, daß er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1973 blieb. Das kleine Häuschen in Lochau wurde für ihn und seinen Frau Gisela zur zweiten Heimat, in dem sie auch heute noch in hohem Alter die häusliche Geborgenheit schätzen.
Auch wenn Sepp Dworschak inzwischen fast vollständig erblindet ist und ihn seine Beine “manchmal im Stich lassen“ arbeitet sein - wie er es nennt - „Hirnkastel“ noch ganz hervorragend. Seine Erzählungen und Erinnerungen jedenfalls beweisen den wachen Geist und das immer noch spürbare Temperament.
„Ein paar Jährchen will ich noch leben“ hat er stolz zu seinem 100. Geburtstag verkündet. Wir Elektraner hoffen und wünschen uns, daß die Gesundheit unseres Bundesbruders Giselher dieses noch recht lange zuläßt. Auch wenn Sepp Dworschak heute nicht mehr zu den Veranstaltungen des Bundes kommen kann, so kommen seine Bundesbrüder zu ihm und lassen ihn an den Ereignissen des Bundes teilhaben – ein Lebensbund, der über mehr als drei Generationen sehr erfolgreich wirksam ist.
Jürgen Geibel (Elektra Teplitz zu München, Vorsitzender des Altherrenbundes)
