07.05.09Ein Reisebericht: Meine zweite Rückkehr auf den Schipkapass
Im Jahr 1988 fuhr ich mit einigen Bundesbrüdern meiner Bruna Sudetia zum ersten Mal auf den Schipkapass, jenes legendäre Studentenlokal am damaligen Stadtrand von Prag, heute fast im Zentrum.
Das Interesse am Schipakapaß wurde natürlich geweckt durch die Zusatzstrophen im bekannten Prager Studentenlied „Mit der Fiedel auf dem Rucken“ und daher begab ich mich 1988 auf die Suche. Eine wertvolle Hilfe dabei war mir mein Bbr. Christian Oppermann der Prager Arminen, der mir die weitere Suche erleichterte. Letztendlich war es geschafft, die „geographische“ Lage lokalisiert und die Wanderung auf Strobls Spuren („Der Flamänder von Prag“) konnte beginnen und das Lokal wiederentdeckt werden, wobei nur einige Wochen früher bereits Kommilitonen des MKV ebenfalls auf dem Schipkapaß waren. Das sollte aber unsere Freude nicht trüben.
Mein Urlaub 2008 führte mich in die sächsische Schweiz, daher war ein zweiter Besuch am Schipkapass miteingeplant.
Die Anschrift im deutschen Prag lautete auf Goldberg 56 (heute Zlatnice ??), wer sich allerdings heute auf ein Navi verlassen will, muß trotzdem pfadfinderische Instinkte haben, um den Ort früherer studentische Fröhlichkeit zu finden. Denn mit dem Navi kommt man bestenfalls in die Nähe des Lokals.
Wenn man sein Ziel gefunden hat, wird das Herz dann doch schwermütig. Wenn schon der Zahn der Zeit bis 1988 ordentlich an dem Gebäude genagt hat, so waren die letzten 20 Jahre noch viel umbarmherziger als die Jahrzehnte davor. War das Gebäude 1988 noch intakt (aber natürlich nicht mehr bewohn- oder nutzbar), so ist 20 Jahre später der Dachstuhl bereits eingebrochen und damit das Gebäude selbst natürlich nur mehr eine Ruine.
Das Gelände ringsum wild verwuchert (aber das war es auch schon 1988) und vom freien Blick auf das Scharkatal, wie es Strobl beschrieben hat, ist natürlich auch nichts mehr zu sehen. Aber dafür kann man die Natur nicht verantwortlich machen.
Ade Schipkapaß. Ein Stück Geschichte für alle Couleurstudenten jeder politischer Richtung ist an seinem Ende angelangt. Nehmt einen Stein mit als Erinnerung an dieses legendäre Studentenlokal, das zumindest in unseren Liedern weiterleben wird.
Weitere Informationen und Bilder zum Schipkapaß finden Sie unter www.archiv.oepr.at.
Karl Götschober (PB. Franko Cherusker, Bruna Sudetia, PB. Hans Steinacher)




