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Heftarchiv der Burschenschaftlichen Blätter

Burschenschaftliche Blätter, Ausgabe 4/2011
Schwerpunktthema: Spannungsfeld deutsch-polnische Nachbarschaft

  • Olaf Haselhorst: Das deutsch-polnische Verhältnis von 1919 bis 1939
  • Bernhard Knapstein: Die deutsch-polnischen Beziehungen
    seit 1989 und die deutschen Heimatvertriebenen
  • Dr. Rudolf Urban: Die Situation der deutschen Minderheit
    in Polen am Beispiel der dortigen Medien zwischen 1989
    und 2010
  • Matthias Müller: "…nichts hinter dem Rücken der Vertriebenen?" –
    Die Sozialdemokratie und der Bund der Vertriebenen. Ein historischer Abriß
  • Interview mit Rudi Pawelka: "Schieflagen bei den deutschpolnischen
    Beziehungen – Wenigstens die Beutekunst sollte an Deutschland zurückgegeben werden!"
  • Bartłomiej Wróblewski: Noch ist Polen nicht verloren – die polnischen Studentenverbindungen 1816–2011

Das deutsch-polnische Verhältnis von 1919 bis 1939
Von Olaf Haselhorst

„Die drei oberschlesischen Aufstände, der Krieg gegen Sowjetrußland […], die Besetzung Mittellitauens und nicht zuletzt der Posener Aufstand belegen, daß Polen […] keineswegs gewillt war, die friedliche Ausführung der Wilson‘schen Punkte […] abzuwarten. Die rohe Gewalt […] wurde zur eigenen Maxime erhoben.“ 

Nach gut 120 Jahren staatlicher Nichtexistenz wurde unter dem Protektorat der Mittelmächte am 5. November 1916 Polen auf einem Gebiet wiederhergestellt, in dem Angehörige des polnischen Volkes die Mehrheit stellten. Dieses Territorium war den polnischen Nationalisten aber viel zu klein. Sie wollten an das mittelalterliche Polen-Litauen anknüpfen, das von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer reichte. In diesen Kategorien dachten einflußreiche polnische Politiker, Militärs und Intellektuelle. Mit der deutschen Niederlage 1918 versuchten diese Kreise dann – trotz dem seit 30. April 1918 bestehenden Friedensvertrag mit Deutschland -, ein Groß-Polen zu erobern, indem sie sich auf die vermeintlich schutzlosen deutschen Ostgebiete stürzten, auf Posen-Westpreußen, Pommern und Schlesien. Eingeklammert zwischen Frankreich und Polen war die Weimarer Republik das Hauptobjekt polnischen machtpolitischen Strebens. „Zu Recht kann wohl behauptet werden, daß ein großer Teil der polnischen Außenpolitik in der Zwischenkriegszeit durch das Verhalten gegenüber Deutschland bestimmt war.“

Polen hatte unter den siegreichen Entente-Mächten starke Befürworter. Frankreich betrachtete Polen als idealen Verbündeten, Deutschlands politisch-militärisch-wirtschaftliche Knebelung von Osten her zu unterstützen. Der US-Präsident Wilson hatte in einem seiner 14 Punkte für Polen einen freien Zugang zur Ostsee versprochen. Dies konnte jedoch nur auf Kosten Deutschlands oder eines baltischen Staates verwirklicht werden. Die Versailler „Friedensbedingungen“ sprachen Polen den „Korridor“ zur Ostsee, Teile Ostpreußens und Schlesiens zu, letztere nach Volksabstimmungen, die unter interalliierter Kontrolle vonstatten gehen sollten.

Ostpreußen war in zwei Abstimmungsgebiete aufgeteilt: Marienwerder (Westpreußen entlang der Weichsel) und Allenstein (Masuren). Deutschland und Polen entfalteten eine rege Werbetätigkeit, wobei die Polen – wenn alles mit rechten Dingen zugehen sollte – von vornherein keine realistischen Chancen auf einen Abstimmungssieg hatten. Bezeichnend war, daß alle polnischen Agitatoren für den Anschluß an Warschau aus anderen polnischen Gebieten kamen. In Masuren gab es keine geeigneten Kandidaten. In chauvinistischer Überheblichkeit hatte die polnische Seite die Masuren zu „Polen“ erklärt, ohne zu berücksichtigen, daß Masuren evangelisch waren und in der deutschen Gesellschaft so gut integriert waren, daß sie nicht den geringsten Sinn darin sahen, polnische Staatsbürger zu werden...

Die deutsch-polnischen Beziehungen seit 1989 und die deutschen Heimatvertriebenen
Von Bernhard Knapstein

Es ist eine Binsenweisheit, daß der Fall der Mauer 1989 kein rein deutsches Ereignis ist. Am 11. November des Jahres hatte Bundeskanzler Helmut Kohl in Warschau erklärt: „Ohne den zehnjährigen Kampf der,Solidarität‘ für Reformen wären auch die jetzigen Entwicklungen in der DDR unmöglich gewesen“. In Danzig sei es 1980 um Ziele gegangen, die auch die Deutschen beträfen: um Freiheit, Menschenwürde, Menschenrechte und Selbstbestimmung. In Kreisau folgte später die historische Umarmung zwischen Kohl und dem ersten frei gewählten Ministerpräsidenten Tadeusz Mazowiecki. 

Die Vereinigung der beiden deutschen Teilstaaten hat seine Wurzeln unter anderem also auch in den polnischen Streiks auf der Danziger Werft und steht im Kontext zu den ersten halbfreien Wahlen in Polen vom 4. Juni 1989. Die Ereignisse in Leipzig und in Warschau befruchteten sich gegenseitig. „Es kam damals zu einer Parallelität der Prozesse in Polen und in der DDR. Wir waren gemeinsam unterwegs“, erinnert sich auch der polnische Botschafter Dr. Marek Prawda in seiner Hambacher Rede vom 15. Oktober 2011 auf einer hochrangig besetzten Tagung der deutsch-polnischen Arbeitsgemeinschaft Kommunalpolitische Partnerschaft (AKP). Prawda sieht sogar Bezüge zum Hambacher Fest von 1832. „Denn auch damals waren wir sehr spektakulär gemeinsam unterwegs. Gemeinsam für Demokratie, für die Einheit Deutschlands, was im allgemeinen Interesse war und für die Einheit Europas. Da läßt sich ohne Mühe eine Parallele zu der heutigen Zeit herstellen.“  

Die Besonderheit der von Teilnehmern als äußerst inspirierend gewerteten Rede besteht darin, daß sie auf einer von deutschen Heimatvertriebenen organisierten Veranstaltung gehalten wurde. Erstmals in der Nachkriegsgeschichte hatte ein polnischer Botschafter diesen öffentlich wahrnehmbaren Schritt auf Vertriebene zu gemacht. Auch wenn die AKP selbst nicht dem Bund der Vertriebenen (BdV) angehört, so darf dies dennoch als neuer Meilenstein im Verständigungsprozess gewertet werden. Doch bis zu dieser aktuellen Entwicklung haben beide Nationen seit dem Zusammenbruch des Ostblocks im Jahr 1989 einen äußerst steinigen Weg zurückgelegt.

Die Situation der deutschen Minderheit in Polen am Beispiel der dortigen Medien zwischen 1989 und 2010
Von Dr. Rudolf Urban

In der heutigen Medienlandschaft Polens ist die deutsche Minderheit eigentlich gut vertreten. Anders als seit Kurzem die Kaschuben haben die Deutschen zwar keinen eigenen Fernsehsender, auch eine Radiostation gibt es bislang nicht. Doch von und für die Minderheit werden einige Zeitschriften herausgegeben, es gibt mehrere Radiosendungen in privaten und öffentlich-rechtlichen Anstalten und auch im Fernsehen ist die Minderheit durch das Magazin Schlesien Journal vertreten. Generell kann man also sagen, daß sich die Minderheit den Medienmarkt relativ gut zu Nutze gemacht hat, auch wenn nicht alle Möglichkeiten genutzt wurden.  

Bevor ich nun auf die einzelnen Medienbereiche zu sprechen komme, lassen Sie mich noch kurz auf die Zeit vor 1989 eingehen. Wenn man im Bezug auf die Medien die Geschichte der deutschen Minderheit nach dem Zweiten Weltkrieg analysiert, neigt man sehr schnell dazu zu sagen, daß vor dem politischen Umbruch diese Bevölkerungsgruppe in Polen völlig totgeschwiegen wurde. Und das stimmt auch, jedoch nur zum Teil. Offiziell und gegenüber der Welt negierte die kommunistische Regierung der Volksrepublik Polen jedwede Existenz einer deutschen Minderheit in ihrem Land. Tatsächlich aber gab es sogenannte anerkannte Deutsche in Polen, die zwar von der Statistik gar nicht erfaßt oder als Staatenlose geführt wurden, aber einige wenige Rechte vom polnischen Staat erhalten haben. Diese Deutschen durfte es nicht in Oberschlesien geben, wohl aber existierte so eine deutsche Minderheit offiziell seit Anfang 1957 in Niederschlesien (Waldenburg und Breslau).

Dort gab es auch bis in die 1960er Jahre hinein ein deutsches Schulwesen, in den 1950ern waren einige Kulturensembles aktiv tätig, es gab und gibt bis heute auch einen offiziellen Verband der Deutschen, und zwar die Deutsche Sozial-Kulturelle Gesellschaft. Daneben funktionierte über eine gewisse Zeit auch ein spezielles Medium für die Deutschen in Niederschlesien und sogar durch den polenweiten Vertrieb für diese nicht anerkannte Volksgruppe im gesamten Land. Die Rede ist hier natürlich ausschließlich von der Presse, die seit 1951 herausgegeben wurde. 1951 bis 1952 erschien in Waldenburg und Neurode die „Bergmanngewerkschaft“, seit 1951 in Breslau die „Arbeiterstimme“, zunächst als Wochenblatt, 1955 bis 1958 als „Sozialistische Tageszeitung“.

Für die deutschen Arbeiter in den landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften wurde „Der PGR-Arbeiter“ herausgegeben, 1955 in eine Beilage zur „Arbeiterstimme“ mit dem Titel „der Landarbeiter“ umgewandelt. Die „Arbeiterstimme“ besaß ferner eine Kinderbeilage „Jugendstimme“ und eine Wochenendbeilage. Von April bis Dezember 1958 erschien sie unter dem Titel „Die Woche in Polen“ erneut als Wochenzeitung in zehn Nummern, danach wurde sie eingestellt. In den späteren Jahren gab es dann keine deutsche Presse mehr, wohl auch deswegen, weil die Zahl der sogenannten anerkannten Deutschen in Polen drastisch geschrumpft ist und der Bedarf offiziell nicht mehr bestand. Dies ist nur eine kurze Episode in der Mediengeschichte der Minderheit, aber sie ist, wie ich finde, wichtig und ist ein Argument dafür, daß die deutsche Minderheit nicht ein Gebilde ist, daß sich einige wenige erst in den 1980er Jahren ausgedacht haben. Dürften die Deutschen wie in Niederschlesien auch anderenorts mehr oder weniger offiziell auftreten, wäre es für die polnische Mehrheit kein so großer Schock gewesen, als sie dann um 1989 von der Existenz einer großen deutschen Minderheit erfahren haben...

"...nichts hinter dem Rücken der Vertriebenen?" –Die Sozialdemokratie und der Bund der Vertriebenen. Ein historischer Abriß

Von Matthias Müller

Die Politik der Bundesrepublik gegenüber den östlichen Nachbarstaaten wurde neben vorbestimmten Determinanten der internationalen Politik auch durch die eigenen innenpolitischen Konstellationen bestimmt. Im Folgenden wird das facettenreiche Verhältnis zwischen der SPD und dem Bund der Vertriebenen (BDV) erörtert, kann an diesem Beispiel doch die Wechselwirkung zwischen bundesdeutscher Außen- und Innenpolitik nachskizziert werden. 

„Entscheidend war für mich …, daß Ostpolitik `nicht hinter dem Rücken der Vertriebenen´ gemacht wurde.“ Mit diesen Worten beschreibt Willy Brandt aus der Retrospektive die Richtschnur seiner einstigen Politik gegenüber den deutschen Heimatvertriebenen. Das Versprechen, wonach die SPD „keine Politik hinter dem Rücken der Vertriebenen“ betreiben werde, war vom damaligen Westberliner Regierenden Bürgermeister erstmalig auf dem Schlesiertreffen von 1961 ausgelobt worden. Diese Maxime wurde von Brandt, in dieser Zeit ein häufig und gerne gesehener Gast bei den Vertriebenentreffen, auch in den nachfolgenden Jahren stets proklamiert. Seine Parole fügte sich in jene Phase der bundesdeutschen Geschichte, in der das Verhältnis zwischen der SPD und den Vertriebenenverbänden von besonderer Eintracht bestimmt war. Ein Faktum, das in der historischen Betrachtung nahezu vergessen scheint und auch beim zeitgeschichtlich interessierten Leser wohl größeres Erstaunen hervorrufen dürfte – legt er dem Verhältnis zwischen der SPD und dem BdV gerade nach der jüngsten Debatte um ein „Zentrum gegen Vertreibungen“ (ZgV) wohl eher eine immanente Unvereinbarkeit zu Grunde. So lag der ablehnenden Haltung der SPD gegenüber der ZgV-Initiative bekanntermaßen die zentrale Besorgnis zugrunde, daß eine institutionalisierte Erinnerung an die Vertreibungsopfer dem nachbarschaftlichen Verhältnis gegenüber Polen abträglich sei...

„Schieflagen bei den deutschpolnischen Beziehungen – Wenigstens die Beutekunst sollte an Deutschland zurückgegeben werden“

Interview mit Rudi Pawelka

BBl: Der Bund der Vertriebenen (BdV) sei kein Faktor von erheblichem Gewicht schrieb Mitte der 1960er Jahre des vergangenen Jahrhunderts der Ostpreuße Dr. Linus Kather in seinem Buch "Die Entmachtung der Vertriebenen". Herr Rudi Pawelka, wir schreiben jetzt das Jahr 2011. Was hat sich verändert, welches Gewicht hat der BdV heute?

Rudi Pawelka: Das Gewicht ist sicherlich nicht mehr sehr hoch. Wir werden zwar noch beachtet, aber wenn es um die entscheidenden Fragen geht, da setzt man sich über uns hinweg. Das war beim Einigungsvertrag so, aber auch bei anderen Anlässen. Seitens der in Berlin und den in den Bundesländern Regierenden versucht man zwar immer wieder den BdV mit kleinen Zugeständnissen in der Kulturarbeit gewogen zu halten, aber in der Substanz lehnt man unser ostdeutsches Anliegen mehr oder weniger ab. Das Gewicht der Vertriebenen und ihrer Verbände ist dabei sukzessive abgebaut worden. Wenn ich daran erinnere, daß 1963 noch die SPD-Spitze das immer wieder zitierte Grußtelegramm an unser Vertriebenentreffen geschickt hat mit der Formel "Verzicht ist Verrat, wer wollte das bestreiten..." wird einem die Dimension der Veränderungen zuungunsten des BdV mehr als deutlich.

BBl:
Wo sehen Sie die maßgeblichen Gründe für diese Entwicklung?

Rudi Pawelka: Fehlende Zielstrebigkeit war neben der gewandelten Einstellung der Öffentlichkeit aufgrund eines langen Erziehungsprozesses mit maßgeblich. In den Anfangsjahren nach der Vertreibung war es auch die Zersplitterung. Die Vertriebenen wandten sich den Parteien zu, denen sie auch in der alten Heimat angehangen hatten, wobei zunächst die meisten Spitzenvertreter der Vertriebenen in der SPD waren, zum Beispiel Wenzel Jaksch, Reinhold Rehs oder Herbert Hupka usw. Dann gab es ein paar katholische Politiker überwiegend aus Oberschlesien.

BBl: Sie denken an Herbert Czjaja oder auch Hans Lukascheck?

Rudi Pawelka: Ja und dann gab es auch noch die eigene Partei, den Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE), auch Kräfte in der FDP waren vertriebenenfreudlich und national, so zum Beispiel Erich Mende und in Nordrhein-Westfalen hatten wir die FDP-Gruppe Mader (Raczeks Breslau zu Bonn), Maas und Lange. Erst im Zuge der neuen Ostpolitik und nach den Ostverträgen hat sich die parteipolitische Orientierung der Vertriebenen auf die CDU/CSU verdichtet. Generell hat man den Fehler gemacht, möglichst viele Mandatsträger in unsere Verbände zu holen, um auf dem Umweg über die Parteien Vertriebeneninteressen durchzusetzen. Das war aber nur bedingt zielführend. Denn dort wurden sie eingebunden und waren auch vielfach nur dazu da, die Vertriebenen ruhigzustellen. Es gibt heute noch solche Mandatare. Italienische Vertriebene zum Beispiel, mit denen ich ja im übernationalen Verbund zusammenarbeite, haben das anders geregelt. Bei ihnen darf keiner, der im Verband eine Führungsfunktion hat, ein öffentliches Mandat einnehmen, auch nicht in der Kommune. Dadurch sind sie freier und werden mehr beachtet.

BBl: Wie würden Sie es heute anders machen?

Rudi Pawelka: Auf jeden Fall sollte kein hoher Funkionsträger der Vertriebenen mehr in eine Spitzenstellung, das heißt ein Mandat haben, von dem er dann abhängig ist. Es können selbstverständlich Persönlichkeiten aus dem Vertriebenenbereich Mandate besetzen, bloß dürfen sie dann im Verband nicht die entscheidende Rolle spielen. Das darf nicht miteinander gekoppelt sein, denn das war immer das Problem. Es gab nur wenige Beispiele, wo die parteipolitische Positionierung relativen Erfolg hatte, so der absolut integre CDU-Bundestagsabgeordnete Herbert Czaja. Aber von den meisten anderen konnte ich das so nicht mehr erkennen. Natürlich gab es Abstufungen, zum Beispiel Ottfried Hennig bei den Ostpreußen, ein totaler Wendehals, den haben die Ostpreußen dann auch aus der Spitze ihres Verbandes herausgenommen...

Noch ist Polen nicht verloren – die polnischen Studentenverbindungen 1816–2011
Von Bartłomiej Wróblewski

Wenig bekannt unter den Mitgliedern der Studentenverbindungen in deutschsprachigen Ländern ist die Tatsache, daß es überhaupt polnische Korporationen gibt. Polnische Studentenverbindungen haben eine reiche, fast 200 Jahre zurückreichende Tradition und sind nach 50-jähriger Unterbrechung seit Ende der 1980er Jahre wieder an den Hochschulen in Polen aktiv.

Die polnischen Korporationen sind den deutschen, insbesondere farbentragenden Verbindungen ähnlich. Das betrifft insbesondere die Organisationsstruktur, äußere Kennzeichen und die Gebräuche. Zwischen 1816 und 2010 existierten circa 240 polnische Korporationen. Ähnlich wie im deutschsprachigen Raum kann man auch in Polen von einer Vielfalt der Verbindungstraditionen sprechen. Trotzdem hat nie eine Scheidung in nationalbewußte Burschenschaften, konfessionell geprägte Verbindungen oder eher traditionelle Corps und Landsmannschaften stattgefunden. Dennoch traten die für alle Hauptzweige des deutschen Burschentums charakteristischen Merkmale im Laufe der Geschichte bei den polnischen Korporationen auf.

Die ersten polnischen Studentenverbindungen wurden an den Universitäten in den Staaten gegründet, die das Gebiet Polens im 18. Jahrhundert teilten (Preußen/Deutschland, Österreich, Rußland). Sie übernahmen die Organisationskultur und -struktur der deutschen Verbindungen, waren jedoch stark national und patriotisch geprägt. Als erste wurde die Burschenschaft Polonia im Jahre 1816 in Breslau (Wrocław) und eine Zwillingsverbindung Polonia 1818 in Berlin gegründet. Beide Polonias existierten kaum mehr als ein Dutzend Jahre, die Verfolgung Anfang der dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts bereitete ihnen ein endgültiges Ende. Weitere polnische Verbindungen wurden auf russischem Gebiet im Baltikum gegründet (heute: Estland und Lettland), wo an der Universität in Dorpat (Tartu) und an der Technischen Universität in Riga viele Polen immatrikuliert waren.

Die älteste war 1828 der Konvent Polonia in Dorpat, gefolgt von Arkonia (1879) und Welecja Riga (1883) sowie Lutycja Dorpat (1884). Außerhalb des Baltikums entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts die Verbindungen Sarmatia Petersburg (1908), Jagiellonia Wien (1910), Lechia Czernowitz (1910) und Wisła Danzig (Gdańsk) (1913)...