Heftarchiv der Burschenschaftlichen Blätter
Burschenschaftliche Blätter, Ausgabe 3/2008
Schwerpunktthema: Europa nach dem "Nein" der Iren
- Reinhard E. Bösch: Für ein Europa der freien Völker!
- Henry Nitzsche: Kapitulation vor der Europadiktatur
- Hans-Ulrich Kopp: Der „Vertrag von Lissabon“ – ein politisches Betrugsmanöver
- Harald Lönnecker: Der Frankfurter Wachensturm 1833 – 175 Jahre Aufstand für nationale Einheit und Freiheit
- Wolf Leinweber: Die Grazer Akademische Burschenschaft Cheruskia stellt sich vor
Für ein Europa der freien Völker!
von Dr. Reinhard E. Bösch (MdNR, Teutonia Wien)
Mit der Ablehnung des EU-Reformvertrages durch die Iren am 12. Juni 2008 verbinden viele Gegner der derzeitigen Organisation der Europäischen Union (EU) große Hoffnungen auf echte Reformen in der Europapolitik. Doch ist diese Hoffnung eher unrealistisch, lernte die EU-Nomenklatura auch nach der Ablehnung des EU-Verfassungsvertrages durch die Niederlande und Frankreich nicht dazu, sondern modifizierte das Vertragswerk marginal und nannte es einfach „Reformvertrag“. Auch nach dem Scheitern dieses „Reformvertrages“ wird den europäischen Gleichschaltungsstrategen in Brüssel etwas Neues einfallen, um das Votum der Iren zu umgehen.
Ist es demokratiepolitisch bereits höchst zweifelhaft, die europäischen Völker nicht über so essentielle Fragen, wie es eine de facto-Verfassungsänderung ist, abstimmen zu lassen, zeugt es von einem gehörigen Maß an Arroganz, jetzt den eingeschlagenen Weg weiterverfolgen zu wollen. Die „politische Klasse“ Europas bemüht sich seit der Volksabstimmung in Irland redlich, die Bedenken gegen den Vertrag von Lissabon auf ganzer Front zu bestätigen. Anstatt aus dem Votum der Iren – die übrigens das einzige Volk waren, das über den Reformvertrag abstimmen durfte – zu lernen und ernsthafte Lösungsansätze beziehungsweise echte Reformen anzustreben und damit die demokratische Entscheidung der Iren zu respektieren, kamen die EU-Technokraten nicht über politische Drohgebärden und Schimpfereien hinaus. Sogar eine ignorante Fortsetzung des Ratifizierungsprozesses – ohne Irland – wurde erwogen und würde die Volksabstimmung erst recht zur Farce degradieren. Anstatt auf die Ängste und Befürchtungen der Bürger in Europa einzugehen und die EU bürgernäher zu gestalten, bestätigen die EU-Granden die ihnen entgegengebrachten Vorurteile. Auch dazu haben die Iren – stellvertretend für uns alle – nein gesagt.
Europa vor der Europadiktatur
von Henry Nitzsche (MdB)
Um als Politiker erfolgreich zu sein, braucht man ganz bestimmte Charaktereigenschaften: Man muß immer bereit sein, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Man darf nie irgendwelchen Idealen anhaften und muß der lächerlichsten Idee Beifall spenden können, wenn sie von einem Parteioberen geäußert wird. Und vor allem darf man eines niemals: Im entscheidenden Moment die Wahrheit sagen und sich bei Abstimmungen am Willen des Volkes orientieren. Das hehre Prinzip, daß der Abgeordnete nur seinem Gewissen verpflichtet ist, spielt in der praktischen Politik keine Rolle und ist nicht mehr als eine hohle Phrase. Das Protokoll sieht ein in Fragestellen der politischen Entscheidungen, die in Deutschland auf nationaler Ebene trotz über 600 Abgeordneter lediglich von einer handvoll Politiker getroffen werden, nicht vor. Wie anders ist es zu erklären, daß im Bundestag die für Deutschlands Zukunft maßgeblichen Entscheidungen regelmäßig gegen den Mehrheitswillen des Volkes und gegen die nationalen Interessen getroffen werden? Und das nahezu unisono und über alle Fraktions- und Parteigrenzen hinweg. Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, klopft man sich nach getaner Arbeit so übertrieben auf die rückgratlosen Schultern und behauptet doch nur das beste für Deutschland zu wollen, bis auch der letzte Funken Anstand verloschen ist. Da wird die Beerdingung der D-Mark und die Einführung des Euros mit Sekt begossen, da bezeichnet der Bundesinnenminister die Ost-Erweiterung des Schengenraums und den Wegfall der Grenzkontrollen zu Polen und Tschechien als „Glückstag für Deutschland“ und da liegen sich Regierungs- und Oppositionsparteien vor Freude jauchzend in den Armen und begrüßen die Opferung der nationalen Souveränität auf dem Hochaltar der europäischen Gleichmachungsmaschinerie. Denn nichts anderes war die Verabschiedung des „Vertrags von Lissabon“ am 24. April dieses Jahres im Bundestag. Jene in beschönigender Weise als Reformvertrag bezeichnete neuerliche Kapitulationserklärung, die sich im Großen und Ganzen nicht von dem bei Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden gescheiterten EU-Verfassungsvertrag unterscheidet. Zwischen 80 bis 95 Prozent des Verfassungsvertrages sind darin enthalten.
Der "Vertrag von Lissabon" - ein politisches Betrugsmanöver
von Hans-Ulrich Kopp, M.A. (Danubia München)
Zahllose Nachrichten füllen die Journale, um über Belanglosigkeiten zu „informieren“; über den Vertrag von Lissabon informieren sie nicht. Und doch handelt es sich hierbei um ein Abkommen von epochaler Bedeutung. Dr. Dietrich Murswiek, Professor für Staats-, Verwaltungs- und Völkerrecht an der Universität Freiburg, konstatiert in seinem Rechtsgutachten: „Mit den Zuständigkeiten für die innere Sicherheit und die Strafverfolgung ist die Europäische Union mit ihren Kompetenzen in Kerngebiete der Staatlichkeit vorgedrungen. Die Europäische Union wird mit dem Vertrag von Lissabon Völkerrechtssubjekt. Ihre Zuständigkeiten erstrecken sich auf praktisch alle Gebiete der Politik und ermöglichen es der Europäischen Union, auch auf der völkerrechtlichen Ebene wie ein Staat zu agieren“, zu finden unter anderem auf www.peter-gauweiler.de.
Daß die sogenannte Öffentlichkeit – also der winzige Bruchteil der Bevölkerung, der das Privileg besitzt, gesehen und gehört zu werden –, aufgeregt über Krankenkassenbeiträge, Studiengebühren oder Pendlerpauschalen debattiert, während eine fundamentale Weichenstellung für unsere Nation kommentarlos hingenommen, wenn überhaupt zur Kenntnis genommen wird, wirft ein bezeichnendes Licht auf den Zustand einer Gesellschaft, die möglicherweise bereits als „postdemokratisch“ beschrieben werden muß.
Der „EU-Reformvertrag“ ist nichts anderes als die mit zusätzlichem Regelwerk aufgeblähte, weitgehend unleserliche, jedoch nach den Worten der Bundeskanzlerin zu 95 Prozent identische Version jener geplanten Verfassung, die nach Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden donnernd untergegangen war. Während altmodische Diktaturen sich noch der Mühe unterziehen mußten, ihre Untertanen mit Mitteln der geheimen Kabinettspolitik zu übertölpeln, ist es in der heutigen Eurokratie möglich, einen von den Völkern abgelehnten Plan leichterhand mit neuem Namen zu versehen und vor aller Augen zu exekutieren.
Der Frankfurter Wachensturm 1833 - 175 Jahre Aufstand für nationale Einheit und Freiheit
von Dr. Harald Lönnecker (Normannia Leipzig zu Marburg, Normannia Leipzig, Germania Kassel)
Die 1815 gegründete Burschenschaft war die Avantgarde der deutschen Nationalbewegung. Sie wurzelte in den Freiheitskriegen, stand unter dem Einfluß von Friedrich Ludwig Jahn, Ernst Moritz Arndt und Johann Gottlieb Fichte, war geprägt durch idealistische Volkstumslehre, christliche Erweckung und patriotische Freiheitsliebe. Diese antinapoleonische Nationalbewegung deutscher Studenten war politische Jugendbewegung – die erste in Europa – und die erste gesamtnationale Organisation des deutschen Bürgertums überhaupt, die 1817 mit dem Wartburgfest die erste gesamtdeutsche Feier ausrichtete und mit rund 3.000 Mitgliedern 1818/19 etwa ein Drittel der Studentenschaft des Deutschen Bundes umfaßte. Die zur nationalen Militanz neigende Burschenschaft, zu einem Gutteil hervorgegangen aus dem Lützowschen Freikorps, setzte ihr nationales Engagement in neue soziale Lebensformen um, die das Studentenleben von Grund auf reformierten. Aber nicht nur das: Die Studenten begriffen die Freiheitskriege gegen Napoleon als einen Zusammenhang von innerer Reform, innenpolitischem Freiheitsprogramm und Sieg über die Fremdherrschaft. Nationale Einheit und Freiheit wurden propagiert, Mannhaftigkeit und Kampfbereitschaft für das deutsche Vaterland. Dem Wartburgfest 1817, der Gründung der Allgemeinen deutschen Burschenschaft 1818 und der Ermordung August von Kotzebues durch den Jenaer Burschenschafter Karl Ludwig Sand folgten 1819 die Karlsbader Beschlüsse und die Unterdrückung der Burschenschaft. Sie wurde zu einer sich mehr und mehr radikalisierenden Bewegung an den deutschen Hochschulen, die bald mehr, bald weniger offiziell bestand.
Deutlichstes Zeichen dieser Radikalisierung auf Grund von unterschiedlichen Ansichten über die gesellschaftlichen und politischen Aufgaben der Burschenschaften war ab 1829 die Spaltung in „Germanen“ und „Arminen“: die „arministische Richtung“ lehnte jede aktive politische Betätigung und Einmischung ab. Die Hochschüler sollten vielmehr erst sittlich reifen, die Studienzeit sollte der Vorbereitung dienen, um später das politische Geschehen mit- und umgestalten zu können. Anders die „germanistische Parteiung“, die die aktive, möglicherweise auch gewaltsame Partizipation an politischen Prozessen in den Vordergrund stellte. Die Germanen obsiegten in zahlreichen Burschenschaften.
Die Grazer Akademische Burschenschaft Cheruskia stellt sich vor
von Mag. Wolf H. Leinweber
Die Grazer Akademische Burschenschaft Cheruskia wurde am 11. November 1890 in Sankt Georgen am Längsee gegründet, ihre Farben waren rot-weiß-gold mit violetter, schlapper Mütze. Zu Beginn kam es zu heftigen Anfeindungen durch andere Grazer Burschenschaften. Der Cheruskia wurde die Anerkennung auf dem Grazer Paukboden verweigert, wodurch die ersten Mensuren in Wien geschlagen werden mußten. Über die Burschenschaft Alemannia Wien kam es zum ersten Kontakt mit der Prager Burschenschaft Albia, mit der kurze Zeit später ein Verkehrsverhältnis abgeschlossen wurde. Da die Prager Burschenschaft Albia bereits ein Kartell mit der Burschenschaft Alemannia geschlossen hatte, wurde das weiß-goldene Kartell besiegelt, doch die 1908 gegründete Gemeinschaft wurde durch Unstimmigkeiten bereits 1912 wieder gelöst und es kam sogar zur Austragung von Hatzen zwischen den Bünden. Während des ersten Weltkrieges, der auch Opfer unter den Bundesbrüdern forderte, ruhte der Aktivbetrieb.
Nach dem Krieg beteiligten sich viele Cherusken am Kärntner Abwehrkampf. Die Streitigkeiten mit der Burschenschaft Alemannia wurden überwunden und das weiß-goldene Kartell wurde wieder eröffnet. 1938 löste sich die Burschenschaft Cheruskia im Grazer Landhaushof selbst auf, um der Eingliederung in den NS-Studentenbund zu entgehen. Nach dem zweiten Weltkrieg, in dem wieder viele Cherusken den Dienst mit der Waffe versahen, wurde die Cheruskia erst 1953 wieder eröffnet. Auch das Kartell hatte den Krieg heil überstanden. Cheruskia trat der "Deutschen Burschenschaft in Österreich" bei und von da an ging es steil bergauf. Aufgrund der rasanten personellen Aufwärtsentwicklung wurde das Haus in der Sackstraße 32 am Fuße des Schloßbergs mitten im Grazer Stadtzentrum erworben, welches auch noch heute den Aktiven als Heimat am Studienort dient. Der personelle „Höhenflug“ war aber nicht von allzu langer Dauer und so wurde 1967 mit der Burschenschaft Rhaetogermania fusioniert.

