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Heftarchiv der Burschenschaftlichen Blätter

Burschenschaftliche Blätter, Ausgabe 4/2007
Schwerpunktthema: Humboldt oder Bologna?

  • Heinrich Kern: Humboldt oder Bologna?
  • George Turner: Der Bologna-Prozeß
  • Dietmar Schmidt: Bachelor, Master, Elite – das Studium
    ändert sich
  • Fragen zur Studienreform
  • 190 Jahre Wartburgfest
  • Turmkommers in Linz/Donau
  • Peter Kaupp: Was ist des Deutschen Vaterland?
  • Wo bleibt das 2. Hambach?

Humboldt oder Bologna?
von Heinrich Kern (Baltia-Gotia Ilmenau-Köln zu Ilmenau)
Die Veränderungen in den Hochschulen, die unter dem Begriff „Bologna-Prozeß“ in das öffentliche Bewußtsein getreten sind, und deren Auswirkungen wir erst langsam zu spüren beginnen, sind nicht unbedingt positiv für die akademischen Verbindungen, aber müssen gerade deswegen von ihnen aktiv aufgenommen und offensiv begleitet werden: Das Reizwort heißt „Bologna“ – und jeder, der akademische Bildung ernst nimmt, muß sich fragen, wie sich die damit verbundenen, politisch motivierten Reformen – was übrigens in wörtlicher Übersetzung „verbessernde Umgestaltungen“ bedeutet – mit der universitas litterarum vertragen. In diesem Kontext ist immer wieder – vor allem von solchen Personen, bei denen es schwer fällt, ihre Kompetenz in diesem Feld zu erkennen – zu hören, Humboldt sei tot. Natürlich ist die Person tot – insofern haben sie recht, aber ist wirklich der Geist, die Idee, die mit diesem Namen verknüpft ist, tot oder wird hier – wie in Deutschland mittlerweile fast Standard – auf niedrigstem Niveau nur billigem Populismus gefrönt? Um dieses zu klären, will ich zunächst kurz auf Humboldt und das nach ihm benannte Bildungsideal eingehen.


Der Bologna-Prozeß

von George Turner (C! Frisia Göttingen)
I. Grundsätze Im Juni 1999 haben sich 31 europäische Staaten in der gemeinsamen Erklärung von Bologna unter dem Titel „Der gemeinsame europäische Hochschulraum“ verpflichtet, bis zum Jahr 2010 vergleichbare Studienabschlüsse in Europa zu schaffen. Die darauf folgenden Aktivitäten pflegt man als Bologna-Prozeß zu bezeichnen. Im Kern geht es bei der Reform um folgendes: 1. Einführung eines „gestuften“ Studiensystems mit den Abschlüssen Bachelor und Master. In einem auf drei Jahre angelegten Studium bis zum Bachelor soll „eine für den europäischen Arbeitsmarkt relevante Qualifikationsebene“ erreicht und die Grundlagen für das weiterführende Studium zum Master gelegt werden. 2. Die zu schaffenden vergleichbaren Abschlüsse sollen durch ein Diploma Supplement näher beschrieben werden. Das sind Zusätze zum Zeugnis mit der Erläuterung des Inhalts des Studiums und der Prüfungen. Dies ist allein deshalb nötig, weil die Abschlüsse Bachelor und Master sowohl an Universitäten als auch an Fachhochschulen möglich sein werden. 3. Einführung eines Leistungspunktesystems im Anschluß an die jeweiligen Lehrveranstaltungen (Credit points), u. a. um einen Studienortwechsel innerhalb Europas zu erleichtern.


Bachelor, Master, Elite – das Studium ändert sich

von Dietmar Schmidt (Sudetia München)
Bachelor und Master sind die neuen in Europa einheitlichen Studienabschlüsse, die in den nächsten Jahren an die Stelle von Diplom, Magister und längerfristig auch – zumindest teilweise – des Staatsexamens treten werden. Dazu kommt eine Änderung des Prüfungssystems. An die Stelle von Vordiplomprüfung bzw. Zwischenprüfung und Diplomprüfung bzw. Magisterprüfung treten studienbegleitende Prüfungen, für die man Punkte, sog. credit points bzw. jetzt heißt das ECTSpoints bekommt. Das Studium wird damit stärker strukturiert, man könnte auch sagen verschult.


Fragen zur Studienreform

von Arne Schrader (Thuringia Braunschweig 2000)
Lange wurde über die Auswirkungen der derzeit laufenden Studienreform (Einführung der Studiengänge Bachelor/Master in Kombination mit Studiengebühren) auf das Korporationswesen debattiert und das evtl. unnötige Über-Bord-Werfen des bewährten Humboldtschen Modells beklagt. Alle Dachverbände haben hierzu Diskussionsforen eingerichtet, respektive sich in ihren jeweiligen Verbandspublikationen mehr oder weniger intensiv damit beschäftigt. Nun ist seit dem Beginn dieser oft zutiefst akademisch ausgetragenen Debatte einige Zeit ins Land gegangen und die Aktiven vor Ort müssen, gleich welcher Couleur, meist selbst sehen, wie sie mit der Problematik umgehen. Diese wurde schlichtweg durch die gestraffte Organisation des Studiums virulent. Durch diese Straffung bleibt im Schnitt weniger Zeit als bisher, um den Ansprüchen, die Korporationen richtigerweise stellen, in Kombination mit einem


190 Jahre Wartburgfest

von Bernhard Schroeter
Einmal mehr hat Herr Vbr. Kniese (Arminia Hannover) mit Unterstützung seiner lieben Frau Gisela für einen Höhepunkt im burschenschaftlichen Leben gesorgt und die Feierlichkeiten zum 190. Jahrestag des Wartburgfestes am 20. Oktober 2007 ausgerichtet. Nach den Befreiungskriegen gegen die napoleonische Unterdrückung hatten die Deutschen seinerzeit vergeblich auf die von den Fürsten versprochene Schaffung der Reichseinheit und Gewährung einer Verfassung gehofft. Diese Hoffnungen waren durch den Wiener Kongreß zunächst zunichte gemacht worden. Anläßlich des 300. Jahrestages des Thesenanschlags von Martin Luther am 31. Oktober 1517, im Gedenken an die Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 und um die „Tugenden der Nation“ an der Universität vorzuleben, hatten deshalb die Jenaer Burschenschafter „alle braven deutschen Burschen“ nach Eisenach und die Wartburg eingeladen, um eine engere Verbindung zwischen den Studenten den deutschen Hochschulen zu erreichen. Dieses Wartburgfest sollte zu einem Schlüsselereignis deutscher Studenten- und Nationalgeschichte werden. In der Folge des Wartburgfestes einigte man sich auf die Gründung einer Allgemeinen Deutschen Burschenschaft und verfaßte die Grundsätze und Beschlüsse des 18. Oktobers 1817, mit denen demokratische Freiheitsrechte eingefordert wurden.


Turmkommers in Linz/Donau 168

„Jetzt sind die Burschenschafter in der Stadt!“, tönte es – wahrlich bedrohlich am 6. 10. 2007 im ORF 2. Trotz wochenlanger medialer Hetzkampagnen, trotz seitenlanger Unterschriftenlisten besorgter Künstler und anderer Intellektueller, trotz nächtlicher Sprüh- und Schmieraktionen am Anschlußturm, am „Stein des Anstoßes“ (Originalton ORF) mit den ebenso intelligenten wie originellen Alt-68-er Parolen, trotz intensiven Drucks von Presse, Politik und Kirche auf die Betreiber der Veranstaltungslokale war nur ein einziger eingeknickt – die Universität hatte das Symposion mit dem Titel: „Freiheit in der EU“ – wie bezeichnend – abgesagt.


Was ist des Deutschen Vaterland?

von Peter Kaupp (Arminia a.d.B. Jena)
Von den einen belächelt, von den anderen als politische Tagträumer oder unbelehrbare Revanchisten gescholten, gehörte die Burschenschaft in einer Zeit, als die Forderungen nach nationaler Einheit bis tief in das bürgerliche Lager zumindest als „nicht opportun“ gehalten wurde, zu den ganz wenigen Gruppierungen, die unbeirrbar an der Forderung nach einer deutschen Wiedervereinigung festhielten. Der Vorabend des 3. Oktobers, an dem wir der ersehnten deutschen Wiedervereinigung von 1990 gedenken, scheint mir deshalb durchaus angebracht, sich etwas näher mit der auch in unseren eigenen Reihen nicht unumstrittenen Frage „Was ist des Deutschen Vaterland?“ etwas näher zu befassen. Die seit der Fußballweltmeisterschaft eingeleitete Diskussion um einen geläuterten Patriotismus und die Bedeutung dieses Begriffs in dem leider seit 1991 noch anhaltenden burschenschaftsinternen Schisma scheinen mir weitere gute Gründe zu sein, uns hier und heute mit diesem Aspekt unseres Wahlspruches etwas näher zu befassen.


Wo bleibt das 2. Hambach?

von Gerhard Huber (Gothia Wien)
Die Burschenschaft hat im 19. Jahrhundert erfolgreich gegen Feudalismus und Absolutismus, für demokratische Bürgerrechte und Meinungsfreiheit gekämpft. Sie war damals nach heutiger Diktion eine „linke Organisation“. Wir sind stolz auf die Erfolge, etwa, daß wichtige Teile unserer Grundsätze in die Verfassungen der Bundesrepublik Deutschlands und Österreichs übernommen wurden. Eines unserer Symbole dafür ist das Hambacher Fest von 1832. Jean Ziegler, UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, schreibt in seinem Buch „Das Imperium der Schande“ (C. Bertelsmann, 2005): S. 29: „Heute haben sich neue Feudalsysteme herausgebildet, die unvergleichlich mächtiger, zynischer, brutaler und gerissener sind als die früheren, nämlich die transkontinentalen Privatgesellschaften der Industrie, des Bankwesens, des Dienstleistungssektors und des Handels. . . . (Sie) üben eine planetarische Macht aus.“ Und S. 53: „Um ihr Kapital maximal und in der kürzestmöglichen Zeit rentabel zu machen, sind die neuen Feudalherren weder auf die Staaten noch auf die UNO angewiesen. Die Welthandelsorganisation (WTO), die Europäische Union (EU) und der Internationale Währungsfond (IWF) genügen ihnen: Denn diese sind die willigen Ausführungsorgane ihrer Strategien.“