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Heftarchiv der Burschenschaftlichen Blätter

Burschenschaftliche Blätter, Ausgabe 3/2007
Schwerpunktthema: Gehen die Deutschen unter?

  • Otto Scrinzi: Der Mensch im Spiegel der Evolution
  • Theodor Schmidt-Kaler: Ein Volk verzichtet auf Weiter-Existieren
  • Robert Hepp: Der lautlose Niedergang
  • Volkmar Weiss: Ende in einer Katastrophe?
  • Herbert Vonach: Minderheit in der eigenen Heimat?
  • Hermann Adrian: Die systematische Ausbeutung der Familien
  • Burschen- und AH-Tag 2007
  • „Initiative akademische Freiheit“

Der Mensch im Spiegel der Evolution
von Otto Scrinzi (VDSt Innsbruck, VDSt Königsberg)
Wir treiben so im Gewohnten dahin, leitet der große deutsch-österreichische Dichter Josef Weinheber seine „Symphonia domestica“ ein. Ab und zu wird diese Symphonie gestört. Solche Aufstörung verursachte der Wiener Kardinal Christoph Schönborn, als er im Juli 2005 in einem Artikel der „New York Times“ mit der Theorie vom „intelligent design“ sich für die US-amerikanischen Glaubensbrüder in die Bresche schlug und alle Evolutionisten aufscheuchte. In Gottes eigenem Land sind seit längerem Gerichte damit befaßt, einen wissenschaftlich- theologischen Streit durch Urteil zu entscheiden: Darf, muß oder kann Darwins Evolutionstheorie in den öffentlichen Schulen unterrichtet werden? Man fühlte sich ganz in die sechziger und siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts versetzt, als nach der Veröffentlichung der Abstammungslehre des Menschen nach Charles Darwin 1869 das Unterhaus und die anglikanische Kirche gegen den Kopernikus der Biologie einen Kulturkampf eröffneten. Mit anderen Worten: der Kardinal hatte eine neue Runde im alten Streit zwischen Evolutionisten und Kreationisten eröffnet. Der Streit selber ist uralt und begleitet die Ideengeschichte der abendländischen Welt. Es geht um d i e Frage der Philosophie schlechthin, wie Immanuel Kant meinte: Was ist der Mensch? Um es vorwegzunehmen: die Evolutionstheorie kann diese Frage nicht beantworten. Darwin scheint uns aber die größte Annäherung an die Wirklichkeit unserer Existenz zu eröffnen und er steht damit im Widerspruch zu den vielen Schöpfungserzählungen, welche die menschliche Phantasie im Laufe des eigentlichen Humanisations- und Kulturationsprozesses erdichtet und erfunden hat. Da wir, wie der Titel ankündigt, von einem Menschenbild reden wollen, das sich auf naturwissenschaftliche Erkenntnisse, besonders die Ergebnisse biologischer Forschung beruft, können wir gar nicht in Gegensatz zu Ansichten geraten, welche sich auf unmittelbare Offenbarung beziehen, wie die der biblischen Genesis.


Ein Volk verzichtet auf Weiter-Existieren

von Theodor Schmidt-Kaler
Vor einigen Wochen kam ich in einer Herrenrunde neben den General a. D. Manfred Eisele zu sitzen. Wir kamen auf das Bevölkerungsproblem zu sprechen und ich merkte an, daß ich wohl als erster den einsetzenden Geburten-Kollaps festgestellt hätte: „Wann das wohl gewesen wäre?“ – „1970“ – „Na, dann sind Sie mir zuvorgekommen. Ich war 1971 als Hauptmann i. G. mit der Rekrutierung beauftragt und mußte feststellen, daß uns die Soldaten fehlen würden. Die Jahrgänge waren ja bereits geboren.“


Der lautlose Niedergang

von Robert Hepp
Bevölkerungsanalysen und Bevölkerungsprognosen haben in Deutschland Hochkonjunktur. Die Bevölkerungswissenschaft, die nach 1945 als vermeintliche „Naziwissenschaft“ einer kopflosen Entnazifizierung zum Opfer fiel und daher in den siebziger Jahren, als sie dringend benötigt worden wäre, nur noch in einem kleinen Verein alter Herren ein kümmerliches Schattendasein führte, erlebt nun, wo es für eine anständige Bewältigung der Probleme, die damals deutlich wurden, zu spät ist, eine unzeitige Blüte. Noch nie waren hierzulande so viele Lehrstühle, Institute, Vereinigungen und Arbeitskreise damit beschäftigt, die Bevölkerungsentwicklung zu observieren. Kein Schulhaus wird noch gebaut ohne eine demographische Expertise. Jeder größere Berufsverband leistet sich einen Hausdemographen, wie sich der Fürst einst einen Hofnarren hielt. Sogar die Forschungsabteilung der Deutschen Bank scheint sich in letzter Zeit mehr für demographische als für monetäre Bilanzen zu interessieren. Auf dem Büchermarkt prasselt ein Dauerregen demographischer Bestseller auf uns nieder, und im Internet löst eine bevölkerungspolitische Quasselrunde die andere ab. Die Wortführer der öffentlichen Debatten sind vor allem darum bemüht, die Deutschen von der Notwendigkeit zu überzeugen, sich den „Herausforderungen“ des „demographischen Wandels“, „der in Deutschland im Gang ist“, zu „stellen“ und dem unvermeidlichen Prozeß das Beste abzugewinnen. Eine Enquête- Kommission mit dem euphemistischen Titel „Demographischer Wandel“, die der Bundestag im Oktober 1992 eingesetzt hat und die im März 2002 endlich mit ihrem Schlußbericht niederkam, erfüllte alle Erwartungen, als sie ihre zehnjährigen Beratungen samt Anhörung eines Heers von Experten in der Ermahnung zusammenfaßte, der „demographische Wandel“ dürfe „nicht primär als Problem“, sondern müsse „als Gewinn gesehen werden“.


Endet der demographische Übergang in einer Katastrophe?

von Volkmar Weiss
Am Beginn unseres zur Industriegesellschaft führenden Zyklus, im 17. Jahrhundert, hatte die Erde etwa 400 Millionen Einwohner, um 1810 etwa 1 Milliarde, um 1930 zwei Milliarden. Da die Zeitspanne, in der sich die Einwohnerzahl der Erde verdoppelte, im vergangenen Jahrhundert immer kürzer wurde, haben wir jetzt rund 6,7 Milliarden Einwohner. Die Prognosen sagen für etwa 2040 eine maximale Erdbevölkerung von 9 bis 10 Milliarden voraus.
Um 1970 prognostizierte der „Club of Rome“, daß unsere Entwicklung, wenn sie so weitergeht, zu einer Katastrophe führen wird. Inzwischen gibt es zahlreiche Stimmen, die das „Große Chaos“, die weltumfassende Katastrophe, auf den Zeitraum 2030 bis 2050 fixieren. Der gegenwärtige Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise


Herbert Vonach: Minderheit in der eigenen Heimat?

von Herbert Vonach
Eine vor kurzem bekannt gewordene Studie des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden brachte unter dem Titel „Bevölkerung mit Migrationshintergrund – Ergebnisse des Mikrozensus 2005“ alarmierende Ergebnisse: In Deutschland leben heute etwa 15,3 Mill. Menschen mit „Migrationshintergrund“ (Ausländer, nach 1950 Eingebürgerte und deren Nachkommen), das sind etwa 19 % der Bevölkerung. Jeder zweite Einwohner mit Migrationshintergrund ist jünger als 34,2 Jahre, für die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund liegt dieses Medianalter bei 46,5 Jahren (Medianalter ist jenes Alter, das eine Gruppe von Personen altersmäßig in zwei gleich große Gruppen aufteilt; eine Hälfte ist jünger, die andere Hälfte der Gruppe ist älter als das Medianalter).


Hermann Adrian: Die systematische Ausbeutung der Familien

von Hermann Adrian
Dieser Aufsatz legt dar, daß Familien mit zwei und mehr Kindern seit 1970 in den Steuer- und Sozialsystemen systematisch ausgebeutet werden, was mit einer systematischen Beschenkung lebenslang kinderloser Menschen einhergeht. Menschen, die im Laufe ihres Lebens ein Kind aufziehen, werden heute näherungsweise gerecht behandelt.1 Die staatliche Beschenkung Kinderloser auf Kosten der Familien mit zwei oder mehr Kindern stellt einen riesigen ökonomischen Anreiz dar, kinderlos zu bleiben oder nur 1 Kind aufzuziehen. Sie ist damit ohne jeden Zweifel die entscheidende Ursache des nun seit 35 Jahren anhaltenden Geburtendefizits. Bei einer Geburtenrate von im Mittel 1,4 Kinder pro Frau fehlt seit 1970 ein Drittel der für die Ersetzung der Elterngeneration benötigten Kinderzahl (FE = 2,1 Kinder pro Frau)2, etwa 400.000 Kinder pro Jahr. Seit 1970 fehlen somit 14 Millionen junge Menschen, 7 Millionen zwischen 0 und 18 Jahren und 7 Millionen zwischen 18 und 35 Jahren. Seit 1997 beschleunigt sich der Geburtenrückgang dramatisch von 812.172 in 1997 auf 672.724 in 2006, weil seither die kleinen, nach 1970 geborenen Jahrgänge immer stärker in das reproduktive Altersegment (20 bis 40 Jahre) hineinwachsen.