Heftarchiv der Burschenschaftlichen Blätter
Burschenschaftliche Blätter, Ausgabe 2/2007
Schwerpunktthema: Das Deckengemälde im Burschenschaftsdenkmal
- Eberhard Schatz und Harald Lönnecker zum Deckengemälde im Burschenschaftsdenkmal
- Hans-Georg Balder: Künftige Ziele der Burschenschaft
- Gerhard Huber: Burschenschaft und Evolution
- Turmkommers in Linz/D.
- Dieter Stein: Presse- und Meinungsfreiheit
- Klaus Becker: Die Farben Schwarz-Rot-Gold
Von einer Bauruine zum Glanzpunkt in Eisenach
von Eberhard Schatz (Teutonia Aachen, ADB Cheruscia)
Die Rückübertragung des Burschenschaftsdenkmals am 12. 2. 1991 „aus Volkseigentum“ an den Burschenschaftsdenkmalverein, und damit an die Deutsche Burschenschaft, war ein positiver Meilenstein in der bewegten Geschichte des einzigartigen Symbols für die burschenschaftliche Bewegung, des Mahnmals für Einheit und Freiheit im deutschen Vaterland. Zuvor war es in zwei aufeinander folgenden Diktaturen seit 1936 dem stillen Vergessen, d. h. dem Verfall preisgegeben. Zudem hatten die Helfer des DDR-Regimes in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts das Innenensemble (Statuen, Gedenktafeln, Jugendstilfenster) mutwillig zerstört. Das 33 m hohe, aus Muschelkalk bestehende Burschenschaftsdenkmal, das ab 1900 nach den Plänen des in Eltville geborenen und später in Dresden lehrenden Architekten Wilhelm Kreis (1873-1955) erbaut und am 22. Mai 1902 feierlich eingeweiht wurde, war stark beschädigt und einsturzgefährdet. Das Innere des Denkmals war vollständig durchfeuchtet und glich einer Tropfsteinhöhle. Die Innenausstattung (Kuppelgemälde, Adlerpaare, Jugendstilfenster), die von dem aus dem Schwäbischen stammenden Otto Gussmann (1869-1926), der seit 1897 als Professor die Ornamentklasse der Königlichen Akademie für Bildende Künste in Dresden leitete, geschaffen wurde, war weitgehend zerstört und verrottet.
Das Deckengemälde im Burschenschaftsdenkmal
von Harald Lönnecker (Normannia Leipzig zu Marburg)
Die Zeitgenossen des endenden 19. Jahrhunderts erblickten ihr Ideal in der Verschmelzung von „Hellenentum“ und „Germanentum“, von Griechen- und Germanenmythos, von Wissen und Glaube. Auch dafür sollte das Burschenschaftsdenkmal Ausdruck sein. Einheitlichkeit und Logik standen für die Klassik, für ein seit Beginn des Jahrhunderts immer mehr hervortretendes Empfinden und Bildungsideal, das sich als in der Antike begründet begriff. Wucht und dunkler Ernst, aber auch das Phantasie- und Gemütvolle galten als deutsch. Dabei waren „deutsch“, „germanisch“ und „nordisch“ gleichgesetzt. Verantwortlich für diese Sicht war ein Germanenbild, wie es sich seit der Wiederentdeckung von Tacitus’ „Germania“ immer mehr verbreitete.
Künftige Ziele und Aufgaben der Burschenschaft
von Hans-Georg Balder (Frankonia Bonn)
Das Ziel der Burschenschaft ist das Wohl des Vaterlandes. Die Aufgabe der Burschenschaft ist, dem Wohl des Vaterlandes zu dienen.
Ich sehe förmlich, wie manchen Leser angesichts solcher Formulierungen das Entsetzen packt. Altertümliches Deutsch, das an Wurzelbürste und Graupensuppe erinnert! Europafeindlich und nationalistisch! Dienen, dazu noch dem Vaterland, verstößt gegen die Erfordernisse einer modernen, permissiven und vor allem multikulturellen Gesellschaft! – Wer so argumentiert, hat nichts verstanden.
Burschenschaft und Evolution
von Gerhard Huber (Gothia Wien)
Die Burschenschaft gibt es seit fast zwei Jahrhunderten. Ich habe mehr als ein Viertel davon miterlebt (seit 1953). In dieser Zeit hat sich die Welt stärker verändert, als je zuvor in viel längeren Zeiträumen. Jedes neue Mitglied wird nach der heutigen Lebenserwartung 60 Jahre lang Burschenschafter sein. Wie wird sich die Welt in dieser Zeitspanne verändern? Jedenfalls wird die wohl bedeutendste Veränderung in diese Zeit fallen, die Ablöse der fossilen und atomaren durch erneuerbare Energien. Das wird weltweit alle Bereiche der Gesellschaft massiv beeinflussen. Ich bin davon überzeugt, daß nichts auf der Welt langfristig Bestand hat, was nachhaltig gegen die Regeln der Evolution verstößt. Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz nannte das „das Wirkungsgefüge des Lebens“, der Evolutionsbiologe Rupert Riedl „die Strategie der Genesis“.
Der Linzer Burschenschafterturm
Unter dem Eindruck der zahlreichen Feldzüge Napoleons gegen Österreich entstand der Plan, Linz zu einer befestigten Stadt zur Verteidigung der Westgrenze der Monarchie auszubauen. Erzherzog Maximilian d´Este erbaute in den 20er und 30er Jahren des 19. Jahrhunderts die Linzer Donaufestung. Die Wehranlage wurde 1833 vollendet und bestand insgesamt aus 33 Festungstürmen, zwei Klausen an der Donau, vier Vorwerken und dem Fort Pöstlingberg; – davon sind heute nur noch neun Türme erhalten. Die Turmlinie der Anlage verlief auf Höhe der „Urfahrer Wände“ zwangsläufig über die Donau. Auf beiden Ufern mußte jeweils wieder der „Anschluß“ an diese Linie gefunden werden. Daraus resultieren die Begriffe „Anschlußmauer“ und „Anschlußturm“.
Bemerkungen zu Landau
von Jörg Frey (Brixia Innsbruck)
Gemäß einer Darstellung des Hambacher Festes in den offiziellen Protokollen der deutschen Bundesversammlung aus dem Jahre 1832 hat dieses Gremium „ mit tiefer Entrüstung vernehmen müssen, wie freventlich Übelwollende das Vertrauen der Behörden getäuscht hätten, wie in Reden, Liedern, Trinksprüchen und Flugschriften mit einem an Wahnsinn grenzenden Fanatismus zum Umsturze der bestehenden Landesverfassung und der jetzigen deutschen Bundesverhältnisse aufgefordert, die Majestät des (bayerischen) Königs angetastet, auswärtige Regierungen geschmäht und wie zum Hohne der bestehenden Staatsordnung die Abzeichen ungesetzlicher Verbrüderungen und die Symbole strafbarer Auflehnung (Kokarden von roter, schwarzer und gelber oder goldener Farbe) öffentlich zur Schau gestellt worden seien“.
Presse- und Meinungsfreiheit in Deutschland seit 1832
von Dieter Stein
Die Erfindung des modernen Buchdrucks bedeutete die Revolution des europäischen Geisteslebens. Es war die erste Medienrevolution. Deshalb bezeichnet Ende des 18. Jahrhunderts der französische Journalist Antoine de Rivarol auch „Die Druckerkunst als die Artillerie der Idee“. Die erste Probe auf ihre Sprengkraft beweist die Buchdruckkunst, als Martin Luther 1517 seine 95 Thesen veröffentlicht. Die wuchtigen Hammerschläge, mit denen er seine Forderungen an die Schloßkirche zu Wittenberg geschlagen haben soll: Sie wären nur ein paar Straßenecken weit zu hören gewesen. Doch die Thesen wurden gedruckt. Schnell und in bis dahin nicht gekannter Auflage. In Flugschriften und Büchern verbreiteten sich Luthers revolutionäre Schriften wie ein Lauffeuer im Reich: Bis 1520, nur in drei Jahren, waren bereits 81 Einzelschriften und Schriftsammlungen von ihm erschienen. Übersetzt in zahlreiche Sprachen und bis dahin alleine in insgesamt 653 Auflagen.
Zivilreligion bedroht Meinungsfreiheit
von Josef Schüßlburner
Die moderne Demokratie beruht im Unterschied zu allen Herrschaftsformen der Menschheitsgeschichte auf der Trennung von Religion/Ideologie und politischer Herrschaft (Staat). Nur durch das Prinzip der Nichtidentifikation kann der Staat „Heimstatt aller Bürger“, unabhängig von deren politischer oder religiöser Überzeugung, sein. Auf dieser Prämisse kann die Meinungsfreiheit gewährleistet werden, weshalb in der US-Verfassung dieses Grundrecht zwingend mit dem Verbot der Errichtung einer Staatskirche in Zusammenhang gebracht ist. Dieser Konzeption einer „westlichen Demokratie“ steht allerdings innerhalb der Demokratiebegründung die Annahme von Rousseau gegenüber, daß auch die Demokratie eine offizielle Religion benötigt, die er als „Zivilreligion“ bezeichnet und die auf wenigen, aber für alle verbindlichen Dogmen basieren soll. Gegner dieser staatlichen Dogmen oder Tabus sollen zumindest des Landes verwiesen werden, nicht aus religiösen Gründen, sondern weil sie sich den „Gesetzen“ und dem „Gemeinschaftsleben widersetzt“ haben. Es dürfte klar sein, daß eine derartige „Demokratie“, die mit der „Volksdemokratie“ im 20. Jahrhundert ihre extreme Ausprägung gefunden hat, Probleme mit der Meinungsfreiheit hat. Und dies, obwohl Meinungsfreiheit die Grundlage der Freiheit überhaupt darstellt und – wie das Bundesverfassungsgericht sagt – für die Demokratie „schlechthin konstituierend“ ist, da sich Demokratie seit der Antike unter Berufung auf die Freiheit legitimiert hat.
Meinungsfreiheit heute
von Gisa Pahl
„Ehre – Freiheit – Vaterland“ – das ist Ihr Wahlspruch der Deutschen Burschenschaft. Wie es mit diesen Werten heutzutage in unserem Lande aussieht, und wie Justiz und andere Behörden diese Werte beurteilen, möchte ich Ihnen im folgenden anhand von Gerichtsentscheidungen der letzten Jahre darstellen, – und ich kann jedes Wort durch das entsprechende Urteil belegen:
Die Farben Schwarz-Rot-Gold
von Klaus Becker (Germania Berlin)
Bereits in der ersten Fuxenstunde lernte ich die Farben meiner Burschenschaft Germania Berlin mit den Worten „Schwarz-Rot-Silber von unten“ zu bestimmen. Dies hat mich immer gewundert, und so wanderte ich im Mai 2003 mit zwei Bundesbrüdern – Hermann Joseph und Arno Krüger – die Saale abwärts, kam wieder im Sommer 2005 nach Jena und fand weitere interessante Spuren der deutschen Farben Schwarz-Rot-Gold. Zunächst empfing mich mein eigenes Thema vor dem Gasthaus „Grüne Tanne“ an der Saale auf diesem einfachen Hinweisschild: Dann fand ich in den Gasträumen zahlreiche Bilder aus den Zeiten der frühen Burschenschaft in Jena und im ersten Stockwerk im Chargenzimmer die Nachbildungen der alten schwarz-rot-goldenen Fahnen.

