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Heftarchiv der Burschenschaftlichen Blätter

BBL 1/2007

 

Burschenschaftliche Blätter, Ausgabe 1/2007
Schwerpunktthema: Mißstände gegenüber Burschenschaften


• Repressive Toleranz
• Unruhige Zeiten für Burschenschafter?
• Patrioten oder Verfassungsfeinde - Der Fall Danubia
• Der Mensurenstreit in Österreich
• Das Hambacher Fest 1832
• und weitere Aufsätze

Repressive Toleranz
von Klaus Motschmann
Als der chinesische Philosoph und Religionsstifter Konfuzius vor nunmehr 2500 Jahren von seinem gerade gekrönten jungen Kaiser gefragt wurde, was er tun müsse, um sein zerrüttetes Reich wieder aufzubauen, antwortete er kurz und bündig: Stelle die Bedeutung der Begriffe wieder her und dulde nicht, daß in den Worten irgendetwas in Unordnung ist. Konfuzius hat damit eine Grundregel menschlicher Daseinsgestaltung formuliert, die über die Jahrhunderte hinweg in allen Kulturkreisen sowohl in Theorie als auch in Praxis der Politik immer wieder bestätigt worden ist. Dies allerdings oft genug auch durch den Umkehrschluß. Wenn die Stabilität der institutionellen Ordnungen und Wertvorstellungen eines Volkes von der Ordnung der Begriffe abhängig ist und das ist sie! dann beginnt die Zerrüttung der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnungen durch die Unordnung der Sprache. Zu erinnern ist an die sprichwörtlich babylonische Sprachverwirrung. Sie nimmt den Menschen jede Möglichkeit selbständiger Orientierungen und macht ihn damit anfällig für alle möglichen ideologischen Verführungen.


Unruhige Zeiten für Burschenschafter?
Eine chronologie öffentlicher Vorfälle mit burschenschaftlichem Bezug

von Norbert Weidner
Es ist schon seltsam, was der unbeteiligte Betrachter in den vergangen Monaten über Burschenschaften so alles lesen mußte. Die öffentliche Berichterstattung über Ereignisse mit burschenschaftlichem Bezug war zumeist negativ, überzogen und zum Teil sogar gehässig. Wer die Tatsachen nicht kannte, mußte zum Schluß kommen, daß Burschenschaften Sammelbecken von Kriminellen, Abseitigen und Extremisten sind [...] Augenscheinlich jedoch ist, daß die Deutsche Burschenschaft und ihre Mitgliedsbünde vermehrt ins Visier von Linksextremisten und feindlich gesinnten Medien geraten. Dazu kommt, daß gerade bürgerliche Parteien oftmals keinen Mut mehr besitzen, um gegen ein öffentliches Kesseltreiben anzugehen. Selbst einzelne Stimmen von Verbandsbrüdern, sich von den betroffenen Bünden und/oder Verbandsbrüdern abzusetzen, zeigen, wie nötig Solidarität auch im Verband ist. Die Stigmatisierung kann jeden Bund und jeden Verbandsbruder treffen! Dessen sollten sich alle bewußt sein. Folgend eine Übersicht der einzelnen Ereignisse.


Danubia-Aktivitas nur ein Beispiel
von Hans-Helmuth Knütter
Die Geschichte der Burschenschaften in Deutschland ist über lange Jahrzehnte eine Geschichte der Verfolgungen [...] Worum geht es hier eigentlich? Was bezwecken wir mit diesem Bericht? Nun, gewiß keine folgenlose Klage, kein unzufriedenes Gegreine. Es geht um die Organisation des Widerstandes. Zu diesem Zweck vergegenwärtigen wir uns den Fall Danubia als eines von zahlreichen Beispielen. Bemerkenswert ist dieser Fall, weil hier anders als vor Jahrzehnten die Hetze gegen Rechts die Linken SPD, DGB, Grüne, Antifa und andere Linksextremisten gemeinsam mit der CSU, vertreten durch den bayerischen Innenminister Beckstein und seinen Verfassungsschutz, betrieben haben. Erinnern wir uns: Am 14. Juni 2001 gab das bayerische Staatsministerium des Innern eine Presseerklärung heraus: Minister Beckstein sei besorgt über verstärkte Bemühungen von Rechtsextremisten, in Burschenschaften und an Hochschulen Einfluß zu gewinnen. Hier wurden drei Burschenschaften, darunter die Danubia genannt. Auf diese Mitteilung hin setzte eine Medienhetze ein, die mit Fug und Recht als pogromartig bezeichnet werden kann. Es kam zu einer Demonstration vor dem Hause der Danubia, von den Grünen inszeniert. Die Verbindung mußte eine Bankkonten-Kündigung erleben, der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge lud sie von der Beteiligung an einer Kranzniederlegung anläßlich des Volkstrauertages aus, vor einer kommunalen Verwaltungsinstitution wurde ein Antrag auf Verbot der Danubia gestellt. Darüber hinaus richtete sich aber die Medienhetze gegen Verbindungen im allgemeinen.


Konkrete Fragen beantwortet Bayerns Innenminister Günther Beckstein nicht:
Patrioten oder Verfassungsfeinde - Der Fall Danubia
von Bernd Kallina
Seit nunmehr sechs Jahren führt das Bayerische Ministerium des Innern unter Leitung von Günther Beckstein die Aktivitas der renommierten Münchener Burschenschaft Danubia (gegründet 1848) als verfassungsfeindliche Organisation in ihren Berichten auf. Das zog vielerlei Ausgrenzungen und Verfolgungsmaßnahmen für die jungen Danuben nach sich. Das bislang prominenteste Opfer innerstaatlicher Feinderklärung heißt Sascha Jung. Der ehemalige stellvertretende Landesvorsitzende der Jungsozialisten von Sachsen Anfang der 90er Jahre konnte eine fest zugesagte Stelle als Wissenschaftlicher Assistent an der Juristischen Fakultät der Universität Bayreuth unter Hinweis auf seine aktive Danuben-Vergangenheit nicht antreten, weil das weiß-blaue Innenministerium gegen ihn intervenierte. Anlaß und Grund genug für Verbandsbruder Bernd Kallina, Alter Herr der Münchener Burschenschaft Danubia, in Form einer journalistischen Anfrage nach den genauen Hintergründen der Einstufung der Danuben-Aktivitas zu fragen.


Der Mensurenstreit in Österreich
von Wolfgang Caspart
Der Regierungswechsel und der Regierungseintritt der Sozialdemokraten zeichnen sich auch im einstmals seligen Österreich mit kulturkämpferischen Begleiterscheinungen aus. Am 16. November 2006 brachte der steirische SPÖ-Landtagsabgeordnete und sozialdemokratische Bereichssprecher Jugend, Johannes Schwarz, zusammen mit einigen anderen Genossen und Genossinnen einen Antrag im Steirischen Landtag ein: Schwarz und Genossen wollen im Namen des Steirischen Landtages die österreichische Bundesregierung auffordern, die österreichische Gesetzeslage so zu ändern, daß schlagende Verbindungen verboten werden können. Als Begründung führen die Genossen und Genossinnen dabei in Unkenntnis des grammatikalischen Plurals an, daß �diese diversen Vereinigungen oder deren Homepages die Jugend mit einem nicht mehr zeitgemäßen Menschenbild indoktriniert.�


"Wir pflanzen die Freiheit, das Vaterland auf!"
Das Hambacher Fest 1832
von Harald Lönnecker
Edgar Wolfrum hat in seiner 1999 erschienenen Habilitationsschrift über Geschichtspolitik in der Bundesrepublik Deutschland gezeigt, daß Geschichte als Waffe bzw. Geschichtspolitik als Kampfmittel gegen innere und äußere Feinde genutzt wird. Geschichte ist eine geeignete Mobilisierungsressource im politischen Kampf um Einfluß und Macht. Sie kann als Bindemittel dienen, um nationale, soziale oder andere Gruppen zu integrieren. Sie kann ausgrenzen, Gegner diffamieren und gleichzeitig das eigene Handeln legitimieren. Will man diese Mechanismen näher betrachten, so empfiehlt es sich, vielfältige Formen der Geschichtspräsentation zu untersuchen, die von der Präsentation von Mythen und Nationalhelden bis hin zur Sinnstiftung durch Museen und Denkmäler reichen. Sie schaffen Erinnerungslandschaften und Erinnerungslandschaften beeinflussen die Vorstellungen und Werte von Menschen. Eine solche Erinnerungslandschaft ist real und im symbolischen Sinne auch die Feste Hambach und das Hambacher Fest vom 27./28. Mai 1832.


200 Jahre technische Hochschulausbildung in Prag
von Christian Oppermann
Am 2.Dezember 2006 feierten Prager und auch Brünner Korporationen einen Festkommers in Regensburg, um an den Beginn technischer Hochschulausbildung in Prag im Jahre 1806, vor 200 Jahren, zu erinnern. Mit dem jetzigen Festkommers in Regensburg 200 Jahre technische Hochschulausbildung in Prag vollendeten sich nun die ersten Aktivitäten des früheren Ringes Prager Korporationen. Der Kommers stand unter der Leitung der Prager Burschenschaft Teutonia zu Regensburg, die auch die Organisation vor Ort innehatte, durch deren Sprecher Verbandsbruder Stefan Götzfried. Weiterhin chargierten die Burschenschaften Thessalia Prag zu Bayreuth, Suevia Brünn zu Regensburg, Libertas Brünn zu Aachen, die Wiener Akad. Burschenschaft Albia und die Alte Prager Landsmannschaft Böhmerwald zu Linz. Vertreter der Grazer Akad. Burschenschaft Arminia komplettierten das Schwarz-Rot-Goldene Kartell, darunter der extra aus Wien angereiste Vbr. Dr. Siegfried Artner (Leder Leoben, Arminia Graz). Von den Hochschullehrern der Regensburger Universität konnte Prof. Dr. phil. Günther Hauska (Öberösterreicher Germanen Wien) in der Corona begrüßt werden, wie auch zahlreiche Vertreter der Prager Burschenschaften Arminia und Thessalia. Keinesfallswar der Kommers eine "buxige" Veranstaltung (so wurde im Vorfeld auf einer Gästebucheintragung bei tramizu im internet kurzzeitig polemisiert/ offenbar bis der "webmaster" einschritt). Die ehemals in Prag und Brünn ansässigen Verbindungen aller Korporationsverbände waren eingeladen. Die seinerzeit mit Abstand größte Prager Korporation, die Prager Universitäts-Sängerschaft Barden zu München, kam mit mehreren Vertretern wie auch die Alte Prager Landsmannschaft Böhmerwald zu Linz. Auch ein Mitglied des Corps Hassia Darmstadt wie auch des Corps Thuringia Jena erlebten die denkwürdigen Stunden dieses Kommerses.


Ideenwerkstatt Normannia-Nibelungen
Von EU-Verfassung und verschenkter Souveränität
von Michael Niederjohann
Hoheitsrechte sind unveräußerlich und können nicht verwirkt werden eine Übertragung ist nichtig. Großen Beifall erntete der Jurist und Leitende Senatsrat a.D. Dr. Werner Mäder für seine den Staatsphilosophen Hobbes und Bodin entlehnte Kritik an der Übertragung von Hoheitsrechten an die EU durch ihre Mitgliedsstaaten. Am Wochenende vom 17. bis zum 19. November 2006 wurde auf dem Haus der Bielefelder Burschenschaft Normannia-Nibelungen die �II. Bielefelder Ideenwerkstatt veranstaltet. Unter dem Leitsatz (Ver)fassungslos: Welchen Weg geht die EU? beleuchteten fünf Referenten den europäischen Einigungsprozeß aus unterschiedlichen Blickwinkeln.


Thuringia Braunschweig in Südwest
von Hasko Meyer
Dezember 2006 35°C Junge Männer arbeiten auf einem Friedhof mit Vorschlaghämmern und Spitzhacken, setzen neue Grabrahmen, entfernen Unkraut und werden von der schwarzen Bevölkerung mit ungläubigen Blicken bei der Pflege von deutschen Soldatengräbern beäugt. Sieben Aktive der Braunschweiger Burschenschaft Thuringia waren Ende 2006 auf Einladung eines AH sowie dessen Frau und mit deren Unterstützung für vier Wochen in Südwestafrika auf Fahrt. Diese Fahrt sollte von Beginn an in der Tradition bisher durchgeführter Grenzlandfahrten der Aktiven nach Ostpreußen, Schlesien, Süd-Tirol und Flandern stehen. Ein Auftrag war, zusammen mit dem begleitenden AH und dessen Frau, persönlich die Spenden des Vereins Hilfskomitee Südliches Afrika e.V., aufgestockt durch eine großzügige Zuwendung eines engagierten, älteren Verbandsbruders, bei den vier deutschen Privatschulen, der Meerdorfer Musikschule und anderen Einrichtungen zu überreichen.


190 Jahre Breslauer Burschenschaft
von Andreas Schumaker
Wenn man in Korporationskreisen den Namen "Raczeks" fallen läßt, wird unser Bund zumeist sofort mit Ferdinand Lassalle assoziiert. Daß eine Burschenschaft wie die Raczeks sich nicht nur auf ihre sozialrevolutionären Wurzeln reduzieren läßt, zeigt allein die Tatsache, daß die Raczeks im Geschäftsjahr 2006/2007 Vorsitzende der Burschenschaftlichen Gemeinschaft sind und heute eher weniger in den Verdacht geraten könnten, in der Nähe der Sozialdemokratie positioniert zu sein (abgesehen davon, daß die SPD ja derzeit keine BG-Burschenschafter in ihren Reihen duldet). Unseren Verbandsbrüdern dagegen ist vor allem der Chargenwichs, der der Uniform des Lützowschen Freikorps nachempfunden ist, bekannt. Aber woher stammt diese Anlehnung an Lützow?


125 Jahre VAB Berlin
von Sebastian Prinz
Im Januar 2007 feierte die Vereinigung Alter Burschenschafter zu Berlin mit einem Festkommers mit fast 200 Teilnehmern ihr 125jähriges Bestehen. Am 18. Januar 1882 war die Vereinigung Alter Burschenschafter zu Berlin mit einem Reichsgründungskommers erstmals in die Öffentlichkeit getreten. Alle Berliner Burschenschaften mit Aktivitas und alle Burschenschaften, die aus Berliner Bünden hervorgegangen sind, waren mit Chargenabordnungen vertreten. Unter den Gästen waren als Vertreter der Vorsitzenden Burschenschaft der Deutschen Burschenschaft Vbr. Herwig Nachtmann (Innsbrucker Akademische Burschenschaft Brixia) und der Vorsitzende der Neuen Deutschen Burschenschaft, Dr. Wolfgang von Wiese (Hannoversche Burschenschaft Teutonia). Die Festrede hielt Prof. Dr. Heinrich Kern (Burschenschaft Baltia-Gotia Ilmenau), ehemaliger Rektor der Technischen Universität Ilmenau.