Heftarchiv der Burschenschaftlichen Blätter
Palms Hinrichtung und das Ende des Ersten Reiches
von Hans-Ulrich Kopp
Auf Initiative von Burschenschaftern in Niederbayern und im oberösterreichischen Innviertel und dem Dachverband der fünfzehn oberösterreichischen national-freiheitlichen Pennalkorporationen fand am 26. August in Braunau am Inn bzw. im bayerischen Simbach ein Gedenken an den Nürnberger Buchhändler Johann Philipp Palm statt, der vor zweihundert Jahren, just am gleichen Tag, durch napoleonische Truppen in Braunau hingerichtet wurde. Palm wurde für die Herausgabe der Schrift Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung, dessen eigentlichen Verfasser Palm nicht preisgab, zum Tode verurteilt. Neben Kranzniederlegungen bei der Palm-Kapelle in Simbach und an der Hinrichtungsstätte sowie am Palm-Denkmal im Palm-Park in Braunau stieg am Abend im Bürgerhaus in Simbach der Gedenkkommers.
Die Immanuel-Kant-Universität zu Königsberg
von Werner Kuich
Die 1544 gegründete Albertus-Universität zu Königsberg ist, beginnend mit den Terrorangriffen der britischen Luftwaffe im August 1944 und den russischen Schlußangriffen auf die Festung Königsberg im April 1945, in ihren Gebäuden größtenteils zerstört worden. Damit und mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung endete die traditionsreiche 400-jährige Geschichte der Albertus-Universität, an der so bedeutende Gelehrte wie Kant, Bessel (Astronomie und Mathematik), Helmholtz (Physik und Physiologie), Hilbert (Mathematik), Neumann (Physik) und Lorenz (Verhaltensforschung und Philosophie) gewirkt haben.
Totenehre - Totenruhe!
Walter Nowotny - ein Waldviertler Jagdflieger!
von Johann Herzog
Der in Krems geborene Walter Nowotny war zu seiner Zeit das Fliegeraß schlechthin. Gemeinsam mit Mölders, Hartmann, Marseille, Gollob, Rall und vielen anderen war Nowotny einer jener Piloten, die den Ruf der deutschen Luftwaffe als Ritter der Lüfte begründeten. Seine Heimat und Landsleute hat er nicht nur mit höchstem Heldenmut selbstlos verteidigt, sondern war auch Vorbild für viele Soldaten seiner Zeit.
Nürnberg 1946 - Beginn eines neuen Völkerrechts?
von Hans Merkel
Deutschland vor 60 Jahren: Das Land war eine Trümmerwüste, planmäßig herbeigeführt durch die angelsächsischen Luftangriffe auf die Wohnviertel der deutschen Zivilbevölkerung, das deutsche Volk war politisch entmündigt, die vier Besatzungsmächte herrschten auf Grund des scheinbaren Rechtstitels der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht unumschränkt. In der Nacht zum 16. Oktober 1946 setzten die Sieger in Nürnberg den Schlußpunkt unter Adolf Hitlers Reichsregierung, indem sie kurz nach Mitternacht zehn der wichtigsten Repräsentanten des nationalsozialistischen Systems durch den amerikanischen Henker John C. Woods hinrichten ließen. Vorangegangen war dem makaberen Spektakel ein rund ein Jahr dauernder, mit Bedacht in Nürnberg als der ehemaligen Stadt der Reichsparteitage durchgeführter Prozeß vor dem sogenannten Internationalen Militärtribunal (IMT), in dem zweiundzwanzig NS-Obere als sogenannte Hauptkriegsverbrecher angeklagt waren und der mit zwölf Verurteilungen zum Tod durch den Strang, sieben Verurteilungen zu Freiheitsstrafen und drei Freisprüchen geendet hatte.
CIA-Auftrag an hohen UNO-Beamten: "Infiltrieren Sie die deutschen Republikaner!"
Prof. Alfred de Zayas im Gespräch mit Bernd Kallina
De Zayas: In der Tat gab es zwei Anwerbungsversuche in diese Richtung. Erstmals 1987 und dann noch einmal im Jahre 1989. Ich sollte die sich damals im Aufwind befindliche Partei der deutschen Republikaner unter Franz Schönhuber im Auftrag der CIA infiltrieren und über die deutschen Vertriebenenverbände berichten.
Ferdinand Lassalle-Kreis gegründet
"Unwissenheit führt zu Vorurteilen"
von Bernd Kallina
Stein des Anstoßes zur Gründung eines Arbeitskreises Sozialdemokratischer Korporierter AKSK Lassalle-Kreis war ein Antrag des SPD-Unterbezirks Göttingen auf dem SPD-Bundesparteitag in Karlsruhe vom November 2005. Göttinger Juso-Genossen wollten durch diesen Antrag erreichen, daß die gleichzeitige Mitgliedschaft in der SPD und in einer studentischen Verbindung unvereinbar sei. Das war für Verbandsbruder Peter Gelbach und inzwischen 50 weitere korporierte SPD-Mitglieder zuviel an politischer Fehlentwicklung und am 22. Juli 2006 schlug dann die Stunde der AKSK-Gründung. Bewußt wählte man seitens der AKSK-Initiatoren den Namen Lassalle, um programmatisch an eine hervorragende deutsche Politiker-Persönlichkeit zu erinnern, die sowohl Mitglied einer Studentenverbindung (Breslauer Burschenschaft der Raczeks) als auch einer der Begründer der deutschen Sozialdemokratie im 19. Jahrhundert war. Daß es zwischen Teilen der deutschen Sozialdemokratie und Studentenverbindungen zu einer Entfremdung gekommen ist, basiert hauptsächlich darauf, so Peter Gelbach im Interview mit den Burschenschaftlichen Blättern, daß linke Kritiker eigentlich gar nicht wissen, was Korporationen sind.
Stuttgarter Initiative
Strategiekonzept für die Deutsche Burschenschaft
von Bernhard Schroeter
Auf Anregung der Stuttgarter Burschenschaft Hilaritas haben sich Stuttgarter Burschenschafter und Angehörige der VAB Stuttgart getroffen, um in einer Stuttgarter Initiative ein Strategiekonzept für die Deutsche Burschenschaft zu entwickeln. Damit soll ein Prozeß der geistigen Auseinandersetzung über die Lage, Zielsetzung und Weiterentwicklung der Deutschen Burschenschaft insgesamt wie auch der einzelnen Mitgliedsbünde angestoßen werden. Geringe Eintrittszahlen in die aktiven Bünde, fehlende positive Außenwirkung in der Öffentlichkeit, selbstzufriedene Passivität im Inneren lähmen den Einsatz für die Durchsetzung übergeordneter burschenschaftlicher Grundsätze und Ziele. Dadurch wird die Existenz der Deutschen Burschenschaft nachhaltig bedroht. Aber auch die Überalterung der Altherrenschaften wirkt sich nachteilig auf die Erhaltung der Burschenschaft aus.
Landesverteidigung in beiden deutschen Staaten
von Thomas Feigl und Volker Leinweber
Im Zuge ihres 120. Stiftungsfestes richtete die Grazer akad. B! Cheruskia auf der Karl-Franzens-Universität ein Symposium zum Thema 175. Todesjahr von Gneisenau und Clausewitz 50 Jahre Wehrpflicht in der Bundesrepublik Deutschland und in Österreich aus. Als Vortragende waren Generalmajor Wilhelm Figl (Moldavia Wien und Germania Graz), Brigadegeneral Reinhard Günzel und General Wilhelm Lachnit (Cheruskia Graz) geladen. Vor großteils korporiertem Publikum referierte der österreichische Generalmajor Figl in wortgewandter Weise über zukünftige Verteidigungskonzepte bei Bedrohungsszenarien. Er versuchte, einen Vergleich der Situation der Europäischen Union und der Vereinigten Staaten herzustellen. Die EU stehe vor notwendigen Reformen und daher sei ein sicher notwendiges, zukünftiges Verteidigungskonzept schwer vorherzusagen. Voraussetzung wäre eine Zusammenarbeit aller Kleinstaaten. Die militärische Stärke müsse sich ausgewogen aus militärischer Hardpower und Softpower zusammensetzen. Hardpower stehe dabei für die tatsächliche militärische Macht, also das Vermögen, militärische Gewalt auszuüben. Mit Softpower sei das nicht rein militärisch begründete Vermögen, die eigenen Interessen durchzusetzen, gemeint. In der jetzigen Situation verfüge die Europäische Union nur über Softpower. Im krassen Gegensatz basiert die Macht der USA auf Hardpower, was sie oft genug in schwierige Situationen bringt. Die zukünftige militärische Entwicklung in der EU müsse jedenfalls ein ausgewogenes Mittelmaß der beiden Strategien zur Grundlage haben, so Figl.
Hajo Herrmann am Brixenhaus
Georg Watschinger
Eine ganz besondere Veranstaltung fand am 20.10.2006 am Haus der Burschenschaft Brixia statt: Oberst a. D. Dr. Hajo Herrmann war in Innsbruck zu Gast, um aus seinem Leben im und rund um den Luftkampf im Zweiten Weltkrieg zu erzählen. Zu Recht kann gesagt werden, daß Herrmann als Träger des Ritterkreuzes zum Eisernen Kreuz mit Eichenlaub und Schwertern und aufgrund seiner militärischen Vergangenheit nicht irgendein Zeitzeuge des Krieges ist, sondern eine herausragende Persönlichkeit darstellt.
Straßburger Burschenschaft Arminia zu Tübingen
Der lange Weg von Straßburg nach Tübingen
von Hartmut Dehm
1872 wurde die Straßburger Universität wiederbegründet und zog viele Studierende aus den übrigen deutschen Gebieten an, um an dieser Universität mit renommierten Professoren zu studieren. Gleichlaufend entstand ein buntes Korporationsleben. So wurde die Burschenschaft Arminia relativ spät als Reformburschenschaft im ADB im Januar 1886 im Anschluß an den Reichgründungskommers am 16.1. 1886 im Traditionslokal Zur Dicken Marie (heute Au Pigeon) in der Nähe des Münsters gegründet (rue des tonneliers / Küfergasse 11). Der Gründungstag der Arminia wurde auf den 18.1.1886 gelegt. Als Farben trugen die ersten Arminen ein schwarz-rotes Band mit breiter goldener Einfassung und eine schwarze Samtmütze. Treffpunkt waren die Studentenbuden der Bundesbrüder und die lokalen Kneipen. Jedoch wurde bald eine Wohnetage in der Dielengasse 14/1 angemietet, die dann zentraler Treffpunkt für die Aktiven war. Ein besonders gutes Verhältnis bestand von Anfang an mit der 1883 gegründeten Tübinger ADB-Burschenschaft Teutonia, die 1903 nach Suspension mit der Arminia fusionierte. Das treue Freundschaftsverhältnis war damit besiegelt, hervorragende Teutonen stärkten Arminia und ein Bezug zu Tübingen war geschaffen.
Zweiter Paukärztekongreß der Deutschen Burschenschaft
von Christoph Blum
Am Samstag, den 11. November 2006, fand in Mainz der 2. Paukärztekongreß der Deutschen Burschenschaft mit Beteiligung aller schlagenden Dachverbände statt. In Anlehnung an den im Frühjahr 2005 stattgefunden Kongreß für Mensurärzte sollte neben der Versorgung von Mensurverletzungen auch über die Aufgaben und Anforderungen der Paukärzte und zukünftiger Paukarztgenerationen gesprochen werden. Des weiteren standen die rechtlichen und versicherungstechnischen Fragen rund um die Mensur, die Mensurverletzungen und die paukärztliche Tätigkeit im Mittelpunkt.
110 Jahre VAB Lübeck
Ernst Titus Block
Einen besonderen Höhepunkt in unserem Veranstaltungskalender 2006 stellte das 110. Stiftungsfest dar. Der Kommers am 2. Oktober 2006 im Admiralszimmer des Lübecker Ratskellers wurde von über vierzig Personen besucht, etwa zwei Drittel waren auswärtige Gäste, zumeist Verbandsbrüder, aber auch der CC, der CV, die VAS zu Lübeck und der VDSt waren vertreten. Am nächsten Tag 3. Oktober waren sechzehn Damen und Herren aus unserem Kreis beim Gottesdienst und dem darauf folgenden gemeinsamen Essen in Lassahn am Schaalsee, unmittelbar an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Pastor Helms berichtete uns nach dem Gottesdienst einiges aus der Geschichte und dem Leben seiner Gemeinde. Wer dabei war, wird diese Begegnung nicht missen wollen. Ein schöner Ausklang war ein kleiner Spaziergang mit anschließendem Besuch des kleinen Kaffeestübchens in Salem bei Ratzeburg. Erinnert sei daran, daß die VAB Lübeck mit ca. fünfzig Damen und Herren in der Lassahner Gemeinde am 3. Oktober 1990 die Wiedervereinigung begangen hatte. Der damalige Gottesdienst mit der anschließenden Totenehrung und Nationalhymne bewegte die Herzen. Deshalb kam die VAB Lübeck nun schon zum dritten Mal an einem 3. Oktober nach Lassahn.
Korporiertenstammtisch Porteña
Los Gauchos de Buenos Aires
von Helge Weyland
Monatlich einmal trifft sich unser Korporierten-Stammtisch der Vereinigung deutscher Verbindungsstudenten in Argentinien. Dieses Jahr hatten wir mehrmals die Freude, Besucher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz begrüßen zu dürfen. Wir hoffen, daß es im kommenden Jahr weiterhin geschieht. Unser Stammtisch besteht zur Zeit aus 21 Mitgliedern des WSC, KSC, KDSTV, KSCV und Burschenschaft.
Burschenschafter im österreichischen Nationalrat
Bei den Wahlen zum österreichischen Nationalrat am 1. Oktober 2006 sind drei Burschenschafter auf der Liste der Freiheitlichen Partei (FPÖ) gewählt worden. Es sind dies die nachstehenden Verbandsbrüder.
Reinhard Bösch, Jg. 1957,Oberstleutnant d. R. des Österreichischen Bundesheeres, verheiratet, zwei Söhne, Historiker, Bibliothekar, Vors. der Fraktion der Freiheitlichen im Bundesrat 1998-1999, Abgeordneter zum Nationalrat seit 1999, Klubobmann-Stv. des freiheitlichen Parlamentsklubs von 2002-2006. Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Vbr. Bösch ist Mitglied der Wiener akad. Burschenschaft Teutonia.
Lutz Weinzinger, Jg. 1943, Oberst des Milizstandes, Bataillonskommandant des österreichischen Bundesheeres, verheiratet, ein Sohn, Steuerberater, 1991-2003 Abgeordneter zum oberösterreichischen Landtag, 2002-2003 Klubobmann der FPÖ-Fraktion, Funktionen im Österreichischen Pennälerring und Österreichischen Turnerbund, Goldenes Verdienstabzeichen des Landes Oberösterreich, Großes Verdienstabzeichen des Österreichischen Bundesheeres. Vbr. Weinzinger ist Mitglied der Wiener akad. Burschenschaft Bruna Sudetia.
Dr. Martin Graf, Jg. 1960, Grundwehrdienst, verheiratet, drei Kinder, Rechtsanwaltanwärter, von 2003-2006 Alleingeschäftsführer des Austrian Research Centers GmbH ARC Seibersdorf, dem größten außeruniversitären Forschungsunternehmen Österreichs, 1994-2002 Abgeordneter zum Nationalrat, Bereichsprecher für Minderheitenfragen, Menschenrechte, Technologiepolitik, Wirtschaftssprecher der FPÖ, Vorsitzender im kürzlich eingesetzten Banken-Untersuchungsausschuß des Nationalrates. Vbr. Graf ist Mitglied der Wiener akad. Burschenschaft Olympia.
Lehrveranstaltung über die Urburschenschaft an der Universität Mainz
von Walter Egeler
Im vergangenen Wintersemester 2005/2006 fand an der Johannes Gutenberg Universität Mainz eine Lehrveranstaltung mit dem Titel Urburschenschaftlicher und nationaler Gedanke im 19. und 20. Jahrhundert statt. Dozentin war Frau Dr. Helma Brunck, die den Lesern der Burschenschaftlichen Blätter bekannt mit der Arbeit Die Deutsche Burschenschaft in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus promovierte und zwischenzeitlich ihre Habilitationsarbeit mit dem Thema Bismarck und das Preußische Staatsministerium 1862 1890 eingereicht hat. Die Lehrveranstaltung wurde als Übung durchgeführt. Nach einer Einführung durch Frau Brunck hatten die Hörer die Aufgabe, in Referaten und Hausarbeiten zeitgenössische Quellen vorzustellen und sie ideologiekritisch zu interpretieren.
Jung-Bismarck wieder auf dem Sockel
Wolfgang Gäbler
Der 1. April d. J. war in der Tat ein bedeutender Tag für die korporationsstudentische Denkmalslandschaft. Gleich zwei Denkmäler sind damit verbunden. So wurde an diesem Tage der Startschuß für die Wiederherstellung des künstlerisch sehr wertvollen Deckengemäldes im Burschenschaftsdenkmal gegeben. Beim zweiten Denkmal handelt es sich um die Bismarck-Figur des KSCV an der Rudelsburg. In Bad Kösen, im Süden von Sachsen-Anhalt, haben die Corps gleich vier herausragende Denkmäler ihres Verbandes. Sie liegen sozusagen im Vorhof der allseits bekannten Rudelsburg. Es sind bzw. waren dies ein beeindruckendes Gefallenenehrenmal (Löwendenkmal, 1926 erbaut) für die Gefallenen der Kösener im 1. Weltkrieg, ein großer Obelisk (1890), der an den Besuch von Kaiser Wilhelm I. erinnert, eine Gefallenensäule (1872) für den deutsch-französischen Krieg und das Jung-Bismarck-Denkmal (1895).

