Heftarchiv der Burschenschaftlichen Blätter
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| Burschenschaftliche Blätter, Ausgabe 2/2006
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Der 20. Juli 1944 ein Seminar der Deutschen Burschenschaft
von Henning Roeder (Alemannia Stuttgart 1958)
Der Burschentag 2005 hat nach vorausgehenden Diskussionen beschlossen, zum Themenkomplex 20. Juli 1944 ein Seminar zu veranstalten. Grund dafür war, daß das schwierige und sehr sensible Thema nur schwerlich in einer Debatte im großen Plenum eines Burschentages so behandelt werden kann, daß die Fakten von den emotionalen Gehalten getrennt gehalten werden können. Der Verbandsobmann für Schulungs-, Publikations- und Netzarbeit, Vbr. Norbert Weidner, hat es in dankenswerter Weise übernommen, das Seminar für den 17. bis 19. Februar 2006 vorzubereiten und zu leiten. Die Referenten waren teils Burschenschafter, teils Externe. Einige Referate gaben Überblick, andere machten an konkreten Beispielen die Problematik und den Gewissenskonflikt deutlich, in dem sich damals einzelne Personen, oft über zermürbend lange Zeiträume, befanden. Zu dem freiwilligen Seminar fanden sich in Eisenach rund 60 Teilnehmer, Aktive und Alte Herren, zusammen, die spezifisches Interesse an der Thematik hatten.
Umfeld und Selbstverständnis der militärischen Führung
von Mark Kleinschek (Alemannia Stuttgart 1997)
In den ersten Nachkriegsjahren spielte die Aufarbeitung des Widerstands keine wesentliche Rolle für die Historiker. Ihre Form der Auseinandersetzung mit den Geschehnissen des Dritten Reiches beschränkte sich nur allzu oft auf die Verteuflung der Person Hitlers und einer Schuldigsprechung des deutschen Volkes. Ein Kapitel der deutschen Geschichte wurde dabei besonders stiefmütterlich behandelt, der Widerstand. Zunächst galt es unter den Experten als selbstverständlich, daß die Deutschen geschlossen hinter Hitler standen. Erst später begann man diesem Sachverhalt mehr Bedeutung beizumessen. Hierbei erkannte man dann auch schnell die Vielzahl der einzelnen Widerstandsgruppen, die sich durch alle Schichten und Klassen zogen. In kurzer Zeit wurden Namen wie die Weiße Rose, die Scholl-Geschwister oder der Kreisauer Kreis Inbegriffe des Widerstandes.
Hermann Kaiser und Karl Sack - Zwei Burschenschafter im engeren Kreis des Widerstands
von Peter Kaupp (Arminia auf dem Burgkeller Jena)
Um es gleich und deutlich den folgenden Ausführungen voranzustellen: es geht hier nicht darum, die Deutsche Burschenschaft als den wohl politischsten Korporationsverband, vom Vorwurf, sich früh und nachhaltig für den Nationalsozialismus begeistert zu haben, reinzuwaschen und in den Widerstand zu integrieren. Es geht auch nicht darum, jede unbedachte Kritik einzelner, vor allem junger Bundesbrüder am Nationalsozialismus oder an Hitlers Kriegsführung für den Widerstand zu vereinnahmen obwohl die unerbittliche Härte (bis hin zu Todesurteilen, wie sie etwa meinen Bundesbruder Paul Oswald traf), mit der die Justiz damals darauf reagierte, für den nationalsozialistischen Unrechtsstaat symptomatisch war. Wenn Jenaer Burschenschafter eine Hitlerbüste demolierten und in die Saale warfen oder Heidelberger Corpsstudenten in einer Gastwirtschaft laut darüber nachdachten, wie der Führer wohl Spargel ißt, kann man das kaum dem Widerstand zuordnen, wenngleich derartiger studentischer Unfug den Machthabern einen willkommenen Anlaß mehr zu einer massiven Kampagne gegen die verrohten feudalen Korporationen bot, die schließlich das Ende der Korporationen einleitete.
Patrioten zwischen Reich und Menschenrecht
von Hans Merkel (Arminia-Rhenania München)
Die möglichen Antworten auf die Frage, wie wir den 20. Juli 1944 zu sehen hätten, sind in einer Zeit der faktischen Beschränkung des Grundrechts auf freie Meinungsäußerung durchaus bösartiger Mißdeutung ausgesetzt. Ich werde trotzdem offen und ohne Falsch mit Ihnen sprechen. Jeder meiner Zuhörer soll wissen, wie er mit mir dran ist. Reden und dabei nichts sagen ist zwar auch in akademischen Kreisen weit verbreitet sozusagen in Nachahmung vieler unserer Politiker , ziemt sich indes nicht für einen Burschenschafter.
20. Juli 1944: Spannungsfeld zwischen Pflichterfüllung und Gewissen
von Jörg Frey (Brixia Innsbruck)
Ziel meiner nachfolgenden Ausführungen ist nicht eine umfassende und detaillierte Schilderung der Vorgeschichte und des Ablaufs des 20. Juli 1944. Vielmehr möchte ich jene Kriterien aufzählen und beschreiben, welche bei einer Beurteilung dieses Ereignisses berücksichtigt werden müssen, wobei ich mich bemühen werde, den mir gestellten Auftrag sowohl unbelastet von Umerziehung und politischer Korrektheit als auch ohne revisionistische Scheuklappen zu erfüllen. Der 20. Juli 1944 ereignete sich in einer extremen Ausnahmesituation, welche auch Ausnahmemaßnahmen verlangte, deren Beurteilung jedoch ex tunc und nicht ex nunc zu erfolgen hat.
Kriegsziel Niederlage! - Die dunkle Seite des Widerstandes gegen Hitler
von Hans Meiser
Unter Historikern herrscht heute Einigkeit, daß die Weimarer Republik nicht an Hitler, sondern an der Unfähigkeit der demokratischen Politiker zugrunde gegangen ist. Sie hatte so abgewirtschaftet, daß niemand, auch nicht die Widerständler, sich nach ihr zurücksehnten. Hatten sich 1933 noch weniger als 50 % der Wähler für Hitler entschieden, so änderte sich das angesichts der erfolgreichen Wirtschafts-, Sozial- und Bildungspolitik. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte das Regime über 80 bis 90 % des Volkes für sich gewonnen. Die übrigen waren Deutsche, die keineswegs mit der Diktatur einverstanden waren und nach Mitteln und Wegen suchten, das NS-System zu überwinden. Die meisten davon waren echte Patrioten, wenn man von Kommunisten absieht, die ihr Vaterland in der Sowjetunion sahen. Sie alle lehnten Hitler kategorisch ab, forderten aber merkwürdigerweise von den Alliierten, daß nach einem Putsch die Grenzen des Großdeutschen Raumes, die Hitler mit dem Anschluß Österreichs, des Sudetengebietes und des Memellandes erreicht hatte, selbstverständlich erhalten bleiben. Einige forderten sogar noch die Rückgabe der Kolonien, Elsaß-Lothringens, Südtirols und des polnischen Korridors, worauf sogar Hitler verzichtet hatte.
Podiumsdiskussion zum Themenkomplex 20. Juli 1944
von Norbert Weidner (Raczeks Breslau, Carolina Prag)
Seit dem Burschentag 2004 gibt es innerverbandliche Diskussionen, wie man den 20. Juli 1944 aus Sicht der Deutschen Burschenschaft zu bewerten habe. Anlaß war das von der damaligen Vorsitzenden Burschenschaft, der Alten Rostocker Burschenschaft Obotritia gewählte Motto Dem deutschen Widerstand 20. Juli 1944 [...] In den Referaten, aber auch in den Diskussionen kristallisierte sich der Konflikt um die richtige Gewissensentscheidung heraus. Was ist höher zu bewerten: Das mutige Aufbäumen gegen das Regime oder der Kampf um das Reich, gegen den Bolschewismus und gegen die bedingungslose Kapitulation? Angesichts der Tatsache, daß es schier unmöglich ist, sich in die damaligen Gewissenskonflikte und die damit einhergehenden moralischen Entscheidungen hineinzuversetzen, darf nicht vergessen werden, daß über 40.000 Burschenschafter sich für den Kampf um das Reich und den soldatischen Eid entschieden haben. Ziel sollte daher sein, daß die Deutsche Burschenschaft in ihrer Vielschichtigkeit begriffen wird und daß das Andenken an alle Burschenschafter gewahrt bleibt, die in jener Zeit aufgrund unterschiedlicher Gewissensentscheidungen der Auffassung waren, ihre Pflicht als Burschenschafter zu erfüllen.
Der Gebirgskrieg in Tirol 1915-1918
Das letzte Aufgebot wie 1809
von Helmut Golowitsch
Im letzten Jahr jährt sich zum 90. Male der Kriegseintritt Italiens in den Ersten Weltkrieg. Der Südtiroler Schützenbund nahm dieses Jubiläum zum Anlaß, zusammen mit dem Heimatpflegeverband und dem Alpenverein Südtirol eine hervorragende Wanderausstellung Der Erste Weltkrieg 1914 bis 1918 Die Tiroler Front 1915 bis 1918 in Toblach, Neustift, Lana und Bozen zu zeigen. In dieser von mehr als 10.000 vorwiegend jungen Südtirolern besuchten Ausstellung wurde auch die politische Vorgeschichte dargestellt.

