Heftarchiv der Burschenschaftlichen Blätter
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| Burschenschaftliche Blätter, Ausgabe 1/2006
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Herrlich blüh das deutsche Reich! - Der Korporierte Heinrich Heine
von Kurt Bertrams (Jagd-Corps Rheno-Guestphalia Essen)
In vielen Biographien der neueren Zeit wird Heines Zeit als Mitglied studentischer Korporationen totgeschwiegen. Auch im Düsseldorfer Heinrich-Heine-Institut, das in seinen Ausstellungsräumen vom Schreibtisch des Onkels bis zum Grabstein der Mutter so ungefähr alles ausbreitet, was auch nur im entferntesten mit Heine zu tun hat, findet sich kein Hinweis auf diesen immerhin sechsjährigen, wichtigen Abschnitt seines Lebens. Was ist der Grund für diese omertà, fürchtet man etwa um Heines Vereinnahmung als Linker? Dabei nimmt Heine selbst in seinen Werken immer wieder auf diesen Lebensabschnitt Bezug. Ein ganzes Kapitel (Caput X) seines Versepos Deutschland. Ein Wintermärchen widmet er seiner Göttinger Korporation Guestphalia.
Rußlands Insel im Meer der EU: Boomtown Kaliningrad
von Henning von Löwis of Menar
Das Datum hatte man mit Bedacht gewählt: 28. Dezember. Am 28. Dezember 1920 war zum ersten Mal ein Passagierflugzeug von Königsberg in die Reichshauptstadt Berlin geflogen. Auf den Tag genau 85 Jahre später wurde die historische Flugroute wieder aufgenommen. Seit dem 28. Dezember 2005 sind Königsberg und Berlin wieder durch eine Fluglinie miteinander verbunden. Die Distanz zwischen Pregelmetropole und deutscher Hauptstadt beträgt nur noch 60 Flugminuten. Wer mittags um 13.00 Uhr in Tegel abhebt, der landet pünktlich um 15.00 Uhr in Kaliningrad bzw. auf dem Flughafen Chrabrowo (Powunden) im Samland. Das russische Königsberg ist Deutschland zumindest was die Uhrzeit angeht eine Stunde voraus. Und auch sonst braucht sich Kaliningrad nicht mehr zu verstecken. Die Albtrauminsel im europäischen Meer so die Süddeutsche Zeitung 2001 ist zu einer Boomtown mutiert mit all den Attributen, die zu einer modernen Metropole in Europa gehören: Boutiquen, Supermärkten, Diskotheken, Restaurants und einer enormen Verkehrsdichte.
Rußland, EU, Königsberg und Ukraine ein lösbares Problem
Euroregion als Tor zu neuer Politik im Problemgebiet Königsberg
von Bernhard Knapstein (Germania Leipzig)
Während Königsberg sich auf den 60. Jahrestag der Umbenennung der Stadt in Kaliningrad mit der Gestaltung eines Siegesplatzes neben der neuen orthodoxen Kathedrale vorbereitet, reisten Außenminister Steinmeier und Polens Staatspräsident Kaczynski zu Gesprächen mit Ukraines Präsident Juschtschenko nach Kiew. Während Deutschlands Vertreter freundschaftliche Beziehungen pflegte, erklärte Kaczynski offen, er wünsche sich die Ukraine als EU-Mitglied. Königsberg und die Ukraine. Zwei vermeintlich unabhängige Problemzonen im russischen Einflußgebiet am östlichen Rand der Europäischen Union, die möglicherweise aber doch die beiden Ausleger einer geopolitischen Waage sind. Moskau ist hier empfindlich. Es wird sich aber auf die EU einlassen müssen.
Kaliningrad oder Königsberg?
Von der schwierigen Diskussion um eine Rückbenennung
von Norbert Weidner (Raczeks Bonn, Carolina Prag)
Königsberg 1945: Am 10. April kapitulierte der deutsche General Lasch mit 30.000 Soldaten vor der Roten Armee, nachdem der für Flüchtlinge freigekämpfte Korridor zu dem 50 Kilometer entfernten ostpreußischen Seehafen Pillau, von den Sowjets zurückerobert und die Festung Königsberg endgültig niedergerungen war. Über 418.000 Flüchtlinge konnten von Pillau aus über See gerettet werden. Für die über 700 Jahre alte deutsche Metropole Königsberg begann damit eine neue und entbehrungsreiche Zeit.
Partnerschaft statt Chauvinismus
Die deutsch-polnischen Beziehungen im südlichen Ostpreußen
von René Nehring (Gothia Berlin)
Mehr als 60 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, nach Flucht und Vertreibung hat sich das Bild vom historischen deutschen Osten in unserem Lande deutlich gewandelt. Nachdem in den neunziger Jahren Klaus Bednarz mit seinen Ostpreußen-Dokumentationen einen ungeahnten Publikumserfolg erzielt hatte, folgte eine ganze Welle von Berichten über die Regionen hinter Oder und Neiße, die immer wieder Millionen verzauberten. Das meiste Interesse zogen dabei Ostund Westpreußen auf sich, die Region zwischen Weichsel und Memel, von der Marienburg bis Königsberg, Heimat vieler Denker und Dichter wie Nikolaus Kopernikus, Immanuel Kant, Arthur Schopenhauer, Hannah Arendt, E.T.A. Hoffmann, Siegfried Lenz, Günter Grass und viele andere.
Ex-Chef des Militärischen Abschirmdienstes MAD der Bundeswehr:
Lernt wieder, Euer Land zu lieben!
General Gerd-Helmut Komossa im Gespräch mit Bernd Kallina (Danubia München 1973)
Gerd-Helmut Komossa: Generalstabsoffizier der deutschen Bundeswehr und Publizist, Direktor des Forschungszentrums für Friedenssicherung und Lehrbeauftragter an der Universität Würzburg, Jahrgang 1924, in Allenstein/Ostpreußen geboren. Kriegsfreiwilliger an der Ostfront von 1943 1945, Leutnant, Kriegsauszeichnungen: EK I, EK II, Sturmabzeichen, Nahkampfspange in Silber; sowjetische Kriegsgefangenschaft von 1945 1949. Eintritt in die Bundeswehr 1956. Verwendungen als Batteriechef, Bataillons-, Brigade- und Divisionskommandeur, zuletzt Generalmajor und Befehlshaber des Territorialkommandos Süd in Mannheim. Dazwischen Verwendung als Stabsoffizier für nukleare Planung im NATO-Hauptquartier CENTAG, Abteilungskommandeur für Funktions- und Sonderlehrgänge sowie Beauftragter des Inspekteurs des Heeres an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg, Adjutant des Generalinspekteurs der Bundeswehr bei General de Maiziere und Admiral Zimmermann sowie Chef des Militärischen Abschirmdienstes (MAD). Ausgezeichnet mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold, zweimal Auszeichnung mit dem Offizierkreuz der Legion of Merit durch den Präsidenten der USA; als einziger Nichtamerikaner Ehrenmitglied des Veteran Corps of Artillery/State of New York. Nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst u. a. Gründungsmitglied der Gesellschaft für die Einheit Deutschlands, seit 1989 deren Präsident. Herausgeber und Chefredakteur/Autor der Zeitschrift Forum Deutsche Einheit.
Korporationsleben an der Albertina
von Kurt Ulrich Bertrams (Jagd-Corps Rheno-Guestphalia Essen)
Akademische Studentenverbindungen in Ostpreußen das bedeutet immer Verbindungen an der Albertina, denn andere Universitäten gab es in dieser preußischen Provinz keine. Erste Ansätze für eine Universität im Lande des Deutschritterordens weisen in das Jahr 1387, als der Hochmeister Konrad Zollner von Rotenstein in Culm eine von Papst Urban VI. mit den Privilegien der Universität von Bologna ausgestattete Hochschule ins Leben rief, die sich allerdings nur kurze Zeit hielt. Erst die Einführung der Reformation und die damit verbundene Säkularisation des Ordensstaates gab den Wissenschaften in Preußen eine dauernde Heimstätte.
Burschenschaft und SPD nach dem Unvereinbarkeitsbeschluß
von David Milleker (Normannia Heidelberg) und Björn Loeser (Marchia Bonn)
Die Auseinandersetzung um eine mögliche Unvereinbarkeit zwischen der Mitgliedschaft in der SPD und einer Studentenverbindung droht zu einer unendlichen Geschichte zu werden. Im November 2005 beschließt der SPD-Parteitag in Karlsruhe die Prüfung einer solchen und bezieht sich dabei auf alle größeren Korporationsverbände. Am 16. Januar 2006 lehnt der Parteivorstand in Mainz eine generelle Unvereinbarkeit ab und besteht auf Einzelfallprüfungen. Am 27. März bringen einige Jusos die Sache erneut auf die Tagesordnung des Parteivorstandes, und es wird ein Beschluß zur generellen Unvereinbarkeit mit Mitgliedsbünden der Burschenschaftlichen Gemeinschaft beschlossen. Eine endgültige Entscheidung soll nun der Parteirat am 24. April dieses Jahres treffen.
Die Welt attackiert Burschenschaften
Ränkespiel nach Schönbohm-Auftritt beim Königsberg-Kommers
Von Ralf Loock (Obotritia Rostock)
Schwere Anschuldigungen erhebt Die Welt gegen die Hamburger Burschenschaften. Die Hamburger Ausgabe der Welt meldete im Mai 2005, daß die Sicherheitsbehörden sieben Burschenschaften in der Hansestadt als rechtsradikal einstufen. Die Tageszeitung veröffentlichte diese Behauptung knapp drei Wochen nach dem Auftritt von Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) beim Königsberg- Kommers des Hamburger Waffenringes. Wollte die Zeitung damit den CDU-Politiker beschädigen? Hamburgs Innensenator Udo Nagel, er ist auch Chef des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz, dementierte auf Anfrage des Verfassers den Welt-Bericht. Auch in anderen linken und linksextremen Publikationen wurden wiederholt Vorwürfe gegen die elbstädtischen Korporationen vorgetragen. Dabei berufen sich die Kritiker auch auf Erkenntnisse, die man ihnen nach ihren Angaben aus dem Landesamt für Verfassungsschutz zugetragen hatte. Spielen also womöglich einzelne Mitarbeiter des Landesamtes ein doppeltes Spiel: Stuft man in der jahrzehntelang sozialdemokratisch geprägten Stadtverwaltung Schönbohm und die Burschenschaft vielleicht doch als rechtsradikal ein und hat daher an der eigenen Amtsleitung vorbei der Welt diese Meldung zugespielt?
175 Jahre Universität Hannover
von Alexander Bayaumy (Germania Hannover)
Eine kleine Geschichte der Universität mit Ausblick auf den Festkommers zu Ehren des Jubiläums. In diesem Jahr begeht die Universität Hannover ihr 175-jähriges Bestehen mit einer Festwoche im Mai. Die hannoverschen Korporationen, die sich seit über 150 Jahren fest mit der Hochschule verbunden fühlen, ehren sie mit einem großen Festkommers am 6. Mai 2006 im prächtigen Kuppelsaal des Congress Centrums Hannover. Da die Universität jedoch nicht zu den bekanntesten Lehranstalten des Landes gehört, erscheint es notwendig, ihre Geschichte dem geneigten Leserkreis etwas näher zu bringen.
Was heißt heute Patriotismus?
Prof. Peter Brandt als Vortragender am Berliner Gothenhaus
von Sebastian Prinz (Raczeks Bonn, Gothia Berlin)
Am 13. Dezember 2005 referierte Prof. Dr. Peter Brandt zum genannten Thema vor einem bis zum letzten Platz gefüllten Saal des Gothenhauses, was nicht zuletzt an den derzeitigen Entwicklungen innerhalb der SPD liegen dürfte. Der Sohn des früheren Bundeskanzlers lehrt neuere deutsche und europäische Geschichte an der Fernuniversität Hagen. Zu Beginn des Vortrages stellte er klar, daß er die Frage nach dem heutigen Patriotismus nicht mit einer Fanfare beantworten, sondern er sich vielmehr reflektierend dem Problem nähern wolle. Im 18. Jahrhundert sei der Patriotismus nicht als reine Vaterlandsliebe zu verstehen gewesen. Er enthielt auch einen Wunsch nach Veränderung, denn Patrioten erwarteten Fortschritt. Durch die für viele Menschen unerwartete Staatsbildung Deutschlands wandelte sich die regionale Verbundenheit zu den Einzelstaaten hin zu einem nur deutschen, dem Hurra-Patriotismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Teilung Deutschlands hielt die SED vorerst an einer Wiedervereinigung fest, allerdings auf sozialistischer Grundlage. Dies änderte sich durch die Etablierung einer westdeutschen Regierung, was alle Hoffnungen im Keim erstickte. Man entwickelte nun ein neues Deutschlandbild, dies mit Hilfe der Theorie der zwei Nationenbildung. Auf der einen Seite der Realsozialismus, auf der anderen ein an der westlichen Welt orientierter Kapitalismus. Anders in Westdeutschland. Hier wurde die Einheit nie bestritten. Dennoch konnte man von einer gefühlsmäßigen Abkehr von der Wiedervereinigung sprechen.
Offener Brief zum Marx-Relief am Uni-Campus Leipzig
Leipziger Burschenschaft Germania
An den Studentenrat der Universität Leipzig! Die Leipziger Burschenschaft Germania begrüßt die Initiative des Leipziger Studentenrats bezüglich der Ehrung und Wahrung des Ansehens deutscher Verbindungsstudenten. In erfreulicher Weise hebt sich der StuRa damit von den Teilen der Leipziger Studentenschaft ab, die in feindseliger, teilweise gewalttätiger Weise ihre Anschauungen von Freiheit und Toleranz v. a. gegenüber den Leipziger Burschenschaften durchzusetzen suchen. Vor diesem Hintergrund scheint es sehr löblich, daß sich der StuRa so sehr für den Erhalt des Karl-Marx-Reliefs an einem exponierten Standort in die Brust geworfen hat. An Stelle von Karl Marx, selbst Verbindungsstudent (Landsmannschaft der Trierer zu Bonn), der viel und wohl auch gern auf dem studentischen Mensurboden stand und dessen Wohnung zeit seines Lebens Band, Schläger und Mütze zierten, empfehlen wir dennoch, eher anderen Leipziger Korporierten wie Robert Schumann, Karl von Hase, Karl-Friedrich Biedermann, Ferdinand Götz, Robert Blum usw. (alle Leipziger Burschenschaft) entsprechende Denkmäler an unserer alma mater zu errichten.
Ideenwerkstatt Normannia-Nibelungen:
Freiwirtschaft, Globalisierung und Verschwörungstheorien
Christoph Amendt (Normannia-Nibelungen Bielefeld)
Zweifel an Erfolg und Berechtigung unserer Wirtschaftsordnung sind Arm in Arm mit dem Anstieg der Arbeitslosigkeit seit einiger Zeit wieder salonfähig. Selbstverständlich werden dabei nur die üblichen Argumente von weltweiter Gleichheit und Gerechtigkeit durch wohlhabende Gewerkschafter und Parteigrößen aus der Mottenkiste geholt, während Gegenpositionen im Sinne nationalstaatlichen Denkens ungelenk gestreift oder angeekelt abgelehnt werden. Überflüssig zu erwähnen, daß sich öffentliche Diskussionen zu diesem Thema den üblichen Regeln politischer Korrektheit unterwerfen. Einen anderen Weg ist die Bielefelder Burschenschaft Normannia-Nibelungen gegangen. Dort wurde vom 25. bis 27. November 2005 die Erste Bielefelder Ideenwerkstatt aus der Taufe gehoben: Der unbestechliche Blick für Tatsachen hatte hier Vorrang vor Denkverboten oder ideologischen Scheuklappen. Hochkarätige Referenten erarbeiteten mit den etwa dreißig Gästen auf dem Haus der Burschenschaft neue Wege in die Zukunft.

