Heftarchiv der Burschenschaftlichen Blätter
Das Deutsche Reich und der Beginn des Ersten Weltkriegs
- Vom Schlieffen-Plan zur Schlacht bei Langemarck -
von Eberhard Birk
Nachdem im Sommer 2004 die beiden militärhistorischen Höhepunkte "Landung in der Normandie" und "Militärischer Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime" mit dem 20. Juli 1944 Gegenstand historisch-politisch aufgeladener Erinnerungsarbeit waren, begann im August, rechtzeitig zur 90. Wiederkehr des Kriegsbeginns im August 1914, der Reigen filmerisch-dramatisch aufgeladener Dokumentationen. Das Militärgeschichtliche Forschungsamt (MGFA) der Bundeswehr in Potsdam trat bereits im Mai des Jahres hervor, als der Erste Weltkrieg, vornehmlich mit seinem Ost-Schauplatz, zum Thema der Internationalen Tagung für Militärgeschichte auserkoren wurde. Auch das Deutsche Museum in Berlin wartete mit einer Ausstellung zum Ersten Weltkrieg auf. Mit modernsten museumsdidaktischen Methoden soll nun die vom US-Diplomaten George F. Kennan einst so bezeichnete �Ur-Katastrophe� des 20. Jahrhunderts der Bevölkerung nahegebracht werden.
"Pflanzt die Säulen des Reichs in die Verwesung der Welt!"
- Zur Geschichte und Konzeption des deutschen Soldatenfriedhofs Langemarck-Nord -
von Rainer Ludwig
Gegen Ende des Ersten Weltkrieges gab es im Ortsbereich von Langemarck insgesamt 15 kleinere deutsche Soldatenfriedhöfe. Die im Jahre 1932 zum �Studentenfriedhof� ausgebaute Ehrenstätte entwickelte sich aus einer kleinen Gräbergruppe des Jahres 1915 mit der Bezeichnung "Langemarck-Nord". Während des Krieges wurde der Friedhof durch die Zubettung weiterer Gefallener vergrößert und erhielt nach 1918 von den Belgiern die Kennzeichnung "Nr. 123". Langemarck-Nord gehörte zu den Grabanlagen, die nach dem Willen der belgischen Regierung zu einem Sammelfriedhof ausgebaut wurden, was in den Jahren 1919 und 1920 zu einer weiteren Vergrößerung der Anlage führte. Weitere Zubettungen erfolgten im Jahre 1927 durch den Amtlichen Deutschen Gräberdienst.
Anmerkungen zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Langemarck-Topos
von Rainer Ludwig
Im Jahre 2001 erschien der dritte Band des von Etienne François und Hagen Schulze herausgegebenen Werkes �Deutsche Erinnerungsorte�. Hierin befindet sich auch ein Aufsatz des Düsseldorfer Geschichtsprofessors Gerd Krumeich über den sog. "Langemarck-Mythos". Trotz der Bestimmung als "Erinnerungsort" fragt Krumeich bereits im ersten Satz seiner Abhandlung selbstkritisch an, ob Langemarck wirklich als ein solcher gelten könne, denn die Befragung von heute Lebenden rufe kaum noch Wissen und Erinnerung hervor. Andererseits sei nicht zu bestreiten, daß für historisch Interessierte der Begriff weiterhin "direkt signifikant besetzt" ist. Vor allem habe sich die Vorstellung erhalten, daß man in der Vergangenheit mit Langemarck einen "falschen Mythos" aufgebaut habe, dem eine gefährlich-verführerische Ideologie innewohne. Krumeich kommt schließlich zu dem Ergebnis: "In gewisser Weise ist die "kritische" Rezeption der Langemarck-Episode und ihre ideologische Ausbeutung das exemplum für eine Grundbefindlichkeit der Deutschen im Umgang mit dem Ersten Weltkrieg".
Langemarck und die Deutsche Burschenschaft
von Harald Lönnecker
1948 fiel der an der Universität Halle Philosophie lehrende Paul Menzer als sogenannter Reaktionär einem inszenierten Studentenboykott zum Opfer, wie ihn die Hochschule auch schon 1933 erlebt hatte. Menzer hatte in einer Veranstaltung die bei Langemarck gefallenen Studenten als "Helden" bezeichnet. Die Mehrzahl der zuhörenden Hochschüler klatschte begeistert Beifall, einige FDJ-Aktivisten setzten sich aber noch am selben Tag mit der SED in Verbindung und organisierten eine "Protestresolution". Menzer, zum Rektor einbestellt, verweigerte die Rüchnahme seiner Äußerung und die Unterwerfung und wurde umgehend beurlaubt. Offensichtlich wußten alle Beteiligten, für was "Langemarck" stand, selbst beim Initiator des Boykotts war das der Fall, dem Studenten Burchard Brentjes, später Ordinarius für Orientarchäologie, der 1990 die Hochschule verlassen mußte und "abgewickelt" wurde.
Mauerfallkommers Berliner Korporationen
Sebastian Prinz
Aus Anlaß des 15. Jahrestags der Öffnung der Berliner Mauer führten eine Reihe von Berliner Korporationen und Altherrenverbänden einen großen gemeinsamen Festkommers durch. Da die studentischen Korporationen immer am Ziel der deutschen Einheit festgehalten haben, bot der Fall der Mauer eine gute Gelegenheit für Berliner Verbindungen verschiedener Dachverbände, gemeinsam einen Kommers zu organisieren. Seitens der Burschenschaften nahmen alle vier Berliner Bünde, die Berliner Burschenschaft Arminia, die Berliner Burschenschaft Gothia, die Berliner Burschenschaft der Märker und die Vereinigte Berliner Burschenschaft Thuringia, die Altherrenschaften der Berliner Burschenschaften ohne Aktivitas und die VAB Berlin teil.
Der VVAB im Internet
Bernhard Schroeter
Der Altherrentag 2004 hat ein Strategiekonzept zur Verbesserung der Mitgliederentwicklung und der burschenschaftlichen Aktivitäten für die nächsten Jahre verabschiedet. Eine wesentliche Voraussetzung zur Verwirklichung dieses Strategiekonzepts ist die Kommunikation innerhalb der Burschenschaft und besonders unter den Alten Herren sowie die Außenwirkung in der Öffentlichkeit. Dies kann sehr kostengünstig und aktuell mit Hilfe des Internets verwirklicht werden. Dank der EDV-technischen Unterstützung von Vbr. Markus Lenz (Rheinfranken Marburg) kann der Internetauftritt des VVAB zum 1. Januar 2005 unter der Adresse www.vvab.de verwirklicht werden. Neben den übersichtlich angeordneten Kontaktadressen der einzelnen VABVAB und paßwortgeschützten Unterlagen zu den Altherrentagen können von Burschenschaftern gehaltene Kommersreden und Vorträge sowie Stellungnahmen zu politischen Ereignissen eingesehen werden. Besonders erwähnenswert sind derzeit die Wiedergabe einer vom DGB Thüringen aus Anlaß des Burschentags herausgegebenen Zeitung zur "Aufklärung" der Öffentlichkeit über die Burschenschaft sowie entsprechende Stellungnahmen aus burschenschaftlicher Sicht mit einem Brief des DGB Bundesvorstands.
Interessierte Verbandsbrüder werden gebeten, in der Öffentlichkeit bekanntgewordene Angriffe auf die burschenschaftlichen Grundsätze "Ehre - Freiheit - Vaterland!" zu melden oder selbst tätig zu werden und hierüber zwecks Veröffentlichung im Internet-Auftritt des VVAB Mitteilung zu machen. Gegen ein geringes Entgelt ist es jeder VAB nun auch möglich, ihren eigenen Internet-Auftritt zu bekommen, um ihre Termine, Kontaktadressen und Berichte zu veröffentlichen. Eine Ausweitung dieses Angebots ist bei Bedarf machbar. Der Auftritt der VAB-Eisenach kann als gelungenes Beispiel hierfür angesehen werden. Ein Internet-Auftritt der einzelnen VABVAB ist auch deshalb wichtig, da die jungen Verbandsbrüder heute beruflich und privat sehr mobil sind und auf ihren Reisen häufig gern Kontakt zu einer VAB aufnehmen wollen.
Besonders gelungen ist die erstmalig realisierte elektronische Couleurkarte mit der Bundesbrüder, Verbandsbrüder oder außerhalb der Burschenschaft stehende Freunde und Bekannte mit burschenschaftlichen Bildmotiven gegrüßt werden können. Es ist beabsichtigt, die Motive gelegentlich auszutauschen. Da das Bessere der Feind des Guten ist, werden die Verbandsbrüder gebeten, Kommersreden, Vorträge oder Vorschläge zur Weiterentwicklung des Internetauftritts des VVAB einzureichen.
Sommerlager 2004 der Deutschen Burschenschaft
von Sven Beckendorf
Am 20. August 2004 wurde in Freiung/Oberpfalz der Startschuß für das diesjährige Sommerlager der Deutschen Burschenschaft gegeben. Ausgangspunkt aller Aktivitäten des Wochenendes bildete die Gaststätte Steigerhäusl, wo die Quartiere bezogen wurden. Nach dem ersten Kennenlernen, welches sich aufgrund der leider geringen Teilnehmerzahl recht einfach gestaltete, wurden bei einem deftigen Abendessen und anschließendem Lagerfeuer mit Gesang die Kontakte vertieft.
Langemarck-Gedenkstätte - Das Ehrenmal am Burschenschaftsdenkmal verfällt
von Eberhard Schatz
Alljährlich zum Burschentag ist einer der Höhepunkte der Fackelzug der Burschenschafter zum Totengedenken an der Langemarck-Gedenkstätte. Wie lange kann diese Ehrenpflicht noch wahrgenommen werden? Das Ehrenmal der Deutschen Burschenschaft befindet sich nach 70 Jahren der baulichen Vernachlässigung in einem desolaten Zustand und droht zunehmend zu verfallen.
Aus den Verbänden: Studentenhistorikertagung 8. bis 10. Oktober 2004 in Wil/Schweiz
von Peter Kaupp
Als gutes Zeichen der Verbundenheit auf der Basis gemeinsamer Interessen fand die zusammen von deutschen, schweizerischen und österreichischen Studentenhistorikern veranstaltete Studentenhistorikertagung dieses Jahr vom 8. bis 10. Oktober 2004 in Wil/Schweiz unweit vom Bodensee und in der Nähe von St. Gallen statt. Es war gleichzeitig die 64. Deutsche Studentenhistorikertagung des Arbeitskreises der Studentenhistoriker im Convent Deutscher Akademikerverbände (CDA), die 19. Schweizer und die 5. Europäische Studentenhistorikertagung sowie die 20-Jahr-Feier der Schweizerischen Vereinigung für Studentengeschichte (SVSt).

