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Heftarchiv der Burschenschaftlichen Blätter

BBL 2/2003

 

Burschenschaftliche Blätter, Ausgabe 2/2003
Schwerpunktthema: Der 17. Juni 1953


  • Zum 50. Jahrestag des 17. Juni 1953
  • Der 17. Juni 1953 in Jena
  • Der 17. Juni 1953 in Berlin - Ein Augenzeugenbericht
  • Der Mauerlied-Wettbewerb der Deutschen Burschenschaft
  • und weitere Aufsätze

"Wir wollen Freiheit und Brot!" - Zum 50. Jahrestag des 17. Juni 1953
Carsten Kießwetter (K.St.V. Palatia im KV zu Heidelberg)
Am 17. Juni 1953 und an den Tagen danach schaute die Welt gebannt, teilweise ungläubig und doch voller bangender Hoffnung nach Berlin und auf die Sowjetzone. Vor nunmehr einem halben Jahrhundert flammte dort der erste Volksaufstand im Ostblock auf. Eine anfängliche Demonstration der Bauarbeiter an der Ostberliner Stalinallee entwickelte sich zu einer der wenigen demokratischen Massenbewegungen der deutschen Geschichte.


Der 17. Juni 1953 in Jena
Heinz Voigt
In Jena begann der Aufruhr des 17. Juni 1953 mit der Frühschicht um 6 Uhr. Im Zeiss-Hauptwerk brodelte es ab 7 Uhr. Die SED-Kreisleitung im Deutschen Haus wurde gestürmt und verwüstet. Überall fiel der Unterricht aus. Aber am frühen Nachmittag war die sowjetische Besatzungsmacht mit Maschinengewehren und Panzerwagen präsent. In der SED-Kreisleitung wurden von den Soldaten drei eher zufällig anwesende Männer verhaftet. Einer von ihnen war der 26jährige Schlosser Alfred Diener. Am nächsten Tag wurde verkündet, daß er als "Haupträdelsführer des faschistischen Putsches" zum Tode durch Erschießen verurteilt worden sei: "Das Urteil wurde vollstreckt".


Der 17. Juni 1953 in Berlin - Ein Augenzeugenbericht
Peter Klatt (Germania Gießen 1957)
Einen Tag nach Erhalt seines Abiturzeugnisses vom Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster im Ostsektor von Berlin erlebte Peter Klatt (Germania Gießen 1957) am 16. Juni 1953 die ersten Demonstrationen der Bauarbeiter der damaligen Stalinallee. Sie verlangten von der Regierung der DDR die Rücknahme der Arbeitsnormerhöhung. Peter Klatt berichtet von den anfänglichen Irritationen über Streik und Aufruhr. Er schildert seine Teilnahme an den Kämpfen des 17. Juni in der Ost-Berliner Innenstadt, die den Sturz der DDR-Regierung zum Ziel hatten. Im Laufe des Tages mußte er sich zurückziehen, um der Gefahr durch das eingreifende russische Militär zu entgehen.


Mauerlied-Wettbewerb der Deutschen Burschenschaft
Walter Egeler (Hohenheimia Stuttgart 1968, EM Arminia Leipzig 2000)
Im Rahmen der Leipziger Buchmesse wurden am 22. März 2003 im Zeitgeschichtlichen Forum die drei Gewinner des Mauerlied-Wettbewerbs der Deutschen Burschenschaft vorgestellt und die Preise an die Sieger überreicht. Die drei Mauerlieder werden für immer Zeugnis ablegen vom steten Streben der Deutschen Burschenschaft, daß nur "ein Deutschland ist, und ein Deutschland sein und bleiben soll", wie es schon in den "Grundsätzen und Beschlüssen des 18. Oktober" des Wartburgfestes der Burschenschaft im Jahr 1817 heißt.


Bei den Burschenschaften herrscht Gedankenfreiheit - Ein Vortrag von Bernd Rabehl und seine Folgen
Sebastian Prinz (Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn 2000)
Im Rahmen der Bogenhausener Gespräche hielt Bernd Rabehl, Professor für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin, 1998 einen Vortrag über die Studentenproteste der späten 1960er Jahre und ihre Folgen. Seinen früheren Weggefährten Rudi Dutschke stellte er als Nationalrevolutionär dar, der seine Ziele nach dem auf ihn verübten Attentat nicht mehr verfolgen konnte. Rabehl kritisierte, daß daraufhin die Entwicklung in Deutschland zur Überfremdung geführt hat, durch die u. a. die nationale Identität bereits stark zerfallen ist. Die heftigen, undemokratischen Angriffe, denen Rabehl infolge seiner Thesen durch Linke und "Antifaschisten" privat und beruflich ausgesetzt war, seine Gegenargumentation sowie die bis heute andauernde kontroverse Diskussion zeichnet Sebastian Prinz, der selbst bei Rabehl studiert hat, nach.