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Heftarchiv der Burschenschaftlichen Blätter

BBL 4/2002

 

Burschenschaftliche Blätter, Ausgabe 4/2002
Schwerpunktthema: Nationalstaat und Europa

• Nation und Burschenschaft
• Die Nation ist unverzichtbar
• Nationale Identität
• Als Student der Forstwirtschaft in Chile
• Bericht vom Burschen- und Altherrentag 2002

Nation und Burschenschaft - Überlegungen eines Historikers
von Peter Hertner (Frankonia Heidelberg 1962)
Wenn man die Inhalte der Begriffe "Nation" und "Burschenschaft" einander gegenüberstellt, so wird man feststellen, daß deren jeweilige Träger während ganz bestimmter Zeitabschnitte sich ganz nahe kamen, miteinander harmonisch auskamen, sich vielleicht sogar gegenseitig befruchteten, in anderen Epochen jedoch sich mehr oder weniger feindlich gegenüberstanden, zeitweise sogar verständnislos aneinander vorbeilebten oder sich gegenseitig gänzlich ignorierten. Festzustellen ist ferner, daß die Verwendung des Begriffs Bürgertum nützlich sein könnte. Mindestens bis in die Zwischenkriegszeit hinein gab es in Deutschland eine bürgerliche Gesellschaft, gekennzeichnet durch Besitz und Wissen, deutlich nach oben geschieden von der Aristokratie und nach unten von Kleinbürgertum und Proletariat. Die Burschenschaften waren ein fester Bestandteil dieser sozialen Klasse.


Die Nation ist unverzichtbar
von Hans Merkel (Münchener Burschenschaft Arminia-Rhenania 1953)
Mit einem geschichtlichen Rückgriff auf die deutsche Ostpolitik der 1970er Jahre und der späteren Wiedervereinigung Deutschlands wird der Begriff Nation verdeutlicht. Die Menschen einzelner Staaten definieren ihre Identität und Zugehörigkeit über gemeinsame kulturelle Wurzeln und ethnische Gleichartigkeit. Auch die Einsprachigkeit spielt dabei eine wichtige Rolle. Es zeigt sich, daß die Idee eines gesamteuropäischen Bundesstaates nicht realisierbar ist. Vielmehr stellt jede Nation als selbstbewußte Einheit einen unverzichtbaren Baustein für das Zusammenwachsen eines funktionierenden und demokratischen Europas dar.


Nationale Identität im zusammenwachsenden Europa - Herausforderungen für das Staats- und Europaverständnis unserer politischen Eliten
von Andreas Schwegel
Die Voraussetzung für ein gutes Ergebnis des europäischen Einigungsprozesses ist die Balance zwischen Nation und Europa, basierend auf nationalem Bewußtsein einerseits sowie der Entwicklung einer europäischen Identität andererseits. Nationale Identität baut auf einem positiven Nationalgefühl und Zugehörigkeitsgefühl zu einer historisch gewachsenen Schicksals- und Verantwortungsgemeinschaft auf. Europa stiftet mittelbar durch seine Mitgliedsstaaten eine europäische Identität. Insbesondere in Sicherheitsfragen kann im Zeichen der Globalisierung mit ihren vielschichtigen Bedrohungspotentialen kein europäischer Staat für sich alleine stehen. Um sowohl die Europäische Union als auch ihre einzelnen Mitglieder in ihren Kompetenzen und Aufgaben zu stärken, eignet sich das Subsidiaritätsprinzip als richtungweisende Struktur.


Als Student der Forstwirtschaft in Chile
von Gunthard Scholz (Aachen-Dresdner Burschenschaft Cheruscia 1996)
Der Bericht schildert auf lebhafte Weise Erlebnisse eines Auslandsstudiums. Er erläutert die Formalitäten als Voraussetzung für das Unternehmen und erzählt von Schwierigkeiten, die zu lösen waren. Er erzählt Lustiges über ein geraubtes Festmahl und Spannendes über eine Hasenjagd. Die Landschaftsbeschreibungen von Ausflügen in Chile geben einen Eindruck des Landes wieder. Das burschenschaftliche Leben bei der Vulkania und das Studium der Forstwirtschaft an der Universität in Valdivia werden anschaulich dargestellt.


Bericht vom Burschen- und Altherrentag 2002
von Herbert Bippi (Hohenheimia Stuttgart 1973)
Der Burschentag 2002 verlief in ruhigen Bahnen. Nachdem die finanziellen Probleme, die aufgrund der ungenügenden Eigenkapitalausstattung der Berghotel Burschenhaus GmbH entstanden waren, auf den letzten Burschentagen im Vordergrund gestanden hatten, beschäftigte sich der diesjährige Burschentag überwiegend mit Verbandsinterna. Über die im Geschäftsjahr 2001/2002 den Verband bewegenden Vorkommnisse in München mit der Burschenschaft Danubia München wurde ausführlich berichtet. Laut diesem Bericht zeigte die Burschenschaft Danubia München kein durch die Deutsche Burschenschaft zu ahndendes Verhalten.


Kulturprogramm des Burschentages 2002
von Bernhard Schroeter (Arminia a. d. B. Jena)
Große Begeisterung und gestiegene Teilnehmerzahl waren Zeichen der Bedeutsamkeit des Kulturprogramms des diesjährigen Burschentages. Zu den Höhepunkten der zweitägigen Unternehmungen gehörten die Thüringenfahrt in die Hörselberge, die Geschichte des im Gefängnis der Wartburg verstorbenen Wiedertäufers Fritz Erbe und schließlich der musikalische Genuss durch das Blechbläserensemble der Landeskapelle Eisenach vor der Reuter-Villa in Eisenach.