Heftarchiv der Burschenschaftlichen Blätter
Wartburg, Luther und die deutschen Studenten
von Joachim Bauer
Seit dem frühen 19. Jahrhundert entwickelte die Wartburg eine große Anziehungskraft. Beim Wartburgfest 1817 schwärmte Heinrich Riemann, die Jugend aus allen Gauen habe sich "auf Deutschlands freiestem Boden" getroffen, der Liberale Adolf Stahr nannte die Wartburg 1851 eine "Malstätte der Geschichte" und der DDR-Kulturminister j. R. Becher sagte 1954, daß "die Unzerstörbarkeit der deutschen Nation in der Wartburg gleichsam zur unmittelbaren Anschauung" gelange. Was war und ist die Wartburg - Museum, Nationaldenkmal, Festplatz?
"Die Völker in Gott!" - Wartburg und Lutherhaus Eisenach
als Orte von Sinn- und Werteorientierung
von Wolfgang Schenk
Durch Martin Luther ging von der Wartburg ein emanzipatorischer Impetus aus, der nicht nur den Staat von der Abhängigkeit von der als menschliche vorläufige Institution verstandenen römischen Kirche befreite, sondern auch den Einzelnen selbst unmittelbar vor Gott stellte in direkter Verantwortung vor dem Ewigen. Unübersehbar hatte das Wartburgfest der Burschenschaft von 1817 einen religiösen Charakter und unübersehbar zeigen die Ausstellungen im Lutherhaus Eisenach, daß die heutige deutsche Identität stark durch die Lutherische Reformation mitgeprägt ist. Über Wartburg und Lutherhaus kommt Martin Luther mit seiner Sicht von Gott und Mensch ins Gespräch mit den Menschen von heute, die Sinn- und Werteorientierung suchen gegen eine als drohend empfundene Unmenschlichkeit und Sinnlosigkeit des Lebens.
Martin Luthers "Freiheit eines Christenmenschen"
und das Freiheitsverständnis der Deutschen Burschenschaft
von Hagen Jäger
Beim Wartburgfest der Burschenschaft im Jahr 1817 wurde Luthers Werk der Reformation als eine Tat der Befreiung gepriesen, als ein Kampf gegen religiöse Bevormundung und politische Unfreiheit. Im Blick auf die kirchlichen und politischen Zustände nach den napoleonischen Kriegen ist es gut zu verstehen, daß die Burschen einen so bekannten und prominenten Mann zum Verbündeten für ihr Freiheitsstreben machten. Doch wurden sie in ihrer Lutherverehrung auch der Theologie Martin Luthers gerecht?

