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Heftarchiv der Burschenschaftlichen Blätter

BBL 4/2000

 

Burschenschaftliche Blätter, Ausgabe 4/2000
Schwerpunktthema: Die Wehrmacht


• Christsein und Soldatsein in der Wehrmacht
• Soldaten der Wehrmacht zwischen Eid und Gewissen
• Ritterlichkeit im Kriege
• und weitere Aufsätze

Christsein und Soldatsein in der Wehrmacht
Erinnerungen an den Alltag des Soldaten im Zweiten Weltkrieg

von Günter Kießling (Germania Bonn)
In den Schützengräben des Ersten Weltkrieges hatte das deutsche Militär gelernt, konfessionelle Spaltung und soziales Gefälle zu überwinden. So war die religiöse Toleranz in der Wehrmacht größer als in der Gesellschaft, und die beiden Kirchen waren in der Militärseelsorge stärker auf ihr Zusammenwirken bedacht als im zivilen Leben. Die größte Bewährungsprobe stand sowohl der Militärseelsorge als auch dem christlichen Soldaten mit dem Krieg im allgemeinen und der Eskalation der Verrohung jedoch noch bevor. Die meisten Soldaten haben während des Krieges wieder das Beten gelernt. Trotz der Eskalation der Leidenschaften gab es so etwas wie eine innere Verbundenheit der sich im erbitterten Ringen auf Leben und Tod gegenüberstehenden Kämpfer auf beiden Seiten. Man könnte sagen: Die sich damals so unmittelbar in Todfeindschaft gegenüberstanden, mitunter nur wenige Meter voneinander entfernt, die standen sich innerlich auch am nächsten - ohne sich dessen bewußt zu sein.


Ausnahmesituationen - Soldaten der Wehrmacht zwischen Eid und Gewissen
von Franz W. Seidler
In totalitären Staaten stoßen Soldaten häufiger an die Grenze ihres Gewissens als in demokratischen, weil sie Anforderungen begegnen, denen sie nur in blindem Gehorsam, unter Ausschaltung soldatischer Ehrbegriffe und unter Vergewaltigung ihres Gewissens entsprechen können. Während sich die Soldaten der Wehrmacht in den Feldzügen gegen Polen, Norwegen, Frankreich, Jugoslawien und Griechenland noch an die u. a. in der Haager Landkriegsordnung vorgegebenen Richtlinien hielten, änderte sich die Situation mit dem Rußlandfeldzug. Viele Soldaten erkannten, daß von ihnen Untaten verlangt wurden, die weder mit dem Strafgesetzbuch noch mit dem Völkerrecht im Einklang standen. Aber die Möglichkeiten, sich zu entziehen, waren gering. Ob für den einfachen Soldaten oder für den Offizier, es war ein Konflikt zwischen Treue und Verantwortung, zwischen Eid und Gewissen.


Ritterlichkeit im Kriege
von Franz Uhle-Wettler
Das Nibelungenlied erzählt, daß Hagen von Tronje, als Rüdiger von Bechelaren auf ihn einstürmt, diesem zuruft, der Kampf sei ungleich, denn er könne sich nicht decken, weil die Hunnen seinen Schild zerhauen hätten. Daraufhin gibt Rüdiger ihm seinen eigenen Schild. Udet, einer der erfolgreichsten Jagdflieger des Ersten Weltkrieges, berichtet, wie ihn ein Franzose bei einem Luftkampf entkommen ließ, als dieser erkannte, daß Udets Waffen versagten, er also wehrlos war. Und nach dem Ende des Frankreichfeldzuges gedachten 1940 die beiden Delegationen nach Abschluß der Waffenstillstandsverhandlungen in einer Schweigeminute der Tapferkeit und Gefallenen beider Seiten. Die Beispiele zeigen, daß Ritterlichkeit im Kriege möglich ist. Sie ist es dort, wo keine Religion oder Ideologie den Gegner entwertet. Umgekehrt, und das belegt die Geschichte ebenfalls von der Antike bis in die Gegenwart, schwindet die Ritterlichkeit, wenn der Krieg zum Kreuzzug wird.


1848: Der demokratische Aufbruch und die maritime Frage in Deutschland
von Eckart Busch (Clausthaler Wingolf zu Marburg 1953)
Der Deutsche Bund, der 1815 die Lösung der deutschen Frage auf staatenbündischer Grundlage war, begründete zwar in der Bundeskriegsverfassung von 1821 ein Bundesheer aus Landtruppen der Einzelstaaten als Kriegsmacht des Bundes, sie enthielt aber keine Bestimmungen über die Verteidigung des Deutschen Bundes zur See, über den Schutz der Handelsschiffahrt, über Marine und Flotte. An diesem Punkt setzt die verfassungspolitische Initiative der Bundesversammlung in Marinefragen ein. Schon am 26. Mai 1848, nur acht Tage nach ihrer Konstituierung am 18. Mai 1848, setzte die deutsche Nationalversammlung als erste politische Maßnahme einen Marineausschuß ein. Bereits am 14. Juni 1848 fand dann in der Nationalversammlung die große Bewilligungsdebatte und Beschlußfassung statt. Es war die Geburtsstunde der ersten deutschen Marine.


Bericht vom Burschen- und Altherrentag in Eisenach vom 15. bis 18. Juni 2000
von Walter Egeler (Hohenheimia Stuttgart 1968, EM Arminia zu Leipzig 2000)
Auf dem Burschen- und Altherrentag 2000 stand die schwierige Lage der Burschenhaus GmbH im Vordergrund der Beratungen. Nach langen Diskussionen wurde eine Umlage als Finanzhilfe beschlossen, die die Liquidität bis März 2001 sichert. Weiterhin wurde ein Ausschuß eingesetzt, der einem bis März 2001 einzuberufenden außerordentlichen Burschentag ein Gesamtkonzept für die Regelung der Eisenacher Verhältnisse und die Reorganisation des Haushaltswesens der Deutschen Burschenschaft vorzulegen hat.


Reiches Kulturprogramm beim Burschentag 2000
von Bernhard Schroeter (Germania Jena 1966)
Die Wiederkehr des 250. Todestages von Johann Sebastian Bach war Anlaß, die Teilnehmer des Burschentages 2000 zu einer kleinen Thüringenreise mit dem Thema "Auf den Spuren von Johann Sebastian Bach" einzuladen. Von Eisenach, wo 132 Jahre lang in der Georgenkirche in ununterbrochener Folge Mitglieder der Familie Bach als Organisten tätig waren, führte die Reise nach Wechmar, der Wiege der Bachfamilie. In Dornheim besuchten die Teilnehmer Bachs Traukirche, in Arnstadt prüfte der junge Bach die Orgel in der "Neuen Kirche", heute Bachkirche, und im Heimatmuseum in Ohrdruf wird an den großen Sohn Thüringens erinnert.