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Heftarchiv der Burschenschaftlichen Blätter

BBL 3/2000

 

Burschenschaftliche Blätter, Ausgabe 3/2000
Schwerpunktthema: Die Stadt Freiberg in Sachsen


• Freiberg im Wandel der Zeit
• Geschichte der Freiberger B. Glückauf seit 1990
• Der Mitternachtsschrei
• und weitere Aufsätze

Freiberg im Wandel der Zeit
von Holger Bunge (Freiberger Burschenschaft Glückauf 1995)
Die Geschichte der Stadt Freiberg ist vom Silber geprägt. Rund 800 Jahre - von 1168 bis 1969 - wurde fast ununterbrochen Bergbau betrieben. Im Jahr 1765 wurde mit der Bergakademie Freiberg die älteste montanwissenschaftliche Hochschule der Welt gegründet. Nach der Stillegung des Bergbaus und der politischen Wende haben sich heute in Freiberg Industriebetriebe zukunfts-trächtiger Technologiebereiche angesiedelt und an der Bergakademie, seit 1992 Technische Universität, forschen Wissenschaftler und Studenten zwischen Meeresboden und Weltall.


"Die Universität prägt unsere Stadt"
Konrad Heinze im Gespräch mit André Dahms, Leander Kuppe und André Nehrig von der Freiberger Burschenschaft Glückauf
Die Universität Freiberg, älteste montanistische Hochschule der Welt, prägt in besonderer Weise das wissenschaftliche und wirtschaftliche Sein der Stadt. Mit 1300 Arbeitsplätzen und über 3000 Studenten ist sie der bedeutendste Arbeitgeber und der wichtigste Wirtschaftsfaktor Freibergs. Daneben entstanden in den letzten Jahren jedoch auch zahlreiche andere qualifizierte Arbeitsplätze. So konnten im Bereich der Produktion von Basismaterial für die Elektronik etwa 1000 Stellen geschaffen werden.


Wir waren Studenten - wir waren Kameraden - wir waren Soldaten!
Erinnerungen des letzten Burschenschafters,
der vor dem Krieg das Studium an der Bergakademie begann

von Horst Rüsse (Freiberger Burschenschaft Glückauf, Kameradschaft Theodor Körner 1938, Alte Freiberger Burschenschaft Glückauf zu Clausthal)
Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg waren in Freiberg 140 Studenten eingeschrieben. Es war eine schöne Zeit. Manchmal gab's nachts um drei Uhr bei Frau Professor heiße Würstchen. Aber der Kriegsausbruch veränderte alles. Das Studium wurde nun durch die Wehrmacht bestimmt. Nach dem Krieg zeigte sich, daß der Draht nach Freiberg geblieben ist, persönlich und durch die Freunde und Förderer der Bergakademie.


Die Geschichte der Freiberger Burschenschaft Glückauf seit 1990
von Dietrich Schindler (Freiberger Burschenschaft Glückauf 1993)
Die Geschichte der Freiberger Burschenschaft Glückauf beginnt wie so viele mitteldeutsche Erfolgsgeschichten in den Wirren des Jahres 1989. Eine Gruppe von Freiberger Studenten, einige von ihnen hatten an den großen Demonstrationen in Leipzig, Dresden und Freiberg teilgenommen, beschloß, sich in einem Verein zu organisieren. Die Wahl fiel auf die Burschenschaft. Mit Unterstützung der Alten Freiberger Burschenschaft Glückauf zu Clausthal wurde bereits am 14. Mai 1990 im Kellergewölbe des Studentenhauses "Alte Mensa" die Freiberger Burschenschaft Glückauf feierlich und unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit gegründet. Noch ist die Zahl der Alten Herren klein, aber mit vier Füxen aus dem vergangenen Wintersemester blickt die junge Burschenschaft personell optimistisch in die Zukunft, und man plant für das kommende Frühjahr den Kauf eines Hauses.


"Burschenfreiheit war mein Ideal"
Der Dichter und Kämpfer Theodor Körner als Freiberger Student

von Hans-Ulrich Kopp (Danubia München 1985)
In Freiberg, das mit der Akademie die berühmteste Bergschule Europas beherbergte, entfaltete sich zu Körners Zeit ein reiches geistiges Leben, das mit der Weimarer Klassik, später mit der Dresdener Frühromantik verbunden war. Körner war einerseits ein tüchtiger Bergakademiker, andererseits ein Waffenstudent mit Leib und Seele und ein begeisterter Poet, dessen dichterische Ader sich schon früh gezeigt hatte, und die nun in Freiberg ganz hervortrat. Zahlreiche Bergmanns- und Burschenlieder zeugen davon. Noch in Freiberg erschien seine erste Gedichtsammlung.


"Nach uralt hergebrachter Sitte und Burschenbrauch ..."
Der Mitternachtsschrei im Brauchtum nicht nur der Bergakademiker

von Harald Lönnecker (Normannia Leipzig, Normannia-Leipzig zu Marburg, Germania Kassel)
Der Mitternachtsschrei ist 1907 oder 1908 in Göttingen im Kreise eines Inaktivenstammtisches durch Vereinigung mit einem aus Jena kommenden, seit 1905 belegten Trinkspruch entstanden. Der eigentliche Schrei lautet: "Jumalai!" Er verbreitete sich rasch. Durch Fehler und Nichtwissen bei der Weitergabe, aber auch durch dichterische Freude bei der Ausschmückung kam es bald zu zahlreichen Varianten, doch sind längere Vor- und Nachsprüche, Vor- und Nachgesänge erst seit etwa 1950 nachweisbar. Sie trugen wesentlich dazu bei, den Mitternachtsschrei als typisch bergakademisch erscheinen zu lassen.