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Heftarchiv der Burschenschaftlichen Blätter

BBL 2/2000

 

Burschenschaftliche Blätter, Ausgabe 2/2000
Schwerpunktthema: Hochschulpolitik


• Die hochschulpolitische Arbeit der Deutschen Burschenschaft
• Hochschulpolitik in Hannover - eine Bilanz
• Bachelor und Master - eine kritische Betrachtung
• Die 68er-Revolte im Rückblick
• und weitere Aufsätze

Die hochschulpolitische Arbeit
der Deutschen Burschenschaft in den fünfziger Jahren

von Helge Kleifeld (Turnerschaft Philippina Marburg)
Bereits bei ihrer Wiedergründung im Jahr 1950 schuf die Deutsche Burschenschaft den Hochschulpolitischen Ausschuß (HpA). Darin kommt die enorme Bedeutung zum Ausdruck, die der Hochschulpolitik seitens der Deutschen Burschenschaft beigemessen wurde. Vergleicht man jedoch die Ergebnisse der praktischen Hochschulpolitik der fünfziger Jahre mit den hochschulpolitischen Zielsetzungen der Deutschen Burschenschaft, so muß die Hochschulpolitik der Deutschen Burschenschaft in jener Zeit als gescheitert angesehen werden.


Per aspera ad AStA
von Jens-Markus Sanker (Normannia Leipzig zu Marburg, Cimbria München)
Die Deutsche Burschenschaft ist ihrem Selbstverständnis nach auch ein politischer Dachverband. Zur Wahrnehmung dieses politischen Auftrages gehört auch die Übernahme von Verantwortung. Nirgends liegt diese Übernahme von Verantwortung näher als an den Hochschulen, in deren Parlamenten, Gremien und Ausschüssen. Für eine erfolgversprechende Teilnahme an Wahlen zu den studentischen und akademischen Selbstverwaltungsgremien der Hochschulen ist jedoch im Vorfeld eine Reihe von Punkten zu klären.


Hochschulpolitische Erfolge sind für die Deutsche Burschenschaft möglich
von Marc Natusch (Cheruscia Dresden 1996, Rheinfranken Marburg 1998)
Der Burschentag 1998 hat beschlossen, daß bis zum Jahr 2003 an allen Hochschulorten, an denen Mitgliedsvereinigungen vertreten sind, eigene, von Burschenschaften ins Leben gerufene Hochschulgruppen vertreten sein müssen. Der Hochschulpolitische Ausschuß hat daraufhin die Seminare des laufenden Geschäftsjahres auf dieses Ziel hin ausgerichtet. Zur Erarbeitung eines strategischen Konzepts hat er des weiteren 1999 eine Umfrage bei den Aktivitates durchgeführt. Als zwar erwartetes, aber dennoch ernüchterndes Ergebnis ist festzustellen, daß sich die Deutsche Burschenschaft und ihre Mitgliedsvereinigungen fast völlig aus der Hochschulpolitik zurückgezogen haben. Die Aktivitäten von einigen wenigen Burschenschaften und von einzelnen Burschenschaftern an einer Reihe von Hochschulen zeigen jedoch, daß durchaus Erfolge in der Hochschulpolitik möglich sind.


Hochschulpolitik in Hannover - eine Bilanz
von Claus Lemke (Hannoversche Burschenschaft Germania 1996)
Die Ergebnisse bei den Hochschulwahlen in Hannover im Januar 2000 haben die Erwartungen der wesentlich von Burschenschaftern mitgetragenen Hochschulgruppe Leibniz übertroffen. Während die Linken mit 28 von 55 Sitzen gerade noch einmal die zur absoluten Mehrheit erforderliche Anzahl von Sitzen erringen konnten und damit weit von ihren früheren Dreiviertel-Mehrheiten entfernt sind, erhöhte die Hochschulgruppe Leibniz ihre Sitzanzahl von vier auf sechs. Auch im akademischen Konzil und in einer Reihe von Fachschaften konnte die Zahl der Sitze ausgebaut werden. Das Jahr 2000 kann im hochschulpolitischen Kalender der Universität Hannover eine Wende herbeiführen, wenn es gelingt, alle parlamentarisch-demokratisch agierenden Hochschulgruppen zu vernetzen und zum Kampf gegen die linke Kungelei zu bewegen.


Die Verfassungswidrigkeit der verfaßten Studentenschaft
von Eike Erdel
Unter Studentenschaft ist eine auf Zwangsmitgliedschaft aller immatrikulierten Studenten einer Hochschule gegründete öffentlich-rechtliche Körperschaft zu verstehen, die eigene Aufgaben als Glied der Hochschule selbst verwaltet. Das Hochschulrahmengesetz sieht vor, daß die Länder Studentenschaften bilden können. Gegen die verfassungsrechtliche Zulässigkeit der verfaßten Studentenschaft wurden immer wieder Bedenken erhoben. Eine genaue Prüfung zeigt, daß die Zwangsmitgliedschaft in der Studentenschaft mit den Grundrechten der Studenten aus Art. 9 Abs. 1 GG (Vereinigungsfreiheit) und Art. 2 Abs. 1 GG (Freiheitsrecht) nicht vereinbar ist.


Bachelor und Master - eine kritische Betrachtung
von Norbert Pawlik (Burschenschaft Technischer Club Minerva zu München im BDIC)
Das Bildungsangebot der deutschen Hochschulen sei antiquiert, die deutschen Diplom- und Magister-Abschlüsse seien international nicht vergleichbar und deshalb nicht anerkannt, und die amerikanischen Hochschulen seien den deutschen meilenweit voraus. Mit diesen Argumenten gaukeln Reform-Eiferer der Öffentlichkeit ein düsteres Bild von deutscher Hochschulmisere vor. Als Allheilmittel verkünden sie die schnelle Einführung zweistufig-konsekutiver angelsächsischer Studiengänge und die Ablösung der tradierten Abschlüsse Diplom und Magister durch die international kompatiblen Bachelor und Master. Die nähere Betrachtung zeigt, daß Bedenken angebracht sind.


"Die Hochschulen müssen auf die Herausforderungen
des 21. Jahrhunderts vorbereitet werden!"

Klaus von Trotha im Gespräch mit Wolf Koenig (Libertas Brünn zu Aachen 1995) und Marc Natusch (Cheruscia Dresden 1996, Rheinfranken Marburg 1998)
Schlagwortartige Thesen wie "Humboldt ist tot" oder "Humboldt lebt" tragen wenig zur Erkenntnis über das Wesen moderner Hochschulen bei. Jede Form von Bildung, also auch ein akademisches Studium an einer Hochschule, hat einen doppelten Effekt: Der einzelne, der Bildung erfährt, hat zunächst für sich selbst einen Gewinn. Niemand kann aber ernsthaft in Abrede stellen, daß auch die Gesellschaft einen Nutzen hat. Im Vergleich zum 19. Jahrhundert hat sich die Bedeutung von Bildung für die weitere Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft dramatisch erhöht. Bildung und das damit erworbene Wissen sind heute im internationalen Wettbewerb der Staaten zueinander maßgebliche Wettbewerbsfaktoren. Die Humboldtsche Idee hat sich nicht überlebt, sie hat lediglich im Kontext einer modernen Industriegesellschaft etwas andere Akzente erhalten.


Die 68er-Revolte im Rückblick
von Leo Koslowski (Gothia Königsberg zu Göttingen 1941)
In den 60er-Jahren kümmerten sich die Professoren um ihr Fach, um Forschung und Lehre und spürten nicht die geistige Widerstandsbewegung, die sich formierte und sich mit den Namen Horkheimer, Adorno und Marcuse verband. Das Programm der "Neuen Linken" war der "neue Mensch"; es war eine Erlösungsbewegung, ein explosives Gemisch von politischer Utopie, ideologischen Phantasien und persönlichem Idealismus. Es endete im Bandentum. Im Rückblick lehrt die 68er-Revolte, daß am sichersten eine fundierte Bildung vor dem Ungeist schützt und zu Humanität erzieht.