Heftarchiv der Burschenschaftlichen Blätter
Frühe Burschenschaft und Judentum
von Harald Lönnecker (Normannia Leipzig, Normannia-Leipzig zu Marburg, Germania Kassel)
Auch wenn es in der frühen "christlich-teutschen" Burschenschaft eine untergründige Gegnerschaft zur "unchristlichen Judenheit" gab, ist das Bild doch sehr differenziert. Es gab Hochschulorte, wo Juden Burschenschafter werden konnten, und es gab Hochschulorte, wo dies nicht der Fall war. Manchmal, wie das Beispiel der Familie Mendelssohn zeigt, ermöglichten Nationalbewegung und Burschenschaft sogar den gesellschaftlichen Aufstieg. Im Zuge der immer stärker werdenden Politisierung strich der Frankfurter Burschentag 1831 die Forderung nach einer "christlich-deutschen" zugunsten einer "deutschen" Ausbildung. Damit bestanden für die nächsten 50 Jahre keine Aufnahmehindernisse von Juden in die Burschenschaft mehr.
Bedeutende Juden in der Burschenschaft
von Helge Dvorak (Olympia Wien 1951)
Die Verfassung der Jenaer Urburschenschaft von 1815 erwähnt die Judenfrage nicht. In den Folgejahren bis etwa 1830 kam es jedoch auf Burschentagen zu Ausgrenzungsbeschlüssen, die allerdings nicht überall befolgt wurden. Danach konnten Juden in den nächsten etwa 50 Jahren ohne weiteres Mitglied einer Burschenschaft werden. Die Mitgliederlisten der Burschenschaften weisen für das 19. Jahrhundert und den Beginn des 20. Jahrhunderts eine große Reihe bedeutender Juden auf.
Das "Waidhofener Prinzip": Die versuchte Ehrabsprechung Juden
gegenüber als Manifestation studentischen Antisemitismus an
österreichischen Hochschulen im Jahre 1896
von Harald Seewann (Burschenschaft Germania zu Graz i. CDC 1964)
Am 11. März 1896 faßten die Vertreter von studentischen Vereinen und Burschenschaften in Wien den Beschluß, Juden auf keine Waffe mehr Genugtuung zu geben, da Juden der Genugtuung unwürdig seien. Dieser Beschluß, für dessen Vorbereitung und Durchsetzung vor allem die Vereine des Waidhofener Verbandes jahrelang tätig waren, hat aus diesem Grund den Namen "Waidhofener Prinzip" erhalten.
Die Zionistische Korporation - ein Gegensatz zur Burschenschaft?
von Thomas Schindler (Landsmannschaft im CC Teutonia Würzburg 1980)
Zwischen Burschenschaften und zionistischen Verbindungen gibt es weit mehr Gemeinsamkeiten als oberflächliche Beobachter annehmen. Beide sind die studentischen Vorreiter nationaler Einigungsbewegungen gewesen. Schon 1912 hat Egon Rosenberg festgestellt: "Im Lager der Burschenschaften hat der Weg der jüdischen Studenten in Deutschland begonnen".
Juden in der germanistischen Burschenschaft
von Hartmut Reichold (Germania Erlangen 1948, Jenensia Jena 1993)
Ein Jahrzehnt nach dem Wartburgfest begriffen sich die germanistischen Burschenschaften als Teil der Reformpartei: Neben anderem wurde die rechtliche Gleichstellung der Juden verlangt. In Franken nahmen dabei germanistische Burschenschafter, unter ihnen der Jude Dr. David Morgenstern, führende Stellungen ein.
Franz Boas, der bedeutendste Völkerkundler der USA und Heidelberger Burschenschafter
von Roland Girtler (Corps Symposion im KSCV zu Wien)
Franz Boas, Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie aus Minden in Westfalen, studierte in Heidelberg, Bonn und Kiel. In Heidelberg trat er in die Burschenschaft Allemannia ein. Sein Berufsweg führte ihn in die USA, die aufgrund seiner Studien und Veröffentlichungen weltweit die führende Rolle in der Völkerkunde-Wissenschaft übernahmen. Auch in den USA blieb er ein überzeugter Burschenschafter und ein glühender Verehrer Deutschlands. Um so tiefer traf ihn der Antisemitismus in Deutschland, und dem drohenden Ausschluß aus der Allemannia kam er 1935 mit der Bandniederlegung zuvor.
"Der Herbst ist angebrochen, der kalte Winter naht"
Der Traum von der großen deutschen Republik und ihr Scheitern
von Roland Girtler (Corps Symposion im KSCV zu Wien)
Die politische Linke der Frankfurter Nationalversammlung wollte, unter Einschluß Österreichs, eine große deutsche Republik. Die Mehrheit der Abgeordneten votierte jedoch für die Monarchie. Als es in Wien und in Baden zur offenen Revolution kommt, bleiben die Rebellen allein auf sich gestellt. Sie werden besiegt, die Rache der Sieger ist hart, der Traum von der großen deutschen Republik ist ausgeträumt.
Otto Schwab, der Allgemeine Deutsche Waffenring und
die Judenausschließung aus seinen Korporationen - eine Dokumentation
von Alfred Thullen (Arminia a. d. B. Jena 1932)
Am 30. Januar 1933 veränderte sich die Lage für die Juden und auch für die waffenstudentischen Verbände dramatisch. Staat und Partei griffen in die privatrechtlichen Angelegenheiten ihrer gesetzlich gleichgestellten Reichsbürger und deren Vereinigungen ein. Im Herbst 1935 war der Kampf um die Ausschließung der Juden und jüdisch Versippten aus den Korporationen im Sinne der Partei entschieden.

