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Heftarchiv der Burschenschaftlichen Blätter

BBL 2/1998

 

Burschenschaftliche Blätter, Ausgabe 2/1998
Schwerpunktthema: Studentische Feste


• Das Maisingen der Heidelberger Allemannen
• Thomastag und Thomasbummel
• Das Barbarafest in Clausthal-Zellerfeld
• Das Stocherkahnrennen auf dem Neckar in Tübingen
• und weitere Aufsätze

"Sänger, Turner, Schützen sind des Reiches Stützen"
Das bürgerliche und das studentische Fest:
Eine Wechselbeziehung und ihre Voraussetzungen

von Harald Lönnecker (Normannia Leipzig, Normannia-Leipzig zu Marburg, Germania Kassel)
Das "Fest" als studentisches und bürgerliches Fest entwickelte sich als Teil der bürgerlichen Kultur im 19. Jahrhundert. Es baute auf drei Voraussetzungen auf: einer bereits vorhandenen studentischen Festkultur, der sich entwickelnden bürgerlichen Gesellschaft und schließlich dem Zusammenfluß beider in der deutschen Nationalbewegung mit einer neuen Organisationsform, dem Verein.


"Die Stange bleibtt am Mann"
Das Stocherkahnrennen auf dem Neckar in Tübingen

von Christoph Seeger (Arminia Straßburg zu Tübingen 1987)
Wer von Studentenverbindungen in Tübingen spricht, denkt auch an die Stocherkahnrennen auf dem Neckar. Das Stocherkahnrennen hat sich in den letzten Jahren so eingebürgert, daß viele meinen, es sei ein uralter Brauch. Dem ist aber nicht so. Erst 1956 fand das erste Stocherkahnrennen überhaupt statt. Heute zieht es bei gutem Wetter regelmäßig 1.000 und mehr Zuschauer an die Ufer des Neckars, die begeistert mitgehen.


Das Barbarafest in Clausthal-Zellerfeld
von Georg Langer (Alte Freiberger Burschenschaft "Glückauf" zu Clausthal 1972)
Die Heilige Barbara ist die Schutzheilige der Bergleute. Ihr zu Ehren feiert die Fachschaft Bergbau an der Technischen Universität Clausthal-Zellerfeld noch heute in jedem Jahr ein allgemein studentisches Fest. Besonders feierlich begeht aufgrund ihrer langjährigen Bergbautradition die Alte Freiberger Burschenschaft "Glückauf" das Barbarafest.


Die "Räuber"-Fahrten der Jenaer Burschenschaften nach Weimar
von Alfred Thullen (Arminia a. d. B. Jena 1932)
Im Februar 1935 fand zum letzten Mal die "Räuber"-Fahrt der Jenaer Burschenschaften nach Weimar statt. Damit ging ein studentischer Brauch zu Ende, der in der Intendantenzeit Goethes begann und der wie sonst kein anderer unmittelbar aus dem deutschen Kultur- und Geistesleben entstanden ist. Kein studentischer Brauch ist so unmittelbar aus dem deutschen Kultur- und Geistesleben entstanden wie die "Räuber"-Fahrten der Jenaer Studenten zu Schillers Drama "Die Räuber" nach Weimar. Wie ein Wunder ragt er aus Goethes Intendantenzeit der Jahre 1791-1817 in Weimar und Bad Lauchstädt als einmaliges Überbleibsel studentischen Übermutes und Selbstbewußtseins aus der deutschen Theaterwelt heraus. Bis 1935 wurde diese studentische Theatertradition in festen zeitlichen Abständen, davon über achtzig Jahre als alleiniges Vorrecht der Jenaer Burschenschaft, praktiziert.


Das Maisingen der Heidelberger Allemannen
Entstehung eines Brauches - sein Wandel in der Zeit und seine vorläufige Zerstörung

von Wolf-Diedrich Reinbach (Allemannia Heidelberg 1968)
Am 30. April 1893, einem Sonntag, gingen, einem plötzlichen Einfall entsprechend, neun oder zehn Heidelberger Allemannen um Mitternacht vom Haus auf den nahen Marktplatz, um den Mai einzusingen. Wegen nächtlicher Ruhestörung und groben Unfugs mußten die Beteiligten dafür die damals hohe Strafe von 30 Mark bezahlen. Aber es war die Geburtsstunde eines studentischen Brauchtums, das Jahrzehnte währte und erst in jüngster Zeit einer Entwicklung zum Opfer fiel, die mit Sinn und Wesen einer solchen Tradition nichts mehr anzufangen weiß.


Thomastag und Thomasbummel
von Ralph Bukowski (Frankonia Erlangen, Cimbria München)
Im Veranstaltungskalender der Erlanger und Nürnberger Korporationen hat der Thomastag eine herausragende Stellung. Am Abend zuvor, samstags, finden meist Kneipen statt, entweder als Kneipen der einzelnen Verbindungen oder auch als Kneipen von Korporationsverbänden. Und am Tag darauf, sonntags, geht's dann zum Thomasbummel. Viele Korporierte gehen Jahr für Jahr hin, manche, die der Berufsweg weiter wegführte und die dann nach längerer Zeit wieder einmal mitbummeln, treffen dabei alte Bekannte. Vor dem Bummel lockt noch der Christkindlesmarkt mit seinen Düften, und nach dem Bummel treffen sich viele Angehörige der einzelnen Verbindungen in ihren angestammten Verkehrslokalen.